Bundesliga:Die nächste Corona-Saison

Zweiter Corona-Fall bei Borussia Dortmund

Vergeblich ins Stadion gekommen: Fans von Borussia Dortmund, die sich das kurzfristig abgesagte öffentliche Training anschauen wollten.

(Foto: Christopher Neundorf/dpa)

Auch die dritte Spielzeit während der Pandemie ist schon vor Beginn von Quarantänen und Absagen geprägt. In den Fokus rücken diesmal die Impfquoten bei den Klubs.

Von Sebastian Fischer

Emre Can trägt ein Pflaster auf seinem Oberarm, er schaut fürs Foto sehr überzeugt in die Kamera, passend zu seinen Sätzen. "Für mich ist es selbstverständlich dieses Angebot anzunehmen, sobald es mir zur Verfügung steht", so wird der Nationalspieler von Borussia Dortmund auf der Webseite des Gesundheitsministeriums zitiert. Es ist Cans Antwort auf die Frage, was ihn überzeugt habe, sich gegen das Coronavirus impfen zu lassen. Wie notwendig diese Einstellung auch für den Alltag seiner eigenen Branche sein dürfte, das haben die vergangenen Tage gezeigt.

Die Saison, die in der Bundesliga am übernächsten Wochenende beginnt, ist bereits die dritte im Zeichen der Pandemie. Sie wird diesmal nicht vor komplett leeren Rängen beginnen, nicht in ganz so trostloser Atmosphäre. Doch spätestens seit bei Cans BVB am Dienstag in Absprache mit dem Gesundheitsamt ein geplantes öffentliches Training ausfiel, weil Julian Brandt und Thomas Meunier positiv getestet wurden, ist klar, dass der Saisonstart wieder stark von Corona geprägt sein wird.

Die Beispiele sind zahlreich: Für den FC Bayern fällt das Erstrundenspiel im DFB-Pokal beim Fünftligisten Bremer SV aus, weil beim Gegner drei Spieler positiv getestet wurden und das ganze Team in Quarantäne ist, ausgenommen der geimpften Spieler. Auch der FC Bayern selbst ist betroffen: Mittelfeldspieler Corentin Tolisso ist positiv getestet in häuslicher Isolation in Frankreich. Corona-Fälle in der Vorbereitung gab es in der Bundesliga außerdem bei der TSG Hoffenheim und dem VfB Stuttgart, bei Eintracht Frankfurt und dem FC Augsburg.

Am ärgsten hat es den Drittligisten MSV Duisburg getroffen, die Mannschaft musste nach vier Corona-Fällen in Quarantäne und hat vor dem dritten Spieltag am kommenden Wochenende noch keine Partie ausgetragen. In der zweiten Liga traf es besonders hart den SV Darmstadt 98, der bei der zweiten Niederlage im zweiten Spiel am vergangenen Wochenende in Karlsruhe auf sieben Spieler verzichten musste, die wegen Corona- oder Quarantänefällen ausfielen. Dass die Partie überhaupt stattfand und nicht verlegt wurde, empörte Trainer Torsten Lieberknecht. "Du erfährst keinerlei Rückendeckung. Du wirst aufgefressen, aber das interessiert kein Schwein", sagte er.

Nun sind derartige Umstände nicht neu, sondern eher logisch bei steigenden Inzidenzzahlen. Und es hat sich auch nichts daran geändert, dass die örtlichen Gesundheitsämter über die jeweiligen Maßnahmen entscheiden, mit entsprechenden Konsequenzen für die Klubs. Neu ist in dieser Saison für die Vereine allerdings, dass die Möglichkeit von Impfungen zum Schutz besteht - oder in der Sommerpause bestand.

Nachdem sich der Frankfurter Profi Ajdin Hrustic infiziert hatte, gab der Klub bekannt, der Australier sei "einer der letzten Spieler im Eintracht-Kader, die sich bislang noch keiner Impfung unterziehen konnten". Sportvorstand Markus Krösche, der sich zuletzt vehement für die Rückkehr von geimpften Zuschauern in die Stadien unabhängig von der Inzidenz starkgemacht hatte, sagte: "Das Beispiel verdeutlicht einmal mehr die gesellschaftliche Bedeutung des Impfens."

In und vor vielen Stadien, auch auf Trainingsanlagen der Klubs gibt es in diesen Tagen die Möglichkeit, sich impfen zu lassen. Außerdem werben die Profis dafür: Beim Einlaufen ins Stadion krempelten sich die Zweitligaspieler am vergangenen Wochenende den Ärmel hoch, um an die Impfbereitschaft der Fans zu appellieren. Was die Impfungen der Spieler selbst angeht, gibt es von der Deutschen Fußball Liga (DFL) aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes keine konkreten Zahlen. Sie dürften recht hoch sein - aber sind sie hoch genug? BVB-Mannschaftsarzt Lars Lippelt sprach kürzlich von einer "hohen Quote von 90 Prozent, die erstgeimpft sind". Als beim VfB Stuttgart am Wochenende nur acht Profis für das Freundschaftsspiel gegen den FC Barcelona zur Verfügung standen, hieß es vom VfB, alle Fehlenden seien "verletzt bzw. angeschlagen, positiv getestet oder nicht vollständig geimpft".

Hinzu kommt, dass das Virus selten auch doppelt Geimpfte erwischt, auch wenn sie meist weniger Symptome aufweisen. Daniel Caligiuri vom FC Augsburg, nach Vereinsangaben vollständig geimpft, musste nach einem Positivtest in Quarantäne. Angesteckt hat er beim FCA allerdings offenbar niemanden. Der "Großteil" des Kaders habe vollständigen Impfschutz, erklärte der Klub.

Auch beim BVB gibt es bislang keine weiteren Positivfälle. Das Mannschaftstraining am Mittwoch fand wieder statt. Emre Can fehlte im Training aber bislang - wegen Wadenproblemen.

© SZ
Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB