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Basketball-WM:Ein Desaster für die Generation Schröder

Germany v Dominican Rep: Group G - FIBA World Cup 2019

Am Boden: Spielmacher Dennis Schröder ist mit der deutschen Mannschaft aus dem Kampf um die WM-Medaillen gerutscht.

(Foto: Zhong Zhi/Getty Images)
  • Die deutschen Basketballer kassieren bei der WM eine nicht für möglich gehaltene Niederlage gegen die als Außenseiter eingeschätzte Dominikanische Republik und verpassen die Zwischenrunde.
  • Das Aus ist ein herber Rückschlag für eine Mannschaft, die von der Breite her als talentierteste in der Geschichte des DBB gilt.
  • Auf dem Weg zur Heim-EM 2021 sollte die Mannschaft bei der WM sowie bei Olympia für eine erwartungsvolle Grundstimmung sorgen. Die ist nun erheblich gedämpft.

Der Basketball-Bundestrainer Henrik Rödl hat nicht viel gesagt nach der zweiten Niederlage seiner Mannschaft im zweiten WM-Spiel. "Ich finde, wir bleiben weit unter unseren Möglichkeiten im Moment", war einer der wenigen Sätze, die ihm zu entlocken waren. "Ich glaube, wir hatten unsere Nerven nicht zu hundert Prozent unter Kontrolle", war ein anderer. Diese Unaufgeregtheit ist eine Stärke des 50-Jährigen: Bei Krisen und Katastrophen wäre er ein idealer Mann zur allgemeinen Beruhigung.

Das kommt ihm jetzt vielleicht zugute. Denn auch wenn Henrik Rödl seine Nerven noch recht gut unter Kontrolle hatte, konnte man aus seiner für gewöhnlich unbewegten Miene alles herauslesen, was in ihm vorging: Er war enttäuscht, ratlos, fassungslos, fast ein bisschen entsetzt.

Zwei Tage nach dem knappen 74:78 gegen Frankreich, einen der Medaillenkandidaten bei dieser Weltmeisterschaft in China, gab es am Dienstag in Shenzhen eine nicht für möglich gehaltene 68:70 (39:37)- Niederlage gegen die als Außenseiter eingeschätzte Dominikanische Republik - damit ist die Auswahl des Deutschen Basketball Bundes (DBB) schon aus dem Rennen um die Medaillen. Statt wie geplant in die Zwischenrunde nach Nanjing, führt die Reise nach dem letzten Vorrundenspiel am Donnerstag (10.30 Uhr) gegen Jordanien nach Shanghai, in die Runde um die Ränge 17 bis 32 gegen Kanada und den Senegal.

Bronze als Höhepunkt: Das bisherige WM-Abschneiden des DBB-Teams

Die Männer des Deutschen Basketball Bundes (DBB) nehmen gerade zum sechsten Mal an einer Weltmeisterschaft teil. Zweimal gelang es, zumindest das Viertelfinale zu erreichen, 2002 holte die Mannschaft um Dirk Nowitzki sogar eine Medaille - die bronzene durch ein 117:94 im Spiel um Platz drei über Neuseeland. Die bisherigen Platzierungen:

1986 in Spanien: Rang 13 bis 24 (der genaue Rang wurde nicht ausgespielt)

1994 in Kanada: Zwölfter

2002 in den USA: Dritter

2006 in Japan: Achter

2010 in der Türkei: 17.

Auch die Qualifikation für Olympia gerät nun in Gefahr

Das ist ein herber Rückschlag für eine Mannschaft, die von der Breite her als talentierteste in der Geschichte des DBB gilt, noch talentierter sogar als die Generation um den kürzlich zurückgetretenen Dirk Nowitzki, die 2002 WM-Bronze und 2005 EM-Silber nach Hause gebracht hatte. Auch Nowitzkis Nachfolgern, der Generation um den neuen Anführer Dennis Schröder, war bei diesem Turnier ein greifbares Mitbringsel zugetraut worden. Und das nicht nur vom chronisch optimistischen DBB-Präsidenten Ingo Weiss, sondern auch von Fachleuten wie den drei ehemaligen Bundestrainern Svetislav Pesic, Henrik Dettmann und Dirk Bauermann, die zu ihren Zeiten jeweils Medaillen mit ihrer DBB-Auswahl gewonnen hatten.

Allerdings hatte Spielmacher Schröder, 25, schon vor der WM in einem Interview mit der Sport-Bild darauf hingewiesen, dass das Medaillenziel "der Vorstand, nicht wir Spieler" ausgegeben habe. "Was wir alle wollen", hatte der Profi vom NBA-Klub Oklahoma City Thunder hinzugefügt, sei: "Die Qualifikation für Olympia in Tokio nächstes Jahr."

Doch auch die gerät nun in Gefahr, weil die deutsche Mannschaft die Zwischenrunde verpasst hat. Bei der WM in China können sich sieben Länder direkt für Olympia qualifizieren: Die zwei Besten aus Amerika und Europa sowie das jeweils beste Team aus Afrika, Asien und Ozeanien sind neben Gastgeber Japan bei den Spielen 2020 in Tokio dabei. Die 16 nächstbesten Mannschaften der WM haben im kommenden Sommer noch eine Chance bei insgesamt vier Qualifikationsturnieren - die Teilnahme daran war das Minimalziel der deutschen Mannschaft. Sie muss nun also schauen, dass sie in der Platzierungsrunde möglichst weit vorne landet. Ansonsten bleibt nur noch ein winziges Hintertürchen: als eines von zwei europäischen Teams per Wildcard zur letzten Qualifikationschance zugelassen zu werden.

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