Bayern-Gegner Lille in der Champions League:Zahnlose Doggen

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Der OSC Lille hat das modernste Stadion Frankreichs. Die Mannschaft allerdings taugt in der Liga nur zum Mittelmaß. In der Champions League geht Lille gar als deutlicher Außenseiter ins Duell mit dem FC Bayern. Bemerkenswert ist vor allem die fast kabarettistische Abschlussschwäche der Franzosen.

Peter Hacker

Für den OSC Lille geht es an diesem Dienstag gegen den FC Bayern um die wohl schon letzte Chance auf ein Weiterkommen in der Champions League. Die von Personalsorgen gebeutelten Nordfranzosen gehen als krasser Außenseiter in die Partie. Doch zumindest ein Spieler weiß, wie man die Bayern schlagen kann.

Bayern-Gegner Lille in der Champions League: Aus Sochaux kam im Sommer der Mittelfeldspieler Marvin Martin (links) zum OSC Lille. Freitag war er beteiligt am mutmachenden 1:1 im Ligaspiel bei Girondins Bordeaux.

Aus Sochaux kam im Sommer der Mittelfeldspieler Marvin Martin (links) zum OSC Lille. Freitag war er beteiligt am mutmachenden 1:1 im Ligaspiel bei Girondins Bordeaux.

(Foto: Nicolas Tucat/Afp)

Dass Lille auch als Underdog gegen die Bayern erfolgreich sein kann, davon ist zumindest Salomon Kalou überzeugt. "Wir müssen nur daran glauben", sagt er. Der Stürmer weiß wovon er spricht: Er stand am 19. Mai beim Champions-League-Finale in München für den FC Chelsea auf dem Platz. Wie das Spiel ausging, ist bekannt - die Bayern sollten also gewarnt sein.

Allerdings gibt es auch einen Grund, Entwarnung zu geben: Eden Hazard steht nicht mehr für Lille auf dem Platz. Seine eleganten Körpertäuschungen, seine Dribblings, seine kraftvollen Torschüsse werden im Verein schmerzlich vermisst. Denn der 21-jährige Belgier schießt seine Tore seit Sommer nicht mehr für Lille, sondern für den FC Chelsea in der englischen Premier League. Lilles Trainer Rudi Garcia orakelte schon vor der Saison, dass sein Team den Abgang Hazards, der es im Vorjahr auf 20 Tore und 15 Torvorlagen brachte und deshalb zum besten Feldspieler der Ligue 1 gewählt wurde, nicht werde kompensieren können. Doch Garcia ahnte nicht, wie groß die Lücke tatsächlich sein würde, die Hazard hinterlassen hat.

Immerhin investierte Lille einen erklecklichen Teil der geschätzten 40 Millionen Euro, die Chelsea für Hazard überwiesen hat, in neues Personal. Und so überquerte der ivorische Nationalspieler Salomon Kalou, der weiß, wie man die Bayern schlägt, den Kanal in der Gegenrichtung und wechselte von der Stamford Bridge nach Frankreich. Zudem stieß aus Sochaux der talentierte Mittelfeldspieler Marvin Martin, 24, zu den Dogues, den Doggen, wie die Spieler des LOSC genannt werden.

Diese erwiesen sich im Verlauf der neuen Saison jedoch als ziemlich zahnlos und entrissen ihren Gegnern in neun Liga-Spielen erst elf von 27 möglichen Punkten. Als Elftplatzierter steckt Lille tief im Niemandsland der Tabelle fest. Vor allem mit dem Toreschießen hapert es, lediglich elf Treffer gelangen bislang.

Damit läuft der Klub aus der Hauptstadt der Industrieregion Nord-Pas-de-Calais an der Grenze zu Belgien seinen Ansprüchen weit hinterher. Der Meister und Pokalsieger von 2011 und letztjährige Tabellendritte möchte sich dauerhaft als französische Spitzenmannschaft etablieren. Zu diesem Zweck wurde in einem Liller Vorort in weniger als zwei Jahren ein neues Stadion aus dem Boden gestampft, das mit seinen mehr als 50.000 Plätzen nach dem "Stade de France" in Paris, der Spielstätte der Nationalmannschaft, derzeit das zweitgrößte Fußball-Stadion Frankreichs ist.

Kampf um die letzte Achtelfinal-Chance

Ebenso eilig wie mit dem Bau hatten es die Verantwortlichen offenbar auch bei der Namensgebung und tauften das 324 Millionen Euro teure Objekt kurzerhand "Grand Stade" - das "große Stadion". Ähnlich der Arena in Schalke verfügt es über ein verschließbares Dach und gilt als das modernste Fußballstadion des Landes.

Mit dieser Qualität des äußeren Rahmens können die Darbietungen auf dem Rasen derzeit auch in der Champions League nicht mithalten. Dort setzte es für den OSC bislang zwei Niederlagen, zunächst im Heimspiel gegen Bate Borissow (1:3), dann trotz ansehnlichem Spiel beim FC Valencia (0:2). Wiederum war die fast schon kabarettistische Abschlussschwäche das größte Manko der Gäste, die mit schnellem Offensivspiel durchaus zu gefallen wussten.

Trainer Rudi Garcia lässt für gewöhnlich mit einem 4-3-2-1-System spielen, gegen die Bayern dürften neben Nolan Roux, der einzigen Spitze, Kalou und Frankreichs Nationalspieler Dimitri Payet auf den Außenbahnen für die Offensive zuständig sein. Umbauen muss der OSC-Trainer dagegen in der Defensive, in der neben dem nach einer gelb-roten Karte aus dem Valencia-Spiel gesperrten Mathieu Debuchy auch der etatmäßige "Sechser" und Kapitän Rio Mavuba sowie Innenverteidiger Idrissa Gueye verletzt fehlen.

Dennoch wird der krasse Außenseiter um seine wohl letzte Chance auf das Erreichen des Achtelfinales kämpfen, wie Trainer Garcia verspricht. Dass das Team zu starken Leistungen in der Lage ist, bewies es am Freitag, als Marko Basa in letzter Sekunde per Kopfball für das 1:1-Remis bei Girondins Bordeaux sorgte. Allerdings brach sich der Innenverteidiger während der Partie die Nase - auch er wird gegen die Bayern nicht mitwirken können.

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