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Darts-WM:Nur ein Flitzer irritiert van Gerwen

2017 William Hill PDC World Darts Championships - Day Fifteen

Selbst in der Randsportart Darts gibt es Menschen auf der Suche nach ein paar Sekunden öffentlicher Aufmerksamkeit: Im neunten Satz schnappte sich ein Flitzer den Pokal auf der Bühne.

(Foto: Getty Images)
  • Der Niederländer Michael van Gerwen ist zum zweiten Mal Weltmeister im Darts.
  • In London besiegt der 27-Jährige seinen schottischen Gegner Gary Anderson mit 7:3 Sätzen.
  • Es ist ein spektakuläres und zugleich seltsames Finale.

Von Christopher Gerards

Als er oft genug geschrien hatte, als er immer wieder mit zusammengebissenen Zähnen und geballter Faust über die Bühne gelaufen war - da tat Michael van Gerwen etwas Seltsames. Es geschah spät am Montagabend, der Hallensprecher rief gerade das Preisgeld für den Sieger der Darts-WM ins Mikrofon, 350 000 Pfund. Van Gerwen stand ein paar Meter weiter auf der Bühne des Londoner Alexandra Palace, genannt "AllyPally", neben ihm sein Gegner Gary Anderson. Und plötzlich tat van Gerwen das, was man den ganzen Abend nicht bei ihm gesehen hatte: Er lächelte.

730 Tage hatte der Niederländer auf diesen Moment warten müssen. Van Gerwen hat in seiner Karriere 43 Turniere gewonnen, 25 allein in diesem Jahr. Er ist die Nummer eins der Weltrangliste, aber in einer Sportart, in der die Weltmeisterschaft der Superlativ ist, war van Gerwen eben auch: der Mann, der seit 730 Tagen wartete. Stand eine WM an, warf er die Pfeile regelmäßig ungenauer als bei anderen Turnieren. Es schien, als könne er alles locker gewinnen - außer diesen verflixten WM-Titel, seinen zweiten nach 2014.

Es war kurz vor 23 Uhr, als der 27-Jährige nicht mehr warten musste. 7:3 hatte er gerade gegen Doppelweltmeister Gary Anderson gewonnen. Er war wieder Weltmeister. Und selten hatte ein Turnier einen so verdienten Sieger gesehen.

Spektakuläres und zugleich seltsames Finale

"Das ist der wichtigste Titel, jeder will ihn haben", sagte van Gerwen, als er auf der Bühne interviewt wurde: "Ich denke, ich habe das ganze Turnier über absolut phänomenal gespielt." Wie lange er so weiterspielen könne, wollte der Reporter von ihm wissen. Er habe ein Jahr hart gearbeitet, setzte van Gerwen an - dann liefen ihm Tränen übers Gesicht.

Das Publikum hatte ein spektakuläres und zugleich seltsames Finale gesehen. Spektakulär, weil Anderson und van Gerwen zusammen 42 Mal mit drei Pfeilen die Maximal-Punktzahl von 180 schafften. Und weil sie am Ende durchschnittlich 108,06 (van Gerwen) und 104,93 Punkte (Anderson) warfen. Seltsam, weil es fast vier Sätze lang so schien, als würden van Gerwen und Anderson synchron spielen. Machte der eine einen Fehler, schwächelte auch der andere. Gelangen dem einen sieben perfekte Darts, spielte der andere so gut, dass er das Leg, für das die Spieler 501 Punkte werfen müssen, trotzdem gewann.

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