Boateng: Foul an Ballack:Spekulationen um Revanche-Tat

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Fußball-Deutschland reagiert geschockt auf Ballacks Ausfall. Boatengs Vater spricht von einer früheren Provokation Ballacks gegen seinen Sohn.

Nach dem Foul von Kevin-Prince Boateng gegen Michael Ballack hat Boatengs Vater Spekulationen um eine mögliche Revanche-Tat angeheizt. Ballack, dessen WM-Teilnahme nach dem rüden Einsteigen wegen einer Knöchelverletzung geplatzt ist, und Boateng seien bereits zu früheren Zeiten in der Bundesliga aneinandergeraten, sagte Prince Boateng der Berliner Tageszeitung BZ.

Kevin Prince Boateng; AFP

Kevin Prince Boatengs Foul kostet Michael Ballack die WM.

(Foto: Foto: AFP)

"Kevin hatte eine Woche vorm Spiel gegen die Bayern sein erstes Bundesliga-Tor geschossen. Im Spiel ist ihm dann Ballack auf den Fuß getreten. Als Kevin nachgefragt hat, was das soll, hat Ballack zu ihm gesagt: 'Halt die Klappe! Nur weil du gegen Frankfurt ein Tor geschossen hast, musst du nicht denken, dass du der Größte bist'", berichtete der Vater des Portsmouth-Profis.

In den Augen von Boateng senior sei das Foul gegen Ballack am Samstag im FA-Cup-Finale mit dem FC Chelsea (0:1) eine Reaktion gewesen. Der Wischer, den Ballack zuvor seinem Sohn verabreicht habe, sei eine Rote Karte gewesen."So etwas hat auf dem Platz nichts zu suchen", sagte der Senior.

Einen Platzverweis habe die Attacke seines Sohnes auf keinen Fall gerechtfertigt. "Ich habe schon viel schlimmere Fouls gesehen. Noveski gegen Elia zum Beispiel. Oder auch bei Ribery heißt es, es wäre keine Absicht, weil er ja so ein feiner Techniker ist. Das ist lächerlich!"

Als Michael Ballack nach der niederschmetternden Diagnose auf Boateng angesprochen wurde, sagte er: "Ich bin sauer, ich muss jetzt erstmal runterfliegen, und das alles sacken lassen."

Viele Spieler und Funktionäre der Bundesliga reagierten geschockt. "Das ist bitter und tragisch, ein riesiger Verlust für die Nationalmannschaft und für Michael Ballack persönlich besonders schlimm. Das war wahrscheinlich seine letzte Chance, an einer WM teilzunehmen. Der Nationalmannschaft fehlt jetzt ein Weltklassespieler", sagte zum Beispiel Leverkusens Trainer Jupp Heynckes.

Wolfgang Overath, der Präsident des 1. FC Köln, sagte: "Der Junge tut mir richtig leid. Das ist schon brutal. Eine WM zu spielen und vielleicht den Titel zu holen - das ist für jeden Fußballer das Größte. Und er hat ja schon bei der WM 2002 Pech gehabt mit dem Finale. Es ist mit Sicherheit ein ganz großer Verlust, aber auch eine Chance für die Mannschaft - nach dem Motto: Jetzt gibt es eine Trotzreaktion, wir rücken noch enger zusammen. Diese Chance gibt es. Aber klar ist, dass er als Leader auf dem Feld und auch sonst kaum zu ersetzen sein wird."

Mehrere Fußballexperten forderten Bundestrainer Joachim Löw auf, den Bremer Profi Torsten Frings anstelle von Ballack mit zur WM zu nehmen. Frings dränge sich als "Ideallösung" gerade zu auf, sagte der frühere Bremer Manager Willi Lemke.

Auch der ehemalige Schalker Fußballprofi Olaf Thon und Weltmeister von 1990, Olaf Thon, sprach sich für eine Berücksichtigung von Frings aus: "Jetzt gilt es, möglichst schnell für einen Ersatz zu sorgen. Und der kann meines Erachtens nur Torsten Frings heißen", sagte Thon. Frings hatte seine Karriere in der Nationalmannschaft beendet, nachdem ihn Löw nicht mehr berücksichtigt hatte.

Joachim Löw warb derweil für Fairness gegenüber Jérôme Boateng. Der deutsche Nationalspieler und Halbbruder des Portsmouth-Profis Kevin-Prince Boateng sei "völlig unbeteilgt", sagte Löw. Er habe Jérôme Boateng mitgeteilt, "dass wir absolut vorbehaltlos zu ihm stehen. Er ist zwar Familienmitglied, aber er ist völlig unbeteiligt. Ich bitte alle, ihn in die Sache nicht hineinzuziehen", sagte Löw.

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