Arena des VfL Bochum in der Bundesliga:Danke, Anne!

Arena des VfL Bochum in der Bundesliga: Wie Kerzen am Adventskranz: Flutlichtmasten im Bochumer Stadion an der Castroper Straße, auch bekannt als "Anne Castroper".

Wie Kerzen am Adventskranz: Flutlichtmasten im Bochumer Stadion an der Castroper Straße, auch bekannt als "Anne Castroper".

(Foto: Rauch/Nordphoto/Imago)

Das Bochumer Ruhrstadion ist nicht modern, dem Verein entgehen dadurch Jahr für Jahr Millionen. Den Fans des VfL ist ihr Ruhrstadion aber heilig. So viel Treue zahlt sich aus.

Glosse von Ulrich Hartmann

Wenn sie könnten, würden sie Anne Castroper in Bochum zur Ehrenbürgerin ernennen. Können sie aber nicht. Diese Anne ist keine Frau, sondern eine Präposition. Der VfL Bochum spielt im Ruhrstadion "anne Castroper" - auf Hochdeutsch: an der Castroper Straße.

Anne Castroper ist in Bochum ein stehender Begriff. In der gleichnamigen Hauptstraße findet der örtliche Fan seit 1911 sein Fußballglück, seit 1979 im Ruhrstadion. Weithin ist bei abendlichen Heimspielen am Himmel der Lichterschein der vier antiquierten Flutlichtmasten zu sehen. Im Dezember erinnern sie an einen überdimensionalen Adventskranz.

Das Stadion liegt mitten in der Stadt, eng umgeben von Häusern. Solch urbaner Charme macht einen Ausbau der meist ausverkauften 26 000-Zuschauer-Arena allerdings unmöglich. Dies bedauert der Verein insofern, als ihm mangels VIP-Logen und eines höheren Business-Seats-Kontingents Mehreinnahmen in Millionenhöhe entgehen.

Den Fans ist das egal. Nicht egal war ihnen, dass ihr VfL in dieser Saison seine ersten fünf Heimspiele nicht gewonnen hatte. Anne Castroper ist eigentlich eine selbstbewusste und streitbare Instanz. Doch wenn in dem alten Betonklotz Ruhrstadion nicht mal mehr gewonnen wird - wäre dann vielleicht doch ein Neubau am Stadtrand vonnöten?

Papperlapapp! Nachdem der Verein letzte Woche auf der Hauptversammlung geschworen hatte, niemals woanders als an der Castroper Straße spielen zu wollen, ließ die entfesselte Mannschaft beim 3:1 gegen Wolfsburg direkt den ersten Heimsieg folgen. Es war ein Akt der Befreiung.

Man erkannte dies auch daran, dass Patrick Osterhage sein erstes Bundesliga-Tor, der Brasilianer Bernardo sein erstes VfL-Tor und Christopher Antwi-Adjei sein erstes Saison-Tor erzielte. In den zeremoniellen Überschwang hinein erschien über dem Stadion eine mysteriöse Wolkenformation in Form einer Heiligen. Es war nicht die Jungfrau Maria. Es war die Silhouette von Anne Castroper.

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