Schiedsrichter Janny Sikazwe bei der WM:Die Pfeife Gottes

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Schiedsrichter Janny Sikazwe bei der WM: Umstrittener Unparteiischer: Janny Sikazwe, hier während des WM-Spiels zwischen Belgien und Kanada.

Umstrittener Unparteiischer: Janny Sikazwe, hier während des WM-Spiels zwischen Belgien und Kanada.

(Foto: Marcelo Machado de Melo/Fotoarena/Imago)

Im Spiel Belgien gegen Kanada leistet sich Schiedsrichter Janny Sikazwe zwei haarsträubende Fehlentscheidungen. Er war zuvor bereits negativ aufgefallen - was die Fifa aber nicht davon abhielt, ihn für Katar zuzulassen.

Von Thomas Kistner

Wenigstens an einer Front herrschte zum WM-Auftakt Ruhe: Bei den Schiedsrichtern lief alles glatt. Bis zur Partie Belgiens gegen Kanada (1:0): Da leistete sich Referee Janny Sikazwe aus Sambia gleich zwei Fehlentscheidungen zugunsten der Belgier, darunter eine ganz erhebliche: In der 38. Minute versagte er Kanada einen glasklaren Elfmeter, als Axel Witsel Gegenspieler Richie Laryea rüde von den Füßen holte.

Es hätte der zweite Strafstoß für Kanada sein müssen, der erste war nach Spielerprotesten vom Videoassistenten (VAR) geprüft worden: klares Handspiel von Carrasco. Doch Alphonso Davies vergab die Großchance. Bei Witsels Foul hingegen rief Schiedsrichter Sikazwe den VAR nicht einmal an, er entschied allein.

Das offenbart die Defizite dieses Instruments: Welchen Nutzen hat es, wenn klare, den Spielverlauf massiv beeinflussende Sachverhalte wie ein Elfmeter zwar erkannt, aber nicht geahndet werden können: weil der Referee, den der VAR ja unterstützen soll, lieber ohne Hilfe auskommt?

Beim Afrika-Cup pfiff Sikazwe ein Spiel nach 86 Minuten ab

Der Fall Janny Sikazwe, 43, ist allerdings ein besonderer. Der Mann aus Sambia ist kein unbeschriebenes Blatt. Ironische Debatten um seine Person begannen schon vor dem Anpfiff: Sikazwe hatte im Januar beim Afrika-Cup in Kamerun Furore gemacht, als er die Partie von Mali gegen Tunesien beim Stand von 1:0 nach 86 Minuten beendete. Aufgrund scharfer Proteste der Tunesier, die mit ihren Armbanduhren den Platz stürmten, musste er das Spiel wieder anpfeifen, um es dann - trotz langer Unterbrechungen zuvor mit insgesamt neun Auswechslungen und zwei Elfmetern - erneut zu früh zu beenden: in Minute 89.

Sikazwe begleiteten Sicherheitsleute vom Platz, Tunesien protestierte beim Afrika-Verband Caf, vergebens. Sikazwe präsentierte wenig später eine originelle Erklärung für seine "Lost-in-time"-Darbietung: Er habe ob der hohen Temperaturen kurz vor einem Hitzekollaps gestanden, habe die Kommunikation per Headset mit seinen Kollegen verloren, stattdessen habe er bereits andere, fremde Stimmen gehört. Schließlich, wie er dem Sender Africanews zufolge sagte, sogar diese: "Ich glaube, Gott hat mir gesagt, ich soll das Spiel beenden! Er hat mich gerettet."

Gott passt immer gut; laut Maradona hatte er schon bei der WM 1986 die Hand am Ball und damit im Spiel. Umso intensiver sollte die Fifa ihre Spielleiter für so ein Weltturnier screenen. Dann wäre vielleicht aufgefallen, dass bei Sikazwe auch schon eine Suspendierung wegen Korruptionsverdachts zu Buche steht. In Afrikas Champions-League-Halbfinale im Oktober 2018 zwischen Tunis und Luanda gab es Auffälligkeiten; die Sperre wurde wegen Beweismangels wieder aufgehoben.

Monate zuvor hatte Sikazwe bei der WM in Russland 2018 zwei Partien geleitet. Darunter Belgiens 3:0-Sieg über Panama.

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