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Champions League:Gladbach ist eine halbe Stunde im Himmel

VfL Borussia Moenchengladbach v FC Barcelona - UEFA Champions League

Gladbachs Mahmoud Dahoud (li.): Besondere Begegnung mit Barcelonas Neymar

(Foto: Dean Mouhtaropoulos/Bongarts/Getty Images)

"Lebe Deinen Traum", stand am Mittwochabend auf einem riesigen Plakat an der Front des Borussia-Parks. Darunter leuchteten die Wappen der vier Klubs der Champions-League-Gruppe C. Die Gladbacher sind stolz darauf, sich diesen Herbst mit Celtic Glasgow und Manchester City messen zu dürfen, aber besonders stolz sind sie auf die Duelle mit dem FC Barcelona. Die Borussia, sie lebte am Mittwoch ihren Traum, sie lieferte Barca einen Kampf, auch wenn sie ihn am Ende mit 1:2 (1:0) verlor.

31 Minuten lang träumten die Gladbacher von der Sensation, nach dem Ausgleich weitere neun Minuten vom Unentschieden, am Ende mussten sie Barcelona doch den Siegtreffer zugestehen. Mit der zweiten Niederlage im zweiten Spiel gingen die Borussen aber erhobenen Hauptes vom Feld. "Das war ein großartiger Abend", sagte Sportdirektor Max Eberl, "die Mannschaft hat alles in die Waagschale geworfen und sich gegen einen übermächtigen Gegner sehr gut aus der Affäre gezogen. Wir sind jetzt nach einem 1:2 bedröppelt, können aber auch stolz sein."

Gladbachs Trainer André Schubert stellte Barcelonas 4-3-3 und der offensiven Dreierreihe mit Neymar, Luis Suarez und dem Messi-Ersatz Paco Alcacer eine Dreierkette entgegen, verzichtete also auf die Viererkette, auf die er während der 0:4-Niederlage bei Manchester City mitten im Spiel hatte umstellen müssen. Schubert, dessen Vertrag einen Tag vor dem Spiel bis 2019 verlängert worden war, gibt offenbar nicht so schnell klein bei: Die jungen Julian Korb, Andreas Christensen und Nico Elvedi mussten das Rückgrat einer Gladbacher Mannschaft bilden, deren Heimstärke sich aus leidenschaftlichem und riskantem Angriffsfußball speist.

Stimmvolumen der Gladbacher Kulisse

Nach dreieinhalb Minuten bekamen die Borussen schon die erste Ecke des Spiels, sie hatten nicht vor, sich hinter Barcelonas Ruf zu verstecken. Als Neymar nach sechs Minuten allerdings frei vom Elfmeterpunkt aufs Tor schoss (und in die Arme vom Torwart Yann Sommer traf), wurde allerdings deutlich, dass der Ruf schon seine Berechtigung hat. Und als Barcelona nach zehn Minuten die Herrschaft über den Ball reklamierte und Suarez nach elf Minuten schon die zweite gute Chance zum Führungstreffer besaß, war die alte Hierarchie im Traumland Champions League wieder hergestellt.

Dem Stimmvolumen der Gladbacher Kulisse tat das aber keinen Abbruch. Je deutlicher die individuelle Klasse der Spanier zutage trat, desto lauter bejubelten die Fans jede Grätsche, jeden gelungenen Pass, jeden Konter. Marc-André ter Stegen, gebürtiger Mönchengladbacher, seit gut zwei Jahren beim FC Barcelona im Tor und von den Borussen-Fans mit Applaus begrüßt, kam 34 Minuten lang nicht in die Verlegenheit, seinen ehemaligen Kollegen einen Treffer vermasseln zu müssen.

Lange sprengt keiner die rheinische Blockade

Doch dann blockierte der vor Eifer sprühende Mahmoud Dahoud im Mittelfeld den schlampig spielenden Sergio Busquets und spurtete mit, als Raffael einen Konter startete und links hinüber spielte; von dort zauberte Dahoud den Ball mit dem Außenrist in die Mitte, wo Thorgan Hazard zum 1:0 einschob. Für den jungen Belgier war es im zehnten Pflichtspiel in dieser Saison der siebte Treffer. Die aus einer einzigen Chance resultierende Pausenführung euphorisierte das Gladbacher Publikum vollends.

Nur drei Minuten nach Wiederanpfiff musste sich dann aber Gladbachs Kreativdirektor Raffael auswechseln lassen. Er hatte sich schon vor der Pause an den Oberschenkel gegriffen und wurde durch Fabian Johnson ersetzt. Das wachsende Bedürfnis der Katalanen nach dem Ausgleich hätte auch Raffael kaum mindern können, aber seine Kollegen machten es gut. Die Dreierkette wuchs zur Fünferreihe heran; Barcelona mangelte es vorerst an der Wucht, die rheinische Blockade zu sprengen.

Gladbach verteidigte zu elft und suchte die Vorentscheidung in Kontern, aber die konnten sie nicht mehr ausspielen. Spitzenteams wie Barca genügen aber oft wenige gute Szenen, wie etwa jene Szene in der 65. Minute, als der fünf Minuten zuvor eingewechselte Türke Arda Turan sich nach Neymars Pass im Strafraum gegen Elvedi durchsetzte und den Ball unter die Latte des Gladbacher Tores jagte. Auch der neue Traum vom Unentschieden währte danach nur neun Minuten, dann konnte Sommer einen 15-Meter-Schuss von Suarez nicht festhalten und musste den Ball Piqué zum 1:2 überlassen. Ein Comeback gelang den Gladbachern zwar nicht mehr, aber zum Abschied gab's dennoch den verdienten Applaus des gut unterhaltenen Publikums.


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