Biathlon:Nur zur Hälfte spitze

BMW IBU World Cup Biathlon Ruhpolding - Women 7.5 km Sprint Competition

Denise Herrmann: Drei Fehler am Schießstand vermiesten ihr das Rennen in Ruhpolding

(Foto: Bongarts/Getty Images)
  • Vanessa Hinz wird in Ruhpolding mit Rang acht beste Deutsche im Sprint.
  • Auch Denise Herrmann und Franziska Preuß haben Spitzenqualitäten, jedoch momentan nur in einer der beiden Biathlon-Disziplinen.
  • Der große Schritt nach vorne gelingt dem Gesamtteam nicht - bis zur WM in Antholz sind es nur vier Wochen.

Von Volker Kreisl, Ruhpolding

Zur Jahreswende wurde Schneefall vorhergesagt. Schnee? Da waren die Biathlonhelfer von Ruhpolding auf einmal nervös, denn Schnee gefiel ihnen gar nicht. "Ein gewisses Stirnrunzeln kam auf", erinnert sich Engelbert Schweiger, der Chef der Ruhpoldinger Biathlon-Arena, also einer Anlage für Wintersport.

Schnee ist immer noch ein heikles Thema hier, zumindest, wenn er von oben kommt und in solchen Massen wie vor einem Jahr, als er in Lawinenform zu Tale brach, Dächer eindrückte und Tribünen versinken ließ, die Tag und Nacht frei geschaufelt werden mussten. Aber dann erwies sich die Prognose als falsch, es schneite nicht, es gab keine Nachtschichten, und der Weltcup konnte pünktlich auf einer dicken, weißen Unterlage beginnen: Den Sprint der Frauen gewann am Mittwoch die Norwegerin Tiril Eckhoff vor Hanna Öberg aus Schweden. Alles lief reibungslos ab, denn die Ruhpoldinger verfügen über große Mengen von jenem Schnee, der von unten kommt - von dem aus der Kanone.

Rund aus Sicht der Veranstalter war dieser Weltcup-Auftakt dennoch nicht. Das deutsche Team, das nahezu vollständig in Ruhpolding trainiert, hatte mit den Podestplätzen nichts zu tun. Einzelne Läuferinnen verschafften sich Erfolgserlebnisse im Detail, wie etwa Vanessa Hinz aus Schliersee, die als Achte die Beste aus der Mannschaft des im Biathlon so anspruchsvollen Deutschen Skiverbandes wurde. Der große Schritt nach vorne gelang der kriselnden Mannschaft jedoch nicht.

Auf zwei Läuferinnen waren die Augen besonders gerichtet: auf Denise Herrmann, die in dieser Saison schon einen Podestplatz erreicht hat, nämlich zuletzt Rang zwei in Oberhof. Und auf Franziska Preuß, der am ehesten ein ähnlicher Erfolg zuzutrauen wäre. Die Weltmeisterschaft beginnt in vier Wochen, und traditionell geben die Rennen in Ruhpolding Hinweise auf die Form bei diesem Höhepunkt. Doch Herrmann und Preuß haben zwar Spitzenqualitäten, jedoch jeweils nur in einer der beiden Biathlon-Disziplinen.

Als Herrmann beim Sprint am Mittwoch den Schießstand zum ersten Mal verließ, stand sie bereits unter Druck. Sie ist die beste Läuferin im Feld, aber mehr als einen Schießfehler im kurzen Sprint kann auch sie sich nicht leisten. Vor allem, wenn sich die Weltspitze, in diesem Fall Eckhoff, Öberg und die Italienerin Dorothea Wierer, keine Blöße gibt. Als die ehemalige Langlaufspezialistin Herrmann dann zum Stehendschießen abbremste, die Kulisse direkt hinter sich, dachte sie einen Gedanken zu viel. "Und wenn der erste Schuss daneben geht, bringt dich das erst mal raus, und du musst dich wieder neu einstellen", sagte sie später. Sie verfehlte noch einmal das Ziel, am Ende lag sie auf Rang 19.

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