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Bamberg:Kandidaten aus Antwerpen

Bei Bamberg dürfte sich nach einer mäßigen Hauptrunde das Spitzenpersonal ändern: Sowohl ein neuer Sportdirektor als auch ein neuer Trainer könnten kommen.

Die Hauptrunde der Basketball-Bundesligasaison 2018/19 ist seit Sonntag Geschichte, Brose Bamberg wird als Fünftplatzierter zum ersten Mal seit Menschengedenken ohne Heimvorteil in ein Playoff-Viertelfinale starten. Ein solches Abschneiden haben sich die Verantwortlichen sicher nicht erhofft, der bisherige Saisonverlauf hat indes bereits einen großen Erfolg gebracht: den Pokaltriumph gegen Alba Berlin.

Es war dennoch bislang eine Spielzeit, die von einigen unschönen Nebengeräuschen begleitet war, Tiefpunkt war die Entlassung von Geschäftsführer Rolf Beyer im vergangenen November, nebst juristischer Aufarbeitung und einer Geldstrafe für den Verein an die Basketball-Bundesliga (BBL). Der lettische Trainer Ainars Bagatskis, der erst zu Saisonbeginn für den Italiener Luca Banchi geholt wurde, musste im Januar wegen schlechter Ergebnisse seinen Stuhl räumen, einen Monat später folgte ihm der litauische Sportdirektor Ginas Rutkauskas. Auch Felix Czerny, Chefcoach der Young Pikes, wurde im Februar geschasst, was den Abstieg des Bamberger Farmteams in die ProB nicht verhindern konnte. Jugendkoordinator Yassin Idbihi wird den Verein zum Saisonende verlassen. Damit sollte der personelle Umbau vorerst beendet sein, die Franken hatten ja bereits die Rückkehr zum "Bamberger Weg" angekündigt. Was nicht weniger bedeutet, als sich zukünftig wieder verstärkt der Entwicklung eigener Talente zu widmen und weniger der Verpflichtung kostspieliger, international erfolgreicher Legionäre.

So ganz ist die Neuausrichtung aber wohl noch nicht abgeschlossen: Offenbar steht der ehemalige deutsche Serienmeister kurz davor, die vakante Stelle des Sportdirektors zu besetzen. Leo De Rycke heißt der Mann, der die sportlichen Belange zukünftig strukturieren soll, der Belgier ist noch bei den Telenet Giants in Antwerpen beschäftigt. Wie gut seine Arbeit ist, mussten die Bamberger vor Wochenfrist erfahren, als sie das kleine Finale im Final Four der Champions League gegen den belgischen Tabellenzweiten deutlich verloren.

Weil der deutsche Pokalsieger auch schon das Halbfinale gegen Bologna nach einer miserablen Leistung in den Sand gesetzt hatte, verdichten sich zudem die Anzeichen, dass auch auf der Trainerposition ein Wechsel zu erwarten ist. Die Tage von Frederico Perego, der nach der Entlassung von Bagatskis vom Assistenten zum Chefcoach befördert worden war, könnten beim neunmaligen Meister ebenfalls gezählt sein. Auch sein Nachfolger könnte aus Antwerpen kommen, dem Vernehmen nach denkt man in Bamberg über eine Verpflichtung von Antwerpens Trainer Roel Moors nach. Der Bamberger Kader wird sich ebenfalls weiter verändern, es ist unwahrscheinlich, dass die auslaufenden Verträge der in die Jahre gekommenen Ricky Hickman und Nikolaos Zisis verlängert werden. Zisis war ja als Sportdirektor im Gespräch, sein Abschied aus Bamberg scheint nun besiegelt zu sein. Nach SZ-Informationen ist auch eine Zukunft von Patrick Heckmann bei Brose nicht sicher, was auch für Tyrese Rice gilt, der kürzlich erst zum wertvollsten Spieler der Champions League gewählt wurde; beide Verträge laufen aus.

Dass man Bamberg trotz aller Störfeuer nicht voreilig abschreiben sollte, daran hat die Mannschaft am vergangenen Sonntag im letzten Spiel der Hauptrunde gegen Würzburg erinnert. Brose zerlegte die Gäste im Frankenderby mit 97:65 Punkten und kickte den unterfränkischen Nachbarn damit endgültig aus den Playoff-Rängen. Das war zumindest ein starkes Statement vor dem ersten Viertelfinalspiel der Best-of-five-Serie beim Überraschungsteam Vechta am Sonntag (20.30 Uhr). Denn noch ist die Bundesligasaison 2018/19 ja nicht Geschichte.

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