TSV 1860 München Das unerwünschte Angebot des Investors

Überrascht immer wieder aufs Neue mit Stellungnahmen per Facebook: 1860-Investor Hasan Ismaik.

(Foto: Andreas Gebert/dpa)

Neues von Hasan Ismaik: Via Facebook verspricht er 1860 ein neues Darlehen, um einen Sponsor zu übertrumpfen.

Von Markus Schäflein

Das Angebot liegt seit einer gefühlten Ewigkeit auf dem Tisch: Die Versicherung "Die Bayerische", Hauptsponsor des Fußball-Drittligisten TSV 1860 München, will ihr Engagement erhöhen, um deutlich über eine Million Euro für zwei Jahre, wovon über zwei Drittel sofort fließen sollen. Teil des Pakets soll der Erwerb der Namensrechte am Nachwuchsleistung für 500 000 Euro sein. Da Sport-Geschