Olympia:Erster Corona-Fall im deutschen Team

Tour de France

Zuletzt noch bei der Tour de France im Einsatz: Radprofi Simon Geschke.

(Foto: Benoit Tessier/Reuters)

Die Corona-Lage spitzt sich zu und erfasst auch die deutsche Auswahl: Radprofi Simon Geschke wird positiv auf Covid-19 getestet und verpasst das Straßenrennen. Insgesamt gibt es schon 106 Fälle in der Olympia-Blase.

Von Claudio Catuogno, Tokio

Am Freitagnachmittag erreichte der Strom der schlechten Nachrichten dann auch die deutsche Delegation, was wenig überraschte, wenn man bedachte, wie still und beharrlich sich die Nachrichten zuletzt durch die olympische Blase gearbeitet hatten. Der Berliner Radprofi Simon Geschke wurde positiv auf Covid-19 getestet, das Ergebnis wurde am Freitagabend durch einen PCR-Test des Organisationskomitees bestätigt. Geschke wurde damit jäh aus dem Aufgebot für das Straßenrennen am Samstag am Mount Fuji gerissen. Dort war zunächst nur noch das deutsche Trio Emanuel Buchmann, Nikias Arndt und Mitfavorit Maximilian Schachmann gemeldet.

"Ich habe alle Hygieneregeln nach bestem Wissen und Gewissen eingehalten. Ich fühle mich körperlich gut, aber emotional ist das ein sehr schwarzer Tag für mich", sagte Geschke, der auch nicht als Ersatz für das Einzelzeitfahren am 28. Juli zur Verfügung steht. Bei zwölf weiteren Mitglieder des deutschen Teams, die im selben Hotel wie Geschke außerhalb des Olympiadorfs untergebracht sind, fielen alle Tests negativ aus. Fürs Erste zumindest.

Anfangs war in Tokio noch jeder neue Covid-19-Fall in der olympischen Blase einzeln reportiert und begutachtet worden. Am Tag der Eröffnungsfeier waren es dafür aber schon zu viele. Gleich um 19 Fälle stieg am Freitag die Zahl der positiven Tests, die unmittelbar mit den Sommerspielen in Verbindung stehen. Das gab das Organisationskomitee bekannt - noch bevor Geschkes Fall aktenkundig wurde. Laut der Nachrichtenagentur Kyodo waren die 19 Infektionen die höchste Zahl binnen 24 Stunden, seit am 1. Juli das umfangreiche Testprogramm begann. Drei der Betroffenen seien Athleten und hätten im Olympischen Dorf gewohnt.

Bis zum Freitagmittag waren insgesamt 106 Fälle in der olympischen Blase entdeckt worden

Das tschechische Olympia-Komitee gab bekannt, dass es sich bei zwei der drei Athleten um die Beachvolleyballerin Marketa Slukova und den Radprofi Michal Schlegel aus dem Land handele. Die dritte Betroffene ist die niederländische Taekwondo-Kämpferin Reshmie Oogink. Unter den übrigen 16 seien drei Vertreter von Dienstleistern und drei Medienvertreter, hieß es. Insgesamt sind damit schon 106 Fälle in der olympischen Blase entdeckt worden. Athleten oder Offizielle, die wegen eines Positivtests im Trainingslager oder kurz vor dem geplanten Abflug gar nicht eingereist sind, sind nicht mitgezählt. Der jüngste Fall in dieser Kategorie war am Freitag der portugiesische Surfer Federico Morais, der bekannt gab, die Spiele zu verpassen.

Die Frage ist nun, was schneller ist: die mögliche Ausbreitung des Virus, weil einige der positiv Getesteten andere infiziert haben - oder die Versuche der Organisatoren, mithilfe ihrer engmaschigen Testungen die Infektionsketten zu durchbrechen. Wer als "enger Kontakt" zu den Positivfällen gewertet wird, muss 14 Tage in strenge Quarantäne. Mehrere Sportlerinnen und Sportler verpassen deshalb ihre Starts. Ausnahmen können gelten, wenn Athleten innerhalb von sechs Stunden vor ihrem Start einen Negativtest vorlegen - wie Geschkes Zimmerkollege Emanuel Buchmann, dessen Antigen-Tests und PCR-Abstriche zuletzt negativ ausgefallen seien, wie es hieß. Buchmann musste unmittelbar vor dem Straßenrennen aber noch einen weiteren Negativtest vorlegen.

Der Corona-Notstand in Tokio, wegen dem die Wettbewerbe ohne Zuschauer stattfinden, dauert noch bis 22. August und damit über das Ende der Spiele am 8. August hinaus. Die Organisatoren wollen so verhindern, dass das Virus in die einheimische Bevölkerung getragen wird. Da sich - Stand jetzt - alle nach Tokio eingereisten Ausländer ab ihrem 14. Tag in Japan frei bewegen dürfen, wird das wohl nur möglich sein, wenn die olympische Blase nicht selbst zum Superspreading-Event wird.

© SZ/jkn/schm/bkl
Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB