Basketball:Rollentausch an der Atlantikküste

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Basketball: Von der EM hat Christian Sengfelder (unten), hier als Topscorer im Spiel gegen Ungarn, viel mitgenommen. Das will er nun in der Champions-League-Qualifikation in Lissabon einbringen.

Von der EM hat Christian Sengfelder (unten), hier als Topscorer im Spiel gegen Ungarn, viel mitgenommen. Das will er nun in der Champions-League-Qualifikation in Lissabon einbringen.

(Foto: Tilo Wiedensohler/Camera4+/Imago)

Mit der Basketball-Nationalmannschaft hat Christian Sengfelder bei der Heim-EM Bronze gewonnen. Und wertvolle Erfahrungen gesammelt, die er nun für Brose Bamberg einsetzen will - auch in der Champions-League-Qualifikation in Lissabon.

Von Ralf Tögel, München

Christian Sengfelder saß ganz entspannt im Frühstücksraum des Teamhotels in Berlin. Der Basketball-Nationalspieler blickte auf eine hervorragende Leistung gegen Ungarn zurück, Sengfelder war Topscorer mit 22 Punkten. Knapp 30 Minuten stand der Power Forward auf dem Feld, es sollte der einzige nennenswerte Einsatz bei der Heim-EM bleiben. Ein paar Sekunden gab es noch beim fantastischen Viertelfinalsieg gegen Titelfavorit Griechenland, sowie beim Gewinn der Bronzemedaille gegen Polen. Sengfelder war Ergänzungsspieler, einer, der sich klaglos in seine Rolle eingefunden hat.

Während sich die deutsche Nationalmannschaft am Montag in alle Winde zerstreut hat, der ein oder andere Akteur wenigstens ein paar Tage Erholung bekommt, ging es für den 27-Jährigen aus Berlin direkt weiter nach Lissabon. Nicht etwa, um nach den Anstrengungen der vergangenen zwei Wochen verdientermaßen die Beine wenigstens ein bisschen an der Atlantikküste hochzulegen. Im Gegenteil: In Portugal steht die nächste wichtige Aufgabe auf dem Programm, dieses Mal aber mit seinem Arbeitgeber Brose Bamberg. Und in einer völlig anderen Rolle.

Denn Sengfelder ist beim ehemaligen Serienmeister Dreh- und Angelpunkt im Team, um ihn herum hat sich der israelische Trainer Oren Amiel eine neue Mannschaft zusammengestellt. Amiel hatte bekanntlich mitten in der vergangenen Saison den Niederländer Johan Roijakkers abgelöst, der sich seinerseits einen Kader nach seinem Gusto gebaut hatte. Mit selbigem aber verpasste Roijakkers die Qualifikation für die Champions League, Bamberg war nicht im internationalen Geschäft dabei, ein untragbarer Zustand für den einstigen Euroleague-Teilnehmer. Amiel soll dafür sorgen, dass das nicht noch einmal passiert - mit Christian Sengfelder als Identifikationsfigur und Führungsspieler.

Wer nun denkt, dass dieser ob der sparsamen Einsätze bei der Heim-EM enttäuscht in die portugiesische Hauptstadt gereist ist, der irrt gewaltig. Neben der Bronzemedaille bringt der Bamberger Kapitän viel Selbstvertrauen und eine erstklassige körperliche Verfassung mit. "Ich bin absolut zufrieden, dabei gewesen zu sein, für mich steht der Erfolg des Teams absolut im Vordergrund. Das ist ja das Tolle an der Nationalmannschaft, dass es nur darum geht, das Land bestmöglich zu repräsentieren. Ich glaube, das ist uns sehr gut gelungen."

Einen Spieler wie den griechischen NBA-Star Giannis Antetokounmpo hat Sengfelder noch nie erlebt: "So etwas hat man in der Bundesliga nicht."

