Borussia Dortmund in der Einzelkritik:Ein Vermisster taucht wieder auf

Nuri Sahin dirigiert nach seiner Rückkehr sogleich das Mittelfeld. Marcel Schmelzer ist plötzlich Kapitän, verzichtet aber auf Extravaganzen. Und Mitchell Langerak schickt eine zufriedene SMS nach Australien. Der BVB beim 1:1 gegen Anderlecht in der Einzelkritik.

Von Felix Meininghaus, Dortmund

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Mitchell Langerak

Borussia Dortmund - RSC Anderlecht

Quelle: dpa

Wenn der Australier nach einem Champions-League-Spiel aus der Dusche kommt, ist es in der Heimat sieben Uhr morgens und die Eltern stehen gerade auf. So erzählte es Dortmunds neue Nummer eins neulich. Dieses Mal könnte bei Marmelade und Brötchen folgende SMS eingetrudelt sein: "Am Ende zwar noch ein Tor bekommen, aber totzdem Gruppensieger. Alles gut, wahrscheinlich werde ich am Samstag in Berlin wieder spielen." Immer, wenn er gebraucht wurde, war Langerak da, klasse, wie er in der ersten Hälfte Auge in Auge mit Mitrovic den Rückstand verhinderte. Als der Stürmer dann per Kopf traf, war Langerak chancenlos.

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Erik Durm

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Quelle: AFP

Weil Dauerarbeiter Lukasz Piszczek gegen Anderlecht eine Pause bekam, durfte sich der etatmäßige Linksverteidiger Erik Durm auf der rechten Seite probieren. Eine Aufgabe, der er als Aushilfskraft früher bereits zur Zufriedenheit bewältigt hatte. Durm führte sich mit einem rustikalen Tackling ein und hatte Glück, ohne gelbeKarte davonzukommen. Danach absolvierte er seinen Part unaufgeregt und konzentriert, ließ allerdings die Flanke zu, die zum Ausgleich führte.

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Neven Subotic

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Quelle: AP

Zuletzt wirkte der Serbe unsicher und fahrig, doch das änderte sich gegen Hoffenheim, als Mats Hummels in die Innenverteidigung zurückkehrte. Der Kapitän wurde allerdings gegen Anderlecht geschont, und so musste Subotic mal wieder ohne seinen Lieblingspartner verteidigen. Das machte dieses Mal nicht viel, denn der Gegner aus Belgien übte so wenig Druck aus, dass Subotic und seine Kollegen nur selten in Verlegenheit gerieten.

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Matthias Ginter

Borussia Dortmund v RSC Anderlecht - UEFA Champions League

Quelle: Bongarts/Getty Images

Der Manndecker trat seinen Dienst in Dortmund zwar als Weltmeister an, doch er fremdelte so sehr, dass man dem Ex-Freiburger eine Kurzkur im Breisgau gegönnt hätte. Gegen Anderlecht durfte der junge Mann wieder von Beginn an ran, weil Kapitän Hummels pausierte. Ginter präsentierte gleich mal eine Klasse-Grätsche im Mittelfeld. Er agierte engagiert und ohne größere Aussetzer, irgendwann wird er bestimmt auch im Ruhrpott heimisch.

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Marcel Schmelzer

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Quelle: AP

Auf der linken Außenbahn geht der Kampf um die Pole Position weiter: Derzeit ist Marcel Schmelzer mal wieder auf der Überholspur, während Weltmeister Erik Durm in der Boxengasse wartet oder zur Not auch mal auf rechts Gas gibt. Weil sein sportlicher Vorgesetzter Klopp heftig rotierte, bekam Schmelzer nun plötzlich die Kapitänsbinde über den linken Ärmel gestreift, was ihn aber nicht zu Extravaganzen verleitete. Schmelzer spielte grundsolide und hielt seine Seite sauber.

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Nuri Sahin

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Quelle: AFP

Der türkische Nationalspieler durfte erstmals nach überstandener Knieverletzung wieder von Beginn an ran und übernahm sofort den Part des Chefs im defensiven Mittelfeld. Sahin dirigierte viel, sein Aktionsradius war allerdings übersichtlich. Sahin konzentrierte sich auf sein Kerngeschäft, ihm war anzumerken, dass der Rückstand nach wochenlanger Pause noch beträchtlich ist. Was möglich ist, zeigte er vor dem 1:0 von Immobile, das Sahin durch einen herrlichen Pass einleitete. "Ich habe Fußball so vermisst", sagte Sahin nach der Partie. Der BVB ihn aber auch.

