Copa Libertadores:Brasiliens Dominanz hält an

Copa Libertadores: John Kennedy erzielte das 2:1 für Fluminense - und sah kurz danach Gelb-Rot, weil er in der Kurve jubelte.

John Kennedy erzielte das 2:1 für Fluminense - und sah kurz danach Gelb-Rot, weil er in der Kurve jubelte.

(Foto: Sergio Moraes/Reuters)

Fluminense gewinnt die Copa Libertadores durch ein 2:1 gegen Boca Juniors. Der Traditionsverein aus Rio de Janeiro ist der fünfte Klub aus Brasilien in Serie, der sich den Kontinentaltitel sichert - auch wegen der wirtschaftlichen Kraft des Landes.

Von Ralf Itzel, Rio de Janeiro

Der Wetterbericht verspricht für die gesamte Woche Sonnenschein. So mögen es die Cariocas, die Einwohner Rio de Janeiros. Zum Glück ist der Strand des Stadtteils Copacabana nun auch wieder frei von campierenden und singenden Argentiniern. Fast 100 000 Fußballfans aus dem ungeliebten Nachbarland hatten vergangene Woche die cidade maravilhosa, die wunderbare Stadt, angesteuert, die meisten in Reisebussen oder eigenen Autos, ohne Eintrittskarte für das Estadio Maracanã und ohne Unterkunft.

Ähnlich war das 2014 bei der Weltmeisterschaft, daran erinnerten sich die Menschen in Brasiliens Tourismusmetropole zurück. Rios Stadtverwaltung holte die Einsatzpläne von damals aus der Schublade, um des Ansturms wieder Herr zu werden. Erneut wurde den als rüpelhaft verschrienen Gästen auch das Sambódromo, die Tribünenstraße der Karnevalsumzüge, als Versammlungsort zugewiesen.

Bei der WM, bald wird es zehn Jahre her sein, bereitete die deutsche Nationalelf der argentinischen Fiesta schließlich ein Ende, diesmal war es der ortsansässige Fluminense Football Club, der in der Verlängerung triumphierte. In einem packenden Finale der Copa Libertadores, der südamerikanischen Champions League, besiegten die Tricolores (Dreifarbigen) Samstagnacht verdient die Boca Juniors aus Buenos Aires 2:1 (1:1, 1:0). Es ist der erste internationale Titel für den ältesten Klub Rios, gegründet vor 102 Jahren im eleganten Stadtteil Laranjeiras, wo auch das erste zementierte Stadion des Landes steht.

Die meisten Argentinier sind gleich nach dem Schlusspfiff wieder in die Micros gestiegen, wie sie die Busse nennen, die Heimreise dauert immerhin drei Tage. Die Niederlage schmerzt, aber nicht so sehr wie vor fünf Jahren, als sich der sechsmalige Titelträger dem Stadtrivalen River Plate beugen musste, in einem Duell, das nach Ausschreitungen in Buenos Aires nach Madrid verlegt worden war.

Cavani muss bei Boca ausgewechselt werden

Diesmal mit einem überwiegend unerfahrenen Team überhaupt das Finale erreicht zu haben, kann sich Trainer Jorge Almirón schon als Erfolg gutschreiben. Seine Schützlinge konnten weder im Achtel- noch im Viertel- oder im Halbfinale ein Spiel gewinnen, nach Unentschieden kamen die Blau-Gelben drei Mal im Elfmeterschießen weiter, Lieblingsübung des früheren Nationaltorhüters Sergio Romero.

Auch diesmal hatte der 35-malige argentinische Meister nicht viel mehr zu bieten als großen Kampf und die verblassende Aura von Stürmer Edinson Cavani, 36, aus Uruguay, der verletzt ausgewechselt wurde. So verneigte sich am Ende Argentiniens meistgelesene Tageszeitung Clarín vor einem "großen Rivalen, des Titels würdig und der gerechte Sieger".

Brasiliens Dominanz hält an, es ist der fünfte Triumph in Serie. Vergangenes Jahr hatte Flamengo gejubelt, Fluminenses Rivale, der diesmal trotz des größten Budgets grandios scheiterte und sich jetzt mit dem früheren Nationaltrainer Tite stabilisieren will.

Der Schützenkönig von Fluminense erzielt mehr Tore als die ganze Boca-Mannschaft

Brasilien, fünftgrößtes Land der Welt, ist der Wirtschaftsmotor Südamerikas, auch die Fußballvereine dort haben mehr Geld als die Konkurrenz. So haben die besten argentinischen Profis, die nicht in Europa kicken, in Brasilien angeheuert. Der allerbeste bei Fluminense: Schützenkönig Germán Cano erzielte vor 69 000 Zuschauern gegen die Landsleute sein 13. Tor im zwölften Spiel dieser Copa Libertadores (1:0, 36.), kein Elfmeter dabei. Das sind mehr Treffer als die der gesamten Boca-Mannschaft.

Die konnte nach der Pause immerhin ausgleichen (Luis Advíncula, 72.), was die Gesangsduelle zwischen den beiden Anhängergruppen noch intensivierte.

Doch wie Joachim Löw 2014 am selben Ort konnte Fluminenses Coach Fernando Diniz noch einen Joker zücken. Ähnlich wie der damalige deutsche Nationaltrainer an der Seitenlinie Mario Götze einschwor, tat dies Diniz mit seinem Angriffstalent John Kennedy. Und der 21-Jährige, dessen Vater den früheren US-Präsidenten verehrt und deshalb den Namen wählte, entschied nach der Einwechslung (80.) das Finale durch einen strammen Schuss in der 99. Spielminute. Dann ließ er sich, etwas zu ausgiebig, in der Fankurve feiern - und sah dafür die gelb-rote Karte. Eine Dummheit, die unbestraft blieb. Boca verlor ebenfalls einen Mann per Platzverweis und rannte dem erneuten Ausgleich vergeblich hinterher. "Welch eine Erleichterung", sagte Kennedy, "ich hatte einen Riesenbammel." Nach dem Schlusspfiff tanzte er Samba, während Diniz über die Barrikade kletterte und ein Bad im rot-weiß-grünen Meer der Fans nahm.

Copa Libertadores: Fans der Boca Juniors, nachdem ihre Mannschaft das Endspiel der Copa Libertadores gegen das brasilianische Team Fluminense verloren hat.

Fans der Boca Juniors, nachdem ihre Mannschaft das Endspiel der Copa Libertadores gegen das brasilianische Team Fluminense verloren hat.

(Foto: Gustavo Garello/dpa)

"Ich werde diesen Sieg sehr genießen", ließ der 49-Jährige wissen. Es ist sein erster großer Titel. Der Mann mit der wunderbar altmodischen, dunkelgrünen Trainingshose ist als Übungsleiter in Mode in Brasilien, weil er auf offensiven Kombinationsfußball setzt. Im Dezember will er den bei der Klub-WM in Saudi-Arabien zeigen.

In zwei Wochen aber gilt es erst noch einen weiteren Vergleich mit Argentinien im Maracanã zu meistern. Diniz ist derzeit auch Interimstrainer der brasilianischen Nationalmannschaft, und die empfängt in zwei Wochen in der WM-Qualifikation ausgerechnet den Weltmeister. So viele Gäste wie diesmal werden dann nicht erwartet in Rio de Janeiro, ein gewisser Lionel Messi aber soll kommen.

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