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BVB in der Champions League:Verpufft wie eine feuchte Silvesterrakete

Mit dem BVB scheidet der letzte deutsche Vertreter im Viertelfinale der Champions League aus: ManCity gewinnt auch das Rückspiel 2:1 - und freut sich über ein Elfmeter-Geschenk.

Von Ulrich Hartmann, Dortmund

Das dringend benötigte Feuerwerk von Borussia Dortmund hatten die Fans bereits in der Nacht vor dem Spiel am Hotel von Manchester City abgebrannt. Eine dadurch erhoffte Müdigkeit beim Kontrahenten hat sich tags darauf allerdings nicht eingestellt. Der unlautere Trick zündete fehl, obwohl der BVB nach seiner 1:0-Führung durch Jude Bellingham in der 15. Minute sogar lange auf dem Pfad der Überraschung wandelte.

Doch in der 55. Minute glich Riyad Mahrez per Handelfmeter für City zum 1:1 aus. Emre Can hatte den Ball unglücklich an den Arm bekommen. In der 75. Minute machte Phil Foden mit dem 2:1 für Manchester alles klar. "Wir hatten einen großen Traum, der ist jetzt leider vorbei", sagte BVB-Trainer Edin Terzic. Dieser Traum verzischte dunkel am Himmel wie eine feuchte, alte Silvesterrakete.

Der Stolz darauf, letzter deutscher Vertreter im Europapokal gewesen zu sein, hatte sich beim BVB in Grenzen gehalten. Denn es waren ja nur 24 Stunden gewesen. 24 Stunden, nachdem der FC Bayern gegen Paris Saint-Germain aus der Champions League ausgeschieden war, erwischte es am Mittwochabend auch die Dortmunder. Die neuerliche 1:2 (1:0)-Niederlage im Viertelfinal-Rückspiel reichte nicht annähernd, um die gleichlautende Niederlage aus dem Hinspiel wettzumachen. Jetzt treffen Ende April und Anfang Mai im Halbfinale nicht die Bayern auf die Borussen, sondern die Pariser auf die Citizens.

Pep Guardiola erstmals mit City im Halbfinale

Für Manchesters Trainer Pep Guardiola ist es im fünften Anlauf der erstmalige Einzug ins Halbfinale mit Manchester und persönlich der erstmalige Einzug in die Vorschlussrunde, seit er 2016 mit Bayern München dort gegen Atlético Madrid ausgeschieden war. Guardiolas vorerst letzter von zwei Champions-League-Triumphen mit dem FC Barcelona ist genau zehn Jahre her. 2011 besiegten sie im Endspiel Manchester United.

Das Champions-League-Endspiel 2013 unter dem Trainer Jürgen Klopp in London (1:2 gegen Bayern München) noch mit dem heutigen City-Mittelfeldspieler Ilkay Gündogan bleibt derweil für Dortmund bis auf weiteres die letzte Annäherung an einen Champions-League-Triumph. Seither hat der Verein zwar drei Mal das Viertelfinale, aber nicht mehr das Halbfinale erreicht. Und für die kommende Saison ist sogar höchst fraglich, ob der BVB es überhaupt wieder in die Champions League schafft. Denn der Rückstand zum Qualifikationsrang vier der Bundesliga beträgt sechs Spieltage vor dem Saisonende sieben Punkte. Am Sonntag empfängt Dortmund Werder Bremen. Ein Trostpflaster ist noch das DFB-Pokal-Halbfinale gegen Holstein Kiel am 1. Mai. Zumindest diese Endspiel-Hoffnung bleibt.

Weil die Dortmunder mit ihrer Leistung bei der unglücklichen 1:2-Niederlage im Hinspiel in Manchester sehr zufrieden gewesen waren, stellte Terzic im Rückspiel genau dieselbe Startelf auf. Der 19 Jahre junge Ansgar Knauff spielte also wieder in der Offensive mit Erling Haaland und Marco Reus. Im defensiven Mittelfeld bildeten Jude Bellingham, Can und Mahmoud Dahoud erneut eine Dreierreihe.

Und wieder funktionierte diese Dortmunder Strategie ganz gut. Dass sie im Hinspiel nur sehr unglücklich in der 90. Minute das zweite Gegentor kassiert hatten und dass nun ein 1:0 sogar zum Weiterkommen reichen würde, elektrisierte die Borussen zu Beginn erkennbar. Diese Energie brachte sie in der 15. Minute dann auch in Führung. Nach einem Pressschlag von Dahoud im Strafraum landete der Ball bei Bellingham, der ihn aus 15 Metern in den Winkel schlenzte. Torwart Ederson touchierte die Kugel noch, konnte sie aber nicht abwehren. Bellingham, der 17 Jahre junge Engländer, brachte Manchester in Not. "Wir haben gegen die beste Mannschaft der Welt gespielt und waren in der Lage mitzuhalten", befand Can.

Nach dem Gegentor wirkten die Citizens zunächst zittrig. Doch dann gaben sie Gas und kamen zu mehr guten Chancen, darunter ein Lattenschuss von Kevin De Bruyne. Das 1:1 in der 55. Minute war dann allerdings extrem unglücklich für die Dortmunder, weil es nur per Elfmeter zustande kam, nachdem Can der Ball im eigenen Strafraum halb an den Kopf, halb an den Oberarm geflogen war. Als nach zweiminütiger Überprüfung auf Elfmeter entschieden wurde, schlug Can die Hände vors Gesicht. Mahrez verwandelte. "Auf den Schiedsrichterschulungen heißt es ganz eindeutig, dass ein Anköpfen des eigenen Armes nicht strafbar ist", sagte Terzic. "Ich sag mal so: Großes Glück haben wir in den beiden Spielen mit den Entscheidungen nicht gehabt."

Nicht ganz freiwillig überließen die Borussen ihren Gästen auch weiter den Ball, lauerten aber auf die eine Chance, die ihnen in die Verlängerung verholfen hätte. Doch zu dieser Gelegenheit kam es nicht. Foden, im Hinspiel bereits Schütze des späten 2:1, erschuf auch diesmal den Endstand: in der 75. Minute rauschte der Ball an Hitz vorbei ins Tor.

© SZ/jkn/bek
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