Dortmund in der Champions League:Achtelfinale, geschafft!

Dortmund in der Champions League: Schütze des zweiten Dortmunder Tores: Jamie Bynoe-Gittens.

Schütze des zweiten Dortmunder Tores: Jamie Bynoe-Gittens.

(Foto: Antonio Calanni/AP)

Der BVB gewinnt überraschend das schwere Auswärtsspiel in Mailand und qualifiziert sich vorzeitig. Jamie Bynoe-Gittens spielt erneut stark - und es trifft sogar einer, der zuletzt nur in der Kritik stand.

Von Ulrich Hartmann

Dritter Sieg im dritten Champions-League-Spiel nacheinander - und das in der wohl schwierigsten aller acht Gruppen: Mit einem überraschenden 3:1 (1:1)-Erfolg bei AC Mailand zog Borussia Dortmund bereits am vorletzten Gruppenspieltag vorzeitig ins Achtelfinale ein.

Die BVB-Treffer erzielten Marco Reus (10, Foulelfmeter), Jamie Bynoe-Gittens (59.) und Karim Adeyemi (69.). Erstaunlich abgebrühte Dortmunder kochten stolze Rossoneri (rotschwarze Mailänder) gewissermaßen zu einem safrangelben Risotto Milanese ein. Mit Scheiben von schwarzem Trüffel ergäbe so etwas eine schwarz-gelbe Delikatesse. Während es für Mailand durch diese Niederlage schwer wird, noch ins Achtelfinale vorzurücken, ist das finale Gruppenspiel des Tabellenführers Borussia am 13. Dezember gegen Paris Saint-Germain nur noch für die Franzosen von Bedeutung fürs Weiterkommen. Für den BVB geht es lediglich noch um den Gruppensieg.

Dortmunds Trainer Edin Terzic hatte sich vor dem Spiel explizit erbeten, seine Mannschaft möge doch bitte sehr aufmerksam und mitnichten so pomadig ins Spiel starten wie zuletzt in der Bundesliga gegen Gladbach, als man erst bei 0:2 nach einer halben Stunde den Motor anließ und am Ende 4:2 gewann. Solche "Comeback-Qualitäten", wie Dortmunds Sportdirektor Sebastian Kehl sie belobigte, will man in einem Gastspiel in San Siro zwar eigentlich gar nicht erst auf den Prüfstand stellen, doch die Dortmunder demonstrierten sie aufs Neue - und das doch tatsächlich bereits in den ersten zehn Minuten.

In der Anfangsphase gibt es gleich zwei Elfmeter

Nach gerade mal fünf Minuten erhielten die Mailänder zwar einen Handelfmeter (Samu Chukwueze schoss Nico Schlotterbeck den Ball an den Oberarm), den Olivier Giroud allerdings vergab, weil der BVB-Keeper Gregor Kobel famos unten links parierte. Nur drei Minuten später zeigte der rumänische Schiedsrichter Istvan Kovacs auf der anderen Seite erneut auf den Punkt, nachdem Mailands Davide Calabria dem in den Strafraum stürmenden Bynoe-Gittens ein Bein gestellt hatte. Reus wählte in der 10. Minute genauso wie zuvor Giroud die linke Seite des Tors, nur schoss er höher und fester und brachte seine Dortmunder dadurch früh mit 1:0 in Führung.

Die als besonders berauschend bekannte Kulisse im Giuseppe-Meazza-Stadion (auch: San Siro oder: "die Scala des Fußballs") reagierte geschockt. Am liebsten haben es die Fans hier, wenn ihr Stadion die Gastmannschaft verschlingt. In diesem Sinne hatte Mailands Trainer Stefano Pioli am Tag vor dem Spiel von den Dortmunder Fußballern ein Bild entworfen, als erwarte er eine Kolonne unbedarfter Pfadfinder auf geradem Wege in einen Tornado. "Wir kannten die Gelbe Wand in Dortmund", sagte er über das Nullzunull im Hinspiel in Dortmund: "Aber sie kennen das San Siro der Champions League nicht."

Das San Siro der Champions League sah auch nach dem 1:0 die besseren Chancen bei den Dortmundern, die sich wie bei den vorangegangenen beiden Champions-League-Siegen gegen Newcastle von ihrer vorteilhaften Seite zeigten. Zunächst versäumten sie allerdings ein Tor nachzulegen. Dies rächte sich in der 37. Minute, als Mailands Chukwueze von rechts in den Strafraum eindrang und aus sehr spitzem, eigentlich zu spitzem Winkel zum 1:1 ausglich. San Siros Kulisse kehrte sofort zurück und beflügelte seine Fußballer erst recht mit Aufnahme der zweiten Halbzeit.

Mailand spielte in der Abwehr mit dem früheren Schalker Malick Thiaw und im Angriff mit dem früheren Dortmunder Christian Pulisic. Letzterer testete nach der Pause die BVB-Abwehr mit einem spektakulären Seitfallzieher. Thiaw zerrte sich kurz darauf den Oberschenkelmuskel und musste hinaus. Minuten später wurde auch Dortmund zu einer Rochade gezwungen: Emre Can rückte für den angeschlagenen Nico Schlotterbeck in die Innenverteidigung. Niklas Süle war erkrankt gar nicht erst mit nach Italien geflogen.

Bei Mailand spielte nach Thiaws Ausschieden der Mittelfeldmann Rade Krunic in der Innenverteidigung, und das merkte man. Es entstanden Räume. Der 19 Jahre junge Engländer Bynoe-Gittens, der bereits beim 4:2 gegen Gladbach getroffen hatte, markierte in der 59. Minute das 2:1 mit seinem ersten Champions-League-Treffer. Zehn Minuten später machte der eingewechselte Adeyemi, der zuletzt oft kritisiert wurde, mit dem 3:1 alles klar. "Wir haben mit dem vorzeitigen Achtelfinal-Einzug in einer wirklich heftigen Gruppe ein Ausrufezeichen gesetzt", freute sich hernach der selige Sportchef Sebastian Kehl.

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