Champions League: Schalke 04:Dem Künstler sei Dank

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Der ewig junge Stürmer Raúl schafft den ersehnten Auswärtstreffer: Der FC Schalke 04 erreicht im Champions-League-Achtelfinale beim FC Valencia ein verdientes Unentschieden.

In der letzten Minute hätte Schalkes Hao Jumin fast noch das Siegtor erzielt, aber das wäre wohl nicht ganz gerecht gewesen. Und auch ohne diesen Treffer sind die Gelsenkirchener gut bedient: Mit einem 1:1 (1:0) beim FC Valencia im Hinspiel des Achtelfinales der Champions League haben sie sich eine exzellente Ausgangsposition fürs Rückspiel erarbeitet. In der Bundesliga läuft es ja nicht so rund für Schalke, aber auf der ganz großen Bühne scheinen die Spieler sich wohl zu fühlen.

Schalke 04's Raul kicks the ball to score a goal past Valencia's Navarro during their Champions League soccer match in Valencia

Der ersehnte Auswärtstreffer: Raúl erzielt in Valencia das 1:1.

(Foto: REUTERS)

Die Partie hatte - so seltsam das klingen mag - für beide Mannschaften gut angefangen. Beide wirkten wach und gut vorbereitet, beide suchten früh den Weg zum Tor des Gegners. Bereits in der vierten Minute flankte Schalkes José Manuel Jurado scharf vor das Tor von Valencia, Torwart Vicente Guaita klärte mit den Fäusten. Zwei Minuten später klärte Ricardo Costa knapp vor Raúl, der sich anschickte, mit dem Ball in Richtung Tor zu enteilen. Und dann hatte Schalke diese Großchance, über die man in Gelsenkirchen noch eine Weile diskutieren würde, wenn nicht später Raúl getroffen hätte.

Lukas Schmitz hatte in den Strafraum gepasst, wo Benedikt Höwedes den Ball so gewitzt wie geschickt mit der Fußspitze zu Klaas-Jan Huntelaar beförderte. Der wiederum fand sich in sechs Metern Entfernung allein vor dem Tor wieder, das musste der ersehnte Auswärtstreffer für Schalke sein, es ging gar nicht anders. Nun ja, es ging dann doch anders: Huntelaar trat ein gewaltiges Loch in die Abendluft, der Ball bewegte sich auf einer ihm genehmen Flugbahn weiter, und in Valencia konnten sie vermutlich nicht recht glauben, was da gerade passiert war.

Huntelaar trägt den Spitznamen "The Hunter", der Jäger, doch in diesem Moment wirkte er im Strafraum nicht wie ein hellwacher Mann auf der Pirsch, sondern wie ein Pilzsammler in Gedanken. Es war die neunte Minute, so früh schon hätte es so gut aussehen können.

Zu den seltsameren Gesetzen des Fußball zählt es, dass umgehend bestraft wird, wer seine Chancen nicht nutzt. Sinnvoller wäre ja, dass derjenige, der fleißig Chancen herausarbeitet, irgendwann den verdienten Lohn erntet. Schalkes Bestrafung sah so aus: Aritz Aduriz passte auf Jeremy Mathieu, der sich mit Tempo auch der linken Seite durchsetzte, schaute, flankte und den formidablen Stürmer Roberto Soldado fand, der den Ball aus kurzer Distanz zum 1:0 über die Linie drückte (17. Minute). Es war ein sehenswerter Treffer, eingeleitet hatte ihn allerdings Christoph Metzelder mit einem recht fürchterlichen Fehlpass - insofern entsprang Schalkes Bestrafung nicht nur der ungenutzten Chance, sondern hatte ihre Ursache auch im eigenen, kurzzeitigen Unvermögen.

Anschließend reagierte Schalke gut, die Mannschaft ließ sich nicht entmutigen und versuchte, weiterhin anzugreifen. Das flexible Team aus Valencia lief nun im eigenen Stadion den ein oder anderen Konter, bisweilen gab es aber auch Kostproben seiner Fähigkeit, den Ball durch die eigenen Reihen zirkulieren zu lassen. Das sah bisweilen richtig gut aus, und da Schalke munter mitmachte, wurde es ein unterhaltsames Fußballspiel. Zum Glück für die Deutschen vergaben die Spanier noch die ein oder andere gute Chance, so dass schließlich die Bühne bereitet war für den großen Auftritt von Jurado und Raúl. Die beiden Spanier hatten ja ihren ersten Auftritt in der Heimat, seit sie auf Schalke angeheuert hatten.

Es lief die 63. Minute, Jurado passte zu Raúl in den Strafraum, und dann passierte nicht viel, doch das Wenige folgte einem Plan, wie ihn nur Klassestürmer ausführen können: Ballannahme und -weiterverarbeitung waren eins, zudem verschaffte sich Raúl noch das bisschen Platz, das er brauchte, schließlich schoss er den Ball aus neun Metern zum 1:1 flach ins rechte Toreck.

Schnell war das gegangen, wer kurz den Blick von Spielfeld nahm, hätte das Tor gar nicht bemerkt - wenn nicht anschließend Raúl ausgelassen jubelnd durchs Mestalla-Stadion gerannt wäre und sich ein Knäuel aus blau gewandeten Spielern bildete. Mit einem gewissen Unmut nahmen die 40000 die Tänze zur Kenntnis, und mit größerem noch größerem Unmut registrierten sie, dass die Schalker das Remis bis zum Ende der Partie verteidigten. Ein Unentschieden mit einem eigenen Tor, das war ihr Wunschergebnis gewesen. Nun reicht im Rückspiel schon ein 0:0.

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