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Äquatorialguinea beim Afrika-Cup:Bejubelt vom Diktator

Equatorial Guinea's Balboa celebrates after scoring against Gabon during their Group A soccer match of the 2015 African Cup of Nations in Bata

Javier Balboa ist der bekannteste Fußballer Äquatorialguineas.

(Foto: REUTERS)
  • Äquatorialguineas Fußball-Nationalmannschaft steht überraschend im Viertelfinale des Afrika-Cups.
  • Präsident Obiang kommt der Erfolg gelegen - um sein eigenes Image zu verbessern.
  • Dabei sind viele Spieler im Team, deren Familien einst vor dem politischen Regime flüchten mussten.

Zu Javier Balboas größten Stärken zählt zweifelsfrei seine Schnelligkeit. Sie hat ihn mit 14 Jahren in die Kaderschmiede von Real Madrid befördert. Sie war es auch, die ihn mit 20 Jahren zu seinem Debüt in der Profi-Mannschaft der Madrilenen verhalf. Dort spielte er - sowohl in der Primera Divisíon als auch in der Champions League - an der Seite von Ausnahmespielern wie Zinédine Zidane und David Beckham.

Gerade sorgt Balboa aber andernorts für Aufsehen: Er steht als Spieler der äquatorialguineischen Nationalmannschaft im Viertelfinale des Afrika-Cups - es ist der bisher größte internationale Erfolg des Teams. Und das auch noch im eigenen Land. Präsident Teodoro Obiang Nguema Mbasogo kommt das sehr gelegen, gilt Äquatorialguinea doch als umstrittener Ausrichter. Vor allem wegen ihm.

Diktator-Image durch Sport aufpolieren

1979 stürzte Präsident Obiang seinen Onkel Francisco Macías Nguema und ließ ihn anschließend hinrichten. Menschenrechtsorganisationen wie Amnesty International werfen seinem Regime zudem willkürliche Festnahmen von Oppositionellen, Scheinprozesse und Folter vor. Obwohl der Öl-Staat Äquatorialguinea das Land mit dem größten Pro-Kopf-Einkommen Afrikas ist, lebt die Mehrheit der Einwohner in tiefer Armut.

Mit der Ausrichtung des Afrika-Cups versucht Obiang sein Image als skrupelloser Diktator loszuwerden. Zu Beginn des Turniers inszenierte er sich deshalb öffentlichkeitswirksam als Wohltäter und schenkte der Bevölkerung 40.000 Eintrittskarten, die er zuvor gekauft hatte. Seine Taktik geht auf: Die Stadien sind bisher gut gefüllt. Zudem tragen die meisten heimischen Fans rote Trikots, die Nationalfarbe Äquatorialguineas. Es scheint, als schenke der Afrika-Cup der unterdrückten Bevölkerung Äquatorialguineas ein Stück Identifikation mit dem eigenen Land.

Das Land profitiert von den Nachkommen seiner Flüchtlinge

Unter den 23 Profis, die für Äquatorialguinea im Afrika-Cup nominiert sind, ist Balboa wohl der Bekannteste. Auch weil er es in eine europäische Liga geschafft hat, der 29-Jährige spielt mittlerweile beim portugiesischen Erstligisten GD Estoril Praia. So weit haben es bisher nur die gebracht, die als Nachfahren spanischer Einwanderer in Europa aufwuchsen - und deren Eltern vor der Diktatur von Francisco Macías Nguema geflüchtet waren. Real Castillas Ruben Belima etwa oder Emilio Nsue vom englischen Zweiligisten Middlesbrough FC.

Viele von ihnen wurden in den Leistungszentren in Madrid, Barcelona und Sevilla ausgebildet und kehren zurück zu ihren Wurzeln, um für die Nationalmannschaft ihres Heimatlandes zu spielen. Dass die afrikanischen Länder von in Europa ausgebildeten Talenten profitieren, gehört zum Profi-Fußball. Nach einer Regeländerung der Fifa-Statuten ist es Spielern sogar erlaubt, die Nation zu wechseln, wenn sie bereits Pflichtspiele in einer Junioren-Nationalmannschaft eines anderen Landes bestritten haben.

Bitterer Beigeschmack

Dass sich Präsident Obiang mit dem Erfolg einer Mannschaft schmückt, die überwiegend aus Spielern besteht, deren Familien vor der Diktatur des waltenden politischen Regimes flüchten musste, hat allerdings einen Beigeschmack. Zumal die Menschenrechtsverletzungen im Land noch immer eine große Rolle spielen.

Doch im Vordergrund steht derzeit der Sport: Wenn Äquatorialguinea am Samstag im Viertelfinale des Afrika-Cups auf Tunesien trifft, könnte Balboa zu einer wichtigen Stütze seiner Mannschaft avancieren. In der entscheidenden Partie der Gruppenphase gegen Gabun verwandelte er bereits einen Elfmeter und ebnete mit seinem Treffer den Weg in die Endrunde.

Doch das Team steht nun vor einer schweren Aufgabe: Tunesien zählt zum engeren Favoriten-Kreis des Turniers und konnte sich bereits in der Vorrunde deutlich als Gruppenerster absetzen. Zweimal trafen die beiden Mannschaften bereits aufeinander, gewinnen konnte Äquatorialguinea noch nicht. Mit der Unterstützung der Fans könnte das dieses Mal anders aussehen.