Augsburg Verwirrt von der eigenen Taktik

Jeffrey Gouweleeuw äußert sein Unverständnis über die Taktik seines Trainers - und vermisst gar eine "gemeinsame Idee".

Von Sebastian Fischer, Augsburg

Wenn sie beim FC Augsburg irgendwann diese enttäuschende Saison analysieren, werden sie um eine Szene nicht herumkommen, die nicht auf dem Rasen stattfand. Es war im Kabinengang des Stadions von Borussia Mönchengladbach, als der Verteidiger Martin Hinteregger nach einem 0:2 im Januar erklärte, nichts Positives über seinen Trainer Manuel Baum sagen zu können. Wenig später verließ der Österreicher Augsburg und wechselte nach Frankfurt, zunächst als Leihgabe. Und die Geschichte der Misere, die Hinteregger damit auslöste, hat nun ein neues Kapitel.

Jeffrey Gouweleeuw, einst Hintereggers Nebenmann in der Innenverteidigung, sollte am Sonntagabend, bevor er in die Kabine verschwand, das vorangegangene 0:4 gegen Hoffenheim erklären. Und was er sagte, erinnerte durchaus an Hintereggers Kritik. "Es sah heute so aus, dass wir keine gemeinsame Idee hatten", sagte er zum Beispiel. Angesprochen auf die Versuche von Trainer Baum, mit Umstellungen während des Spiels auf Augsburgs Chancenlosigkeit zu reagieren, sagte Gouweleeuw: "Ich habe gar keine Ahnung, was wir heute gemacht haben. Wir haben oft umgestellt, von Angriffspressing auf Mittelfeldpressing. Aber du musst eine Sache machen - und nicht etwas dazwischen." Sein Fazit: "Jedes Mal, wenn wir umgestellt haben, war das nicht besser."

Nun muss man wissen, dass Baums Umstellungen - zwei Systemwechsel und eine Auswechslung in der ersten halben Stunde - auch mit Hinteregger zu tun haben. Auf den Weggang des Abwehrchefs reagierte der Klub im Winter mit der Ausleihe von Reece Oxford, 20, von West Ham United. Der Engländer sollte am Sonntag den verletzten Rani Khedira ersetzen, Augsburgs zentralen Defensivspieler. Oxford war damit überfordert, weshalb Baum ihn erst nach rechts verschob und von einer Art 3-4-3 auf ein 4-3-2-1 mit drei defensiven Mittelfeldspielern umstellte, um ihn dann nach 27 Minuten auszuwechseln und wieder mit der Anfangstaktik zu agieren.

Die jüngsten Eindrücke sprechen nicht für die Form des FCA

Man muss allerdings auch wissen, dass Baum seit Jahren der Ruf vorauseilt, sein großes taktisches Wissen bisweilen etwas aktionistisch zu vermitteln. Kaum ein aktueller Bundesligatrainer gestikuliert an der Seitenlinie so wild wie er. Und kaum einem Bundesligatrainer, den fatalistischen Thomas Doll beim Tabellenletzten Hannover ausgenommen, scheinen die Spiele der vergangenen Wochen derart mitzunehmen. Die Umstellungen erklärte Baum am Sonntag mit müder Stimme mit der Intention, Hoffenheims offensive Mittelfeldspieler besser kontrollieren zu wollen und besser in die Zweikämpfe zu kommen. Aber er gab zu: "Das hat heute nicht gefruchtet." Nach dem Training am Montag sagte er der Augsburger Allgemeinen, er könne Gouweleeuws Kritik verstehen: "Das Gefühl von Jeff ist nachvollziehbar. Ich sehe es ähnlich." Mit Hintereggers Kritik, fand Baum, seien Gouweleeuws Worte nicht vergleichbar. Doch auch wenn sich Baum dagegen wehrte, warfen sie mal wieder die Frage nach der Zusammenarbeit zwischen Mannschaft und Trainer auf.

Augsburg ist Tabellenfünfzehnter, mit auf den ersten Blick beruhigenden vier Punkten Vorsprung vor dem VfB Stuttgart auf dem Relegationsplatz. Doch am Osterwochenende spielen beide gegeneinander. Und die jüngsten Eindrücke sprechen nicht für die Form des FCA. Zwar verwies Baum auf das 1:2 nach Verlängerung im DFB-Pokal gegen Leipzig: "Am Dienstag hat man gesehen, dass es funktioniert hat." Und eben diese Begegnung machte er auch für die schwache Leistung hauptverantwortlich. "Ich hatte von Anfang an das Gefühl, dass uns das Pokalspiel noch in den Klamotten hing", sagte er. Aber so groß waren die Lücken in der Abwehr, so ziellos die Offensivbemühungen, so symptomatisch Gouweleeuws Abwinken nach dem 0:4, als er mal wieder überlaufen worden war, dass Müdigkeit kaum die einzige Erklärung sein konnte. "Der Gegner darf sich nicht beschweren, wenn das Ding sechs, sieben oder acht zu null ausgeht", sagte Hoffenheims Kerem Demirbay. Und Gouweleeuw sagte: "Wir haben so viel Glück bis jetzt, das ist der Wahnsinn. Wir können nicht erwarten, dass es jede Woche so ist. Es kommt ein Moment, da müssen wir selber unsere Spiele gewinnen."

Am Sonntag trifft Augsburg übrigens auf Frankfurt. Manager Stefan Reuter sagte, er gehe davon aus, dass Martin Hinteregger mitspielt.