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Abfahrt in Meribel:Spanierin schnappt Höfl-Riesch den Sieg weg

Alpine Skiing World Cup in Meribel

Carolina Ruiz Castillo: überraschend stark in Meribel

(Foto: dpa)

Es ist der erste Abfahrts-Sieg für Spanien überhaupt: Im französischen Meribel überrascht Carolina Ruiz Castillo mit einer irren Fahrt die Konkurrenz. Maria Höfl-Riesch wird Zweite, Viktoria Rebensburg kann die guten Leistungen aus dem Training nicht wiederholen. Auf der Kandahar setzt sich ein Italiener durch.

Bei Maria Höfl-Riesch hielt sich die Enttäuschung nach dem verpassten Jubiläumssieg in Grenzen. "Ich bin froh, dass mir ein so guter Lauf gelungen ist und ich endlich mal wieder auf dem Podest stehe", sagte die 28-Jährige nach Platz zwei in Méribel. Im ersten Weltcup-Rennen nach der WM hatte die dreifache Medaillengewinnerin von Schladming in den französischen Alpen am Samstag schon wie die sichere Gewinnerin ausgesehen - bis Carolina Ruiz Castillo als erste Abfahrtssiegerin aus Spanien für eine faustdicke Überraschung sorgte.

"Das ist ein toller Tag", sagte sie. "Ich bin völlig zufrieden, die Carolina hat's verdient. Sie ist so lange dabei und hat jetzt endlich ihr erstes Rennen gewonnen", freute sich Höfl-Riesch für die 31 Jahre alte Konkurrentin. "Mit ihr habe ich nicht gerechnet, sie hat eine Mega-Abfahrt gemacht." Ihren 25. Weltcup-Sieg verpasste Höfl-Riesch deshalb um zwei Zehntelsekunden, den Schwung der Ski-Weltmeisterschaften mit Bronze in der Abfahrt und im Team-Event sowie Gold in der Super-Kombination konnte sie trotzdem auf die Zielgerade der Weltcup-Saison mitnehmen.

Dritte wurde Marie Marchand-Arvier aus Frankreich. Eine Woche vor dem Heim-Weltcup in Garmisch-Partenkirchen stand Höfl-Riesch in einem Winter mit fünf vierten Plätze erstmals seit Ende November, dem dritten Abfahrtsplatz von Lake Louise, wieder auf dem Podest und erlebte die Siegerehrung nicht nur als Zuschauerin. Vor dem dritten Top-3-Ergebnis der Saison war ihr das auch beim Slalomsieg in Levi gelungen.

"Es wäre natürlich schön, die Saison noch mit ein paar guten Ergebnissen abzuschließen", meinte Höfl-Riesch. "Natürlich ist es immer noch schöner, zu gewinnen, aber man muss auch mal schauen, wie meine Saison gelaufen ist. Ich bin sehr zufrieden." Bei minus zehn Grad und strahlendem Sonnenschein hatte sich die Skirennfahrerin mit einem sauberen Lauf die zwischenzeitliche Führung erarbeitet, die auch die Gesamtweltcupführende Tina Maze um 0,08 Sekunden nicht erreichte. Die Slowenin wurde Vierte. Ihr Vorsprung auf Höfl-Riesch schrumpfte deswegen um 30 Zähler auf nun 858 Punkte Differenz.

Maze kann den Gewinn der großen Kristallkugel aber trotzdem bereits am Sonntag bei der Super-Kombination (10/14.15 Uhr) perfekt machen. Auf dieses Rennen wird Viktoria Rebensburg wegen der Auswirkungen ihrer Rippenprellung von der WM verzichten. "Abfahrt fahren ist gut, da habe ich keine Schmerzen. Aber Slalom fahren nicht, daher fahre ich nicht morgen", sagte die 23-Jährige nach ihrem 23. Platz auf der Olympia-Strecke von 1992. Mit Startnummer fünf war sie schon früh auf der Strecke, hatte aber bereits bei der Zieldurchfahrt deutlich auf die Spitze verloren. Nach 2,6 Kilometern stützte sie sich auf ihre Stöcke und schüttelte den Kopf. "Die Fahrt an sich hat sich nicht so schlecht angefühlt", sagte Rebensburg. Veronique Hronek fuhr mit Startnummer 41 auf Rang 36 und hatte im Ziel 2,44 Sekunden Rückstand auf die Spitze.

Innerhopfer gewinnt auf der Kandahar

Christof Innerhofer aus Südtirol hat derweil in Garmisch-Partenkirchen die Weltcup-Abfahrt auf der Kandahar gewonnen. Auf der um etwa 570 Meter verkürzten Strecke siegte er vor den Österreichern Georg Streitberger (+0,12 Sekunden), Klaus Kröll (+0,16 Sekunden) und Hannes Reichelt (+0,36). Weltmeister Aksel Lund Svindal belegte auf der Kandahar Rang fünf. Der Norweger übernahm damit die Führung im Abfahrtsweltcup und kämpft mit Dominik Paris (Italien), Innerhofer, Kröll und Reichelt um die kleine Kristallkugel.

Eine Überraschung aus deutscher Sicht gelang Josef Ferstl. Der 24-Jährige zeigte im Zielraum die rechte Faust und stieß einen Jubelschrei in den Himmel von Garmisch-Partenkirchen. "Das ist ein Supertag", sagte er nach Rang neun bei einer der berühmtesten Abfahrten im Weltcup. Das hatte Ferstl nicht einmal sein engeres Umfeld zugetraut. "Chapeau", sagte DSV-Alpindirektor Wolfgang Maier, "er hat eine richtig gute Prüfung abgelegt. Zwar noch keine Meisterprüfung, aber eine ehrlich gute Vorstellung. Ich hätte das nicht erwartet."