Ausschreitungen beim Afrika Cup Blut klebt an der Werbebande

Chaos im Stadion: Während des Halbfinales kommt es zu Ausschreitungen

(Foto: dpa)
  • Beim Halbfinale des Afrika-Cups zwischen Ghana und Ausrichterland Äquatorialguinea kommt es zu schweren Krawallen. Ghanaische Fans müssen das Stadion unter Polizeischutz verlassen.
  • Spieler und Trainer zeigen sich schockiert und entschuldigen sich. Der Imageschaden für das Turnier ist beträchtlich.
  • Die Frage nach dem Sinn der kurzfristigen Verlegung des Turniers in den diktatorisch geführten Kleinstaat stellt sich drängender denn je.

Hässliche Szenen in Malabo

Ein Hubschrauber donnert wenige Meter über den Zuschauern, Fans bringen sich panisch vor herunterprasselnden Steinen in Sicherheit, Blut klebt an der Werbebande. Die hässlichen Szenen beim Halbfinale des Afrika-Cups zwischen Gastgeber Äquatorialguinea und Ghana (0:3) in Malabo schockieren den Kontinent und befeuern nach den zweiten Ausschreitungen beim Turnier die Sicherheitsdebatte.

"Wir haben Glück gehabt, dass niemand gestorben ist", sagt Ghanas Fußball- Verbandspräsident Kwesi Nyantakyi der BBC und fordert deutliche Konsequenzen für den Gastgeber. "Es ist schade, dass diese dunkle Wolke unseren Erfolg überschattet, die afrikanische Konföderation (CAF) muss entschieden handeln. Diese Art von Verhalten ist nicht zu akzeptieren." 36 Zuschauer sind bei den Ausschreitungen verletzt worden.

Sein Verband GFA beschrieb die Zustände via Twitter noch plastischer als "barbarische Akte von Vandalismus" und "grundlose Gewaltattacken". Als sie von Heimfans mit Flaschen, Steinen und anderen Geschossen beworfen wurden, flüchteten Ghanas Anhänger am Donnerstagabend auf die Laufbahn des Stadions, der Schiedsrichter unterbrach die Partie kurz vor Ende für 35 Minuten. Ein Hubschrauber vertrieb die verbliebenen Zuschauer von den Tribünen. "Verguenza" - "Schande" wiederholte der Stadionsprecher über die Lautsprecher immer wieder. "Denkt an das Land, die Beschämung." Vergeblich. "Es ist wie eine Kriegszone", fasste der GFA zusammen.

Der Imageschaden für den Afrika-Cup ist immens

Mehrere Zuschauer wurden verletzt, der Imageschaden für das von den Afrikanern so innig geliebte Kontinentalturnier ist weit über die Grenzen hinaus immens. "Das Sportliche ist natürlich in den Hintergrund gerückt und solche Meldungen sind eine Katastrophe rund um den Sport", erklärte Augsburgs Trainer Markus Weinzierl. Nach Angaben des Bundesliga-Klubs ist sein ghanaischer Spieler Abdul Rahman Baba bei den Krawallen unversehrt geblieben.

Nachmittags tagten das Organisations- und Exekutivkomitee des Kontinentalverbands CAF, berieten vor dem Finale zwischen Ghana und der Elfenbeinküste am Sonntag über Folgen. Das Spiel um Platz drei zwischen Äquatorialaguinea und der Demokratischen Republik Kongo mit Bundesliga-Profi Cedrick Makiadi (Werder Bremen) am Samstag in Malabo soll vor Publikum stattfinden. Allerdings wird der Gastgeber mit einer Geldstrafe in Höhe von 100.000 Dollar belegt und steht fortan unter verschärfter Beobachtung: Bei weiteren Zwischenfällen wird Äquatorialaguinea automatisch mit einem Spiel vor leeren Rängen belegt.

Viele Fragen bleiben ungeklärt

Fragen über den Sinn der kurzfristigen Verlegung des Afrika-Cups in den diktatorisch geführten Kleinstaat bleiben dennoch. Konnte der Co-Gastgeber von 2012 in nur zwei Monaten, nachdem Marokko auf die Ausrichtung wegen Bedenkens aufgrund der Ebola-Epidemie verzichtet hatte, ein ausreichendes Sicherheitskonzept erarbeiten? Bereits als sich Tunesien im Viertelfinale gegen den Gastgeber vom Schiedsrichter betrogen fühlte, kam es zu Jagdszenen auf dem Platz. "Schon während des ganzen Turniers hat das Verhalten der Heimfans für Sicherheitssorgen gesorgt", schreibt die ghanaische Zeitung Graphic.

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Auch Spieler und Trainer äußerten sich betroffen. "Ich habe noch nie so etwas mitmachen müssen. Ich entschuldige mich im Namen meines Teams vor dem afrikanischen Verband CAF und der Welt. Es war eine seltsame Erfahrung", sagte Äquatorialguineas Kapitän Emilio Nsue dem Magazin The African Report.

Ghanas Kapitän André Ayew zeigte sich bei Canal Plus "sehr enttäuscht, verbittert und nicht zufrieden." Die ghanaische Regierung habe Fans extra einfliegen lassen, berichtete der Stürmer von Olympique Marseille. Mehrere von den Unterstützern berichteten in Medien, dass ihnen die Lust am Finale trotz der Chance auf den ersten Titel seit 1982 nun gründlich vergangen ist.