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Ilkay Gündogan

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Quelle: AFP

Nach seiner unendlichen Leidenszeit mit Rückenproblemen ist Ilkay Gündogan nicht nur zurück auf dem Fußballplatz, so langsam findet der Edeltechniker auch wieder seine Form: "Man muss in Dortmund niemandem erzählen, was für ein fantastischer Fußballer er ist", sagt Kapitän Mats Hummels über den Kollegen. Gegen Anderlecht war Gündogan Dreh- und Angelpunkt des Dortmunder Spiels und ließ sich bei Bedarf sogar hinter die Abwehr zurückfallen, um den Aushilfs-Libero zu geben. Ob sie ihm künftig wieder als "Kaiser von der B1" huldigen, ist noch zu klären. Nach etwas mehr einer Stunde war für Dortmunds Besten Schluss, Gündogan wurde mit stehenden Ovationen verabschiedet.

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Kevin Großkreutz

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Quelle: AFP

Die Spielanteile des Evinger Jungen waren zuletzt übersichtlich. Wer Kevin Großkreutz gegen Anderlecht agieren sah, bekam eine Ahnung, warum dem so ist: Dass er läuferisch alles gab und viel unterwegs war, ist keiner Erwähnung wert - das gehört zum Standardprogramm. Herum kam dabei allerdings reichlich wenig, zudem war Großkreutz zu weit weg von seinem Gegenspieler, als Mitrovic den Ausgleich markierte.

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Shinji Kagawa

Borussia Dortmund v RSC Anderlecht - UEFA Champions League

Quelle: Bongarts/Getty Images

In Dortmund liegen sie ihrem Shinji seit jeher zu Füßen, doch zuletzt fragten sie sich die Menschen bei Pils und Currywurst immer wieder: "Was ist eigentlich mit unserem Japaner los?" Eine Antwort gab es nicht, Kagawa blieb erneut meilenweit unter seinen Möglichkeiten, dribbelte sich mehr als einmal fest und hätte mit einem schlimmen Fehlpass beinahe ein Gegentor verschuldet.

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Henrikh Mkhitaryan

Borussia Dortmund v RSC Anderlecht - UEFA Champions League

Quelle: Bongarts/Getty Images

Auch über den Armenier wird im Pott ständig gerätselt. Henrikh Mkhitaryan hat alles, was ein Weltklasse-Fußballer braucht, doch in dieser Saison hat er seine üppigen Qualitäten so lange versteckt, bis jegliches Zutrauen aus seinen Beinen und aus seinem Kopf gewichen war. Der Befreiungsschlag blieb ein weiteres Mal aus. Mkhitaryan lief viel, hatte mehrere gute Möglichkeiten, doch das Tor traf er selbst nicht, als er mutterseelenallein davor stand. Das Rätselraten geht weiter.

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Ciro Immobile

Borussia Dortmund - RSC Anderlecht

Quelle: dpa

Rund 20 Millionen Euro hat der BVB für Ciro Immobile nach Turin überwiesen, doch bislang hat sich die Investition in den italienischen Torschützenkönig noch nicht amortisiert. Zuletzt musste er auf der Bank verfolgen, wie sein neuer Arbeitgeber um Sicherheit rang, nun durfte Immobile mal wieder auf den "grünen Rasen" (O-Ton Norbert Dickel). Immobile nutzte die Chance, rackerte unermüdlich und vollendete eiskalt zur Dortmunder Führung. Es war bereits sein viertes Champions-League-Tor. Ach wäre doch immer Europapokal, dann würden sie in Dortmund bestimmt schon bald Heldenarien auf ihren Italiener singen.

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Oliver Kirch

Borussia Dortmund - Bad Ragaz Training Camp Day 3

Quelle: Bongarts/Getty Images

Nach Nuri Sahin der zweite Langzeitverletzte, der zurückkehrte. Kirch kam in der 65. Minute für Gündogan und sortierte sich im defensiven Mittelfeld ein, um das wertvolle 1:0 über die Zeit zu spielen. Dass das nicht gelang, lag jedoch nicht an ihm.

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Pierre-Emerick Aubameyang

Borussia Dortmund's Aubameyang fights for the ball with Anderlecht's N'Sakala during their Champions League soccer match in Dortmund

Quelle: REUTERS

Dortmunds Sprinter durfte auch noch eine viertel Stunde mitmachen. Viel bewegen vermochte Aubameyang in dieser kurzen Zeitspanne nicht, aber das machte nichts. Am Samstag in Berlin ist sowieso wichtiger, dann darf der Mann aus Gabun bestimmt wieder von Beginn an stürmen.

© Süddeutsche.de
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