bedeckt München 18°
vgwortpixel

Basketball:"18 Mannschaften sind sicher zu viel"

FC Bayern München - ALBA Berlin

Nick Johnson (r) von München versucht einen Wurf von Gerald Robinson von Berlin zu blocken.

(Foto: dpa)
  • Alba Berlins Präsident Axel Schweitzer spricht im SZ-Interview über die Zukunft des Vereins.
  • Er würde sich eine Reduzierung der Bundesliga wünschen. Das würde die Vermarktung erleichtern.
  • Der Abstand von Alba zu den Branchengrößen Bayern und Bamberg sei nach wie vor groß.

Eine "Herzensangelegenheit" sei es, obwohl er kaum Spiele live in der Halle sehen kann. Zu groß ist die Distanz zwischen Berlin und Hong Kong. Da fliegt man nicht mal eben für ein Basketball-Spiel hin, selbst wenn man der Präsident ist. Seit Oktober 2016 ist der Recycling-Unternehmer Axel Schweitzer, 48, erster Mann beim Hauptstadt-Basketballklub Alba Berlin, und nun will er auch dank seiner Kontakte nach Asien Alba wieder zu Bamberg und Bayern aufschließen lassen.

China ist das Land von Albas Trikotsponsor, dem Umweltunternehmen TechCent. "Basketball ist mit rund 300 Millionen Aktiven die wahrscheinlich größte Sportart" in China, sagte Schweitzer im Interview mit der Süddeutschen Zeitung. Albas Aktivitäten in China sollen sich nicht nur auf kurze PR-Auftritte beschränken, "drei Fotos machen, fünf Hände schütteln", sagt Schweitzer. Man kooperiere eng "mit den Basketballverbänden von Peking und Shanghai" und wolle "der Gesellschaft etwas zurückgeben".

Allerdings erhöht sich auch Albas Profietat durch diese Kooperation um 25 Prozent. Ein Schritt, um in der Basketball-Bundesliga den Rückstand auf die Branchengrößen Bamberg und Bayern wieder aufzuholen. Die würden nämlich laut Schweitzer "doppelt so viel für Gehälter ausgeben wie wir".

Der Status Quo des deutschen Basketballs sieht hingegen wenig berauschend aus. In Berlin liegt die Auslastung der Basketballhalle bei gerade 68 Prozent. Schweitzer führt den stagnierenden Enthusiasmus für diesen Sport im Land auch auf die mäßigen Erfolge der Nationalmannschaft zurück. Aus dieser stach in der jüngeren Vergangenheit gerade einer hervor: Dirk Nowitzki, "ein Geschenk, das wir nicht verdient hatten", sagt Schweitzer. Eine Leitfigur, der den deutschen Basketball "über Jahre getragen" habe.

Das Fehlen einer solchen Leitfigur sei aber laut Schweitzer nicht nur das Problem der deutschen Bundesliga. "Die Liga ist zu breit aufgestellt - 18 Mannschaften sind sicher zu viel", was eine hochwertige Vermarktung der Spielklasse erschwere. Eine Reduzierung hielte Schweitzer für sinnvoll, aber wenig realistisch.

Die Basketball Bundesliga brauche neue Impulse, doch auch bei Alba Berlin selbst, auf Vereinsebene, seien Veränderungen "natürlich nötig". Eine davon symbolisiert die Verpflichtung des 70-jährigen Spaniers Aíto García Reneses als neuen Trainer. Schweitzer ist glücklich über den neuen Mann an der Seitenlinie, dennoch mahnt er zu Geduld mit dem Trainer. "Aíto ist einer der Top-Trainer Europas. Dass er nach allem, was er erreicht hat, nun sagt: Hey, ich sehe diese Herausforderung, das spricht für ihn."

Berlin setzt auf einen Coach mit viel Routine, wenn es darum geht mit Hartnäckigkeit den "beschwerlichen Alba-Weg" fortzusetzen, die Marktführer einzuholen. Kurz vor der Jahrtausendwende war man noch selbst Branchenprimus, ab 1997 wurde Alba Berlin siebenmal in Serie deutscher Basketball-Meister. Doch ruhte man sich zu sehr auf diesen Erfolgen aus, vernachlässigte die Jugendarbeit, auf die man heute wieder starken Fokus legt.

Vollends düster will der Vereins-Präsident aber nicht auf die jüngste Klubhistorie zurückblicken: "Wir sollten fair bleiben - die letzten Jahre waren nicht erfolglos: Wir waren dreimal Pokalsieger, einmal im Liga-Finale, 2015 sind wir um einen Wimpernschlag an den Top Acht der Euroleague vorbeigeschrammt. Andere haben investiert bis der Arzt kommt, um dort hinzukommen."

Wieso sich Axel Schweitzer so schwer mit dem Begriff "Star" tut, was er von der Identifikationsfigur im Verein schlechthin - Sportdirektor Marco Baldi - hält und wie es um die Nachwuchsförderung bei Alba Berlin bestellt ist, lesen sie im gesamten Interview auf SZ Plus.

© Sz.de/schm
Zur SZ-Startseite