Bogen-EM:Mr. Perfect

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Bogen-EM: Unter Spannung: Mike Schloesser möchte bei der EM in München endlich Gold gewinnen.

Unter Spannung: Mike Schloesser möchte bei der EM in München endlich Gold gewinnen.

(Foto: Eckhard Frerichs Photography/oh)

Der Niederländer Mike Schloesser ist Weltmeister, mehrfacher Weltcup-Gesamtsieger und Weltranglistenerster. Nur Olympiagold kann der Compound-Schütze nicht gewinnen, weil seine Bogenklasse nicht olympisch ist. Der EM-Titel in München soll nun seine eindrückliche Sammlung vervollständigen.

Von Benjamin Zügner

Als sich das Trainingsfeld im Garchinger Olympiaschießzentrum längst leert, geht "Mr. Perfect" noch einmal an die Abschusslinie. Ein mittelgroßer Mann mit rötlichem Vollbart macht sich bereit für seine letzte Passe - so nennt sich ein Durchgang im Bogenschießen. Erst eine halbe Stunde später, das Training ist offiziell beendet, sitzt Mike Schloesser, Eigentümer des Spitznamens, gemütlich mit Kappe in der Mittagssonne auf einem Gartenstuhl.

Der 28-jährige Niederländer spricht über seine Pläne bei dieser EM und davon, dass das Training noch nicht optimal lief - das war am Montag. Man sollte meinen, er hätte solche Extraschichten gar nicht mehr nötig, schließlich hat er nahezu alles gewonnen: den Weltmeistertitel mit 19 Jahren, zudem drei Weltcup-Gesamtsiege. Zwei wichtige Titel aber fehlen dem Mann aus Herleen nahe der deutschen Grenze noch, und an diesem Samstag will er sich einen davon auf der Theresienwiese sichern: Er will Europameister werden.

Das ist ihm in bisher fünf Anläufen nicht gelungen. Nun aber, sagt er mit einem verschmitzten Lächeln, könne er seine Favoritenrolle nicht mehr leugnen. Immerhin hat er in dieser Saison noch jeden Wettkampf gewonnen, genau wie am Dienstag die Qualifikation in Garching, mit teils perfekten Schießergebnissen.

Auch ein Olympiasieg fehlt in seiner Vita, den allerdings kann er gar nicht holen. Schloessers Frau Gaby, gebürtige Mexikanerin, die ebenfalls für die Niederlande schießt, hat ihm diese Möglichkeit voraus. Sie ist Recurve-Schützin, das ist die olympische Bogenklasse. Schloesser selbst schießt mit dem Compound-Bogen. Die EM in Garching und München wird wie die meisten Weltcups für Recurve und Compound ausgetragen, als getrennte Disziplinen, bei Olympia aber gibt es nur Recurve-Wettbewerbe. "Natürlich würde ich gerne an Olympia teilnehmen, auch weil die Förderung des Verbandes dann viel höher wäre", sagt Schloesser. Insbesondere für junge Compound-Schützen sei es kostspielig, zu Wettkämpfen zu reisen.

Der Compound-Bogen ist mit mehr Technik ausgestattet, mit Zielhilfe, Wasserwaage, Vergrößerungsoptik. Die Sehne ist an Rollen montiert, sogenannten Cams. Zieht der Schütze die Sehne voll aus, verringert sich der Kraftaufwand deutlich, der Bogen kann länger auf Spannung gehalten werden, was das Zielen erleichtert. Zudem wird der Bogen mit einer Lösehilfe geschossen, sodass der Schütze die Sehne nicht direkt in der Hand hält. All das ermöglicht präzisere Schüsse.

"Ich denke, dass ich darüber hinweg bin", sagt Schloesser hinsichtlich seiner Selbstzweifel

Deutschland wird im Compound-Bereich leer ausgehen, kein Teilnehmer kam ins Finale am Samstag. Das Recurve-Team machte seine Sache besser, vier Medaillen sind sicher für Sonntag, fünf möglich. Katharina Bauer kämpft um Bronze, nach der knappen Halbfinal-Niederlage gegen Michelle Kroppen, die nun sogar dreimal um Gold schießt: im Einzel, Mixed und mit dem Team. Ebenfalls im Einzelfinale steht ihr Mixed-Partner Florian Unruh, der den türkischen Olympiasieger Mete Gazoz bezwang.

Schloesser steht seit mehr als einem Jahr an der Spitze der Weltrangliste, den Druck des Gejagten merkt man ihm vor dem Compound-Finale aber nicht an. Er scherzt mit seinen Trainern, plaudert mit Konkurrenten. "Er ist ein relaxter Typ, mit dem man sich gut unterhalten kann", sagt Peter Elzinga, selbst einst die Nummer eins der Welt und heute im Trainerteam der Niederländer. Das war jedoch nicht immer so, erzählt Schloesser, es gab auch Zeiten, da habe er Selbstzweifel gehabt, kaum Selbstvertrauen, wie das in vielen Karrieren der Fall sei. Dabei mache der mentale Aspekt in seinem Sport viel aus, "80 bis 85 Prozent, würde ich sagen". In München wirkt er selbstsicher, er sagt: "Ich denke, dass ich darüber hinweg bin."

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