Zudem konnte er "viel mitnehmen", wie Sengfelder erklärt: "Man kann sehr viel lernen, was man braucht, um auf diesem Toplevel spielen zu können." In der Tat bekam es der Bamberger mit den besten Spielern der Welt zu tun, dem griechischen Basketball-Achilles Giannis Antetokounmpo zum Beispiel, der vielen als der momentan beste Profi des Erdballs gilt. "Das ist eine ganz andere Physis, als man sie aus der Bundesliga kennt, das Spiel ist auch viel schneller, einfach auch, weil die Körper anders sind." Wie beispielsweise der des 2,11 Meter großen Kraftpakets Antetokounmpo, dessen Spannweite mit 2,21 Metern angegeben wird: "Ich habe noch nie so etwas gesehen, von der Armlänge, von den Händen, von der Größe, wie er sich bewegt, wie schnell er ist, das ist schon unfassbar, so etwas hat man in der Bundesliga nicht."

Basketball: "So etwas habe ich noch nie gesehen": Bei der EM konnte Christian Sengfelder gegen die weltbesten Profis spielen, wie Giannis Antetokounmpo.

"So etwas habe ich noch nie gesehen": Bei der EM konnte Christian Sengfelder gegen die weltbesten Profis spielen, wie Giannis Antetokounmpo.

(Foto: Daniele Buffa/Gribaudi/Imago)

Sengfelder jedenfalls stößt topfit zum Kader: "Ich habe jeden Tag trainiert, mit unserem Individualtrainer, Krafttraining und mit der Mannschaft, ich bin in einer Topverfassung." Natürlich gehe es jetzt erst einmal darum, sich in das neue Kollektiv einzufinden. Dass er das kann, hat Sengfelder ja gerade erst in der deutschen Auswahl bewiesen.

Dennoch bleibt nicht viel Zeit, um zusammenzuwachsen: "Unsere Vorbereitung war sicher nicht optimal", erklärt Trainer Amiel, "wir hatten in Bohacik und Sengfelder zwei Spieler bei der EM, die spät zum Team kamen." Zugang Jaromir Bohacik überzeugte im tschechischen Nationalteam, das sich erst im Achtelfinale Griechenland knapp geschlagen geben musste. Sengfelders neuer Teamkollege hatte also ebenfalls das Vergnügen, sich mit Antetokounmpo zu messen.

Die Gegner in der Champions-League-Qualifikation sind weniger prominent, am Freitag geht es im Halbfinale, für das die Bamberger gesetzt sind, gegen den Sieger der Partie zwischen dem schwedischen Klub Norrkoping Dolphins und Budivelnyk Kiew aus der Ukraine. Am Sonntag folgt das Finale, nur der Sieger der jeweiligen Qualifikationsgruppe qualifiziert sich. Es gehe nun darum, schnell eine Einheit zu werden, sagt Sengfelder, Teamkollege Patrick Heckmann, der als einziger Akteur neben dem Kapitän vom Kader der Vorsaison geblieben ist, stimmt zu: "Wir müssen uns schnell finden, hart verteidigen und auf individuelle Stärken setzten, da wir noch nicht so viel zusammen trainiert haben." Immerhin gehe man die Aufgabe im Gegensatz zum Vorjahr mit einem Team an, das sich Trainer Amiel selbst zusammengestellt hat, erklärt der 30-jährige Routinier: "Er hat sich die Jungs geholt, die er haben wollte. Er weiß, was die Spieler können und ich denke, er wird das Ganze zu einem sehr guten Team zusammenfügen."

Der Trainer ist ebenfalls zuversichtlich: "Unsere Vorbereitung war sicher nicht optimal, wir hatten zwei Spieler bei der EM, die spät zum Team kamen. Aber wir sind jetzt ein paar Tage zusammen, jeder hilft dem anderen , um täglich besser zu werden." Amiel glaubt, dass seine Auswahl für die Qualifikationsspiele bei 100 Prozent ist: "Wir wollen in die Champions League, da gehört Bamberg hin. Das haben wir uns als Team verdient."

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