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Achtelfinale der Europa League:Geschenkter Sieg für Enschede

Eigentlich war es gar kein richtiges Auswärtsspiel, das die Schalker da in Holland bestreiten mussten. Nur 80 Kilometer trennen die Orte Gelsenkirchen und Enschede, so dass die Fans des Bundesligisten den Kurztrip ins Nachbarland gerne in Kauf genommen hatten. Hätten sie vorher gewusst, was sie für ein müder Kick erwartet, wären sie vielleicht lieber zuhause geblieben. 0:1 (0:0) verlor das Team von Trainer Huub Stevens das Hinspiel im Achtelfinale der Europa League, was angesichts des Spielverlaufs ein ziemlich ärgerliches Ergebnis für die Schalker ist.

Twente Enschede's De Jong challenges Schalke 04's Raul during the Europa League soccer match in Enschede

Ohne Durchschlagskraft: Auch der Spanier Raúl (li.) konnte die Schalker Pleite nicht verhindern. 

(Foto: REUTERS)

Eine Fehlentscheidung des Schiedsrichters Craig Thompson kostet den Ruhrpottklub nun möglicherweise den Einzug ins Viertelfinale. Zu Unrecht bestrafte der schottische Unparteiische S04 mit einer Roten Karte für Joel Matip und einem Foulelfmeter, den Luuk de Jong in der 61. Minute zur Führung des niederländischen Pokalsiegers verwandelte.

Dabei hatte Matip gar nichts verbrochen, bei einem Sprint stolperte sein Gegenspieler de Jong über die eigenen Füße. "Der Elfmeter war sehr unglücklich für uns. Kämpferisch war es heute eine starke Leistung - wir können es im Rückspiel noch umbiegen," sagte Abwehrmann Christian Fuchs. Drastischer formulierte es Horst Heldt: "Der fällt über seine eigenen Füße. Das ist eine Vollkatastrophe. So macht das echt keinen Spaß, wenn da solche Amateure stehen", schimpfte der erzürnte Schalker Manager auf die Schiedsrichter.

Mit zehn Mann schaffte es der Bundesligist nicht mehr, die Partie gegen die heimstarken Gastgeber zu wenden und kassierte nach neun Spielen in der Europa League die erste Niederlage. Im Rückspiel am nächsten Donnerstag könnten die Schalker, wenn sie wieder ihr bestes Personal aufbieten können, die Enttäuschung aufarbeiten. Denn fußballerisch überlegen war der niederländische Meister von 2010 den Königsblauen nicht. In den verletzten Klaas-Jan Huntelaar, Benedikt Höwedes, Christoph Metzelder und den gesperrten Jefferson Farfan fehlten den Westfalen im nahe gelegenen Enschede zu viele wichtige Kräfte.

Vor allem in der Abwehr musste Stevens mit dem Ausfall der Innenverteidiger improvisieren, was letztlich eine recht defensive Aufstellung ergab, mit der ein gutes Ergebnis erzielt werden sollte. Statt dem erwarteten Julian Draxler brachte der holländische Coach Atsuto Uchida und stellte vor die Vierer-Abwehrkette drei defensive Mittelfeldspieler. Nur Raul, Chinedu Obasi und Ciprian Marica sollten in der Grundformation mit Offensivaufgaben beschäftigt sein. 30.000 Zuschauer im ausverkauften Stadion "Grolsch Veste" sorgten für gute Europapokal-Stimmung.

Die Partie gestaltete sich in der ersten Halbzeit ausgeglichen, Enschede hatte zwar die besseren Torchancen, ließ aber bei der Verwertung der Möglichkeiten höheres Niveau vermissen. Zudem zeigte sich Timo Hildebrand im Tor sehr wachsam. Ein Kopfball und ein Schuss von Nacer Chadli (13./35.) und zwei Schüsse von Leroy Fer (27./32.) stellten ihn vor die schwierigsten Aufgaben, die er aber souverän löste. Schalke stand recht gut organisiert in der Defensive und kam zumindest ab und zu entlastenden Angriffen - Erwähnenswertes sprang dabei aber selten heraus.

Jermaine Jones, der nach einer Erkältung etwas geschwächt in das Spiel ging, besaß in der ersten Halbzeit die beste Chance. Der US-Nationalspieler eroberte im Mittelfeld den Ball, stand nach einem Doppelpass mit Obasi frei vor dem Tor, schoss den Ball aber mit zu viel Rücklage hart über das vom Bulgaren Nikolay Mihajlow gehüteten Twente-Kasten. Es sollte bis zum Ende die einzige echte Schalker Gelegenheit bleiben.

"Selbst mit zehn Leuten haben wir noch versucht, nach vorne zu spielen," sagte Trainer Stevens, der jedoch ähnlich wie Horst Heldt ziemlich angefressen war. "Dann sind wir bei dieser Szene: Der Schiedsrichter hat gepfiffen, aber es war der Pfiff des Tages, des Jahres. Das war einfach lächerlich. Da stehen schon drei Leute an der Linie, da sollten am Besten acht stehen. Ich bin einfach nur wütend." Dieses Ärgernis hätte wohl auch er sich gerne erspart.

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