Alexander Zverev:Wenn es Klick macht

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"Am Sonntag war dann plötzlich das Gefühl wieder da": Alexander Zverev findet bei den US Open zurück zur Form. Und auch Andrea Petkovic ist wieder in der Erfolgsspur, sie besiegt die an Rang sechs gesetzte Petra Kvitova und sagt: "Ich bin mit meiner Psyche sehr zufrieden."

Von Jürgen Schmieder, New York

Wer mal einen Sport ernsthaft betrieben hat, der weiß: Es gibt Tage, da läuft es einfach nicht. Die Flanke beim Fußball entlaubt die Bäume hinter dem Tor, kein Wurf beim Basketball fällt in den Korb und die Rückhand beim Tennis bringt die Zuschauer in den ersten Reihen in Lebensgefahr. Es gibt keinen nachvollziehbaren Grund dafür, es ist halt so, und wenn diese Krise mehrere Tage, Wochen, Monate dauert, dann setzt sich das fest im Kopf, der große Fußball-Philosoph Andreas Brehme hat dazu mal gesagt: "Haste Scheiße am Fuß, haste Scheiße am Fuß."

Alexander Zverev hatte zuletzt Scheiße an der Hand, der zweite Aufschlag war zum Problem geworden, es gab keine rationale Erklärung dafür. "Ich habe die letzten zehn Tage stundenlang Aufschläge geübt, es war schrecklich", sagt er. Nur: Wer mal einen Sport ernsthaft betrieben hat, der weiß auch, dass es dann irgendwann auch wieder Klick macht. "Bei uns Tennisspielern ist das manchmal kompliziert", sagt Zverev: "Am Sonntag war dann plötzlich das Gefühl wieder da, einfach so." Rechtzeitig zu den US Open war das Problem beseitigt, das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten zurück, und der Fünf-Satz-Sieg in der ersten Runde versicherte ihm, auch Krisen überstehen zu können.

In der zweiten Runde besiegte Zverev den gefährlichen, mit psychologischen Scharmützeln wie ausgedehnten Toilettenbesuchen, taktischen Verletzungspausen und auf den Körper geprügelten Bällen bewanderten sowie vom amerikanischen Publikum im Arthur Ashe Stadium heftig angefeuerten Frances Tiafoe (USA) mit 6:3, 3:6, 6:2, 2:6, 6:3. Er blieb dabei wie schon zwei Tage davor in den entscheidenden Momenten des letzten Satzes gelassen, er ließ sich nicht von Tiafoes Sperenzchen beirren - als hätte es irgendwann mal Klick gemacht und Zverev wüsste nun, wie er sich in diesen Momenten verhalten muss.

"Ich bin das ja schon gewohnt mittlerweile", sagt Zverev nach seinem elften Fünf-Satz-Match der vergangenen beiden Jahre - mehr hat kein Spieler absolviert - über diese kleinen Krisen, die ihn bislang in seiner Karriere durchaus auch mal hatten verzweifeln und dann verlieren lassen: "Ich bin jetzt ein bisschen erfahrener und weiß, wie ich mich in diesen Partien, in diesen Situationen verhalten muss. Ich bin auch fit genug, um solche Partien bis zum Ende durchzuhalten."

Das führt direkt zu Andrea Petkovic, die mittlerweile ein Buch darüber schreiben könnte, wie das so ist, wenn es nicht läuft - und auch darüber, wie das ist, wenn es Klick macht. Sie gewann 6:4, 6:4 gegen die an Rang sechs gesetzte Petra Kvitova (Tschechien) und steht zum ersten Mal seit 2015 wieder in der dritten Runde der US Open. "In den letzten Wochen bin ich mit meiner , ich bin in den entscheidenden Momenten ruhig", sagte sie danach: "Ich wollte endlich mal in meiner Lieblingsstadt und vor meinen Freunden gewinnen. Die gucken sonst kein Tennis."

Es hat Klick gemacht bei den beiden, und wer schon mal einen Sport ernsthaft betrieben hat, der weiß natürlich auch: Wenn es läuft bei Sportlern, wenn sie an sich glauben und wenn sie in den bedeutenden Momenten wichtiger Partien locker bleiben, dann kann so ein Turnier durchaus auch mal ein bisschen länger dauern - zunächst einmal bis Samstag, dann spielen beide um den Einzug ins Achtelfinale.

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