BMW Open:Ein Schritt Richtung 500

BMW Open: Trotz großer Unterstützung für die Lokalmatadore: Die Österreicher Alexander Erler (links) und Lucas Miedler setzen sich im Doppelfinale von München durch.

Trotz großer Unterstützung für die Lokalmatadore: Die Österreicher Alexander Erler (links) und Lucas Miedler setzen sich im Doppelfinale von München durch.

(Foto: Philippe Ruiz/Imago)

Die BMW Open erweisen sich auch in diesem Jahr als Erfolg beim Münchner Publikum - so sehr, dass inzwischen sogar Markus Söder davon spricht, dass er beim Wachstum mithelfen möchte.

Von Felix Haselsteiner

Kevin Krawietz wusste, welche Worte er wählen musste. Die Erfahrung aus zwei Grand-Slam-Finalspielen und den Münchner Doppelfinals von 2021 und 2022 zahlt sich für den 31-Jährigen inzwischen nicht nur mit dem Tennisschläger, sondern auch mit dem Mikrofon in der Hand aus. "München ist immer zwei Tage Katastrophe, zwei Tage 30 Grad, man weiß nie, was man bekommt", sagte Krawietz in seiner Dankesrede und erntete einige Lacher: "Auch wenn das Turnier in den Februar verschoben werden würde, würde man es durchbekommen."

Krawietz kennt das Turnier in München in- und auswendig, seit mehr als einem Jahrzehnt spielt er nun am Aumeister und hat daher so ziemlich jedes Wetterszenario miterlebt, das einem der bayerische Frühling entgegenwerfen kann. Am Sonntag war weniger die Witterung das Problem für Krawietz und seinen Doppelpartner Tim Pütz, sondern das österreichische Duo aus Alexander Erler und Lucas Miedler, das die Doppelkonkurrenz mit einem ungefährdeten 6:3, 6:4 gewann. Erler erwischte einen herausragenden Tag, weshalb Pütz in seiner Ansprache ans Publikum bilanzierte: "Ohne euch hätten wir vermutlich noch glatter 2:6, 2:6 verloren."

Das Publikum am Aumeister hätte sich einen deutschen Heimsieg, zumindest im Doppel, in dieser Woche verdient. Mehr als 43 000 Zuschauer kamen an neun sehr trüben, nassen und kalten Tagen auf die Anlage, um sich eines der besten Teilnehmerfelder anzusehen, das das Münchner Turnier in seiner Geschichte zu bieten hatte. Mehrere Top-Ten-Spieler waren dabei, dazu kam die Para-Trophy, die der Brite Alfie Hewett gewann. An sieben von neun Tagen waren die BMW Open ausverkauft.

Vor allem aber zeichneten sich die Zuschauer durch einen gewohnt klugen Blick auf den Tennissport aus, nicht zuletzt zu bemerken im Doppelfinale, als das deutsche Duo zwar deutlich lauter beklatscht wurde, die Österreicher allerdings ebenfalls viel Anerkennung für ihr hervorragendes Tennis bekamen. "Es ist wirklich ein beeindruckendes Publikum hier", sagte auch der Amerikaner Taylor Fritz - Nummer zehn der Weltrangliste - gleich mehrmals im Laufe der Woche. Erst klang es ein wenig nach dem routinemäßigen Lob für den Veranstalter. Spätestens am Freitag wirkte Fritz dann ehrlich beeindruckt, als ihm am späten Nachmittag im Viertelfinale die Menschen auf dem Center Court applaudierten, obwohl er gerade im Österreicher Dominic Thiem den letzten verbliebenen deutschsprachigen Kandidaten rausgeworfen hatte.

Zuschauerkapazität, Parkplätze, Sicherheitsbestimmungen, alles müsste erweitert werden - auch der Centre Court

Mal wieder blieb die Frage, ob die Münchner aus ihrer historisch großen Tennisbegeisterung wirklich schon das Maximum herausholen. Eine spezifische Zahl jedenfalls geisterte in dieser Woche immer wieder über die Anlage: die 500. Das Turnier "Stück für Stück nach vorne zu bringen", war seit jeher das Ziel des Turnierdirektors Patrik Kühnen - nun soll womöglich bald der nächste Schritt erfolgen: "Wir beschäftigen uns intensiv damit, ob und wie wir einen 500er-Status erreichen können", sagte Kühnen.

Der Schritt von der 250er- in die nächste Weltranglistenpunkte-Kategorie würde für München noch einmal einen deutlichen Aufschwung mit sich bringen, mit mehr Zugang zu Topspielern, größeren Sponsoreneinnahmen und mehr internationaler Aufmerksamkeit. Gemessen an der Anerkennung, die das Turnier auf der ATP-Tour genießt, wäre das allemal verdient. Es ist allein die Infrastruktur am kleinen, heimeligen Iphitos-Klubgelände, die noch Fragen aufwirft, ob ab frühestens 2025 wirklich der nächste Schritt zum 500er-Turnier erfolgen könnte. Kühnen sprach von "Zuschauerkapazitäten, Parkplätzen, Sicherheitsbestimmungen", die man ausbauen müsste - und auch den Center Court.

Um das zentrale Stadion zu erweitern- wohl auf das Doppelte der aktuellen Kapazität -, bräuchte der MTTC Iphitos allerdings Unterstützung von Stadt und Land. Doch selbst die ist nicht ausgeschlossen. "Wir haben in München viele große Sportarten - aber Tennis kann noch eins zulegen, oder", fragte Ministerpräsident Markus Söder später am Sonntag, nach dem Einzelfinale: "Falls es dafür auch ein größeres Stadion braucht, ist der Freistaat bereit, dabei mitzuhelfen." Söder hatte dem Tennisvolk schon am Donnerstag Ähnliches verkündet, natürlich aber nicht die taktische Erweiterung der Verantwortlichkeiten vergessen: "Wenn die Stadt München auch mitmacht, werden wir das hinbekommen."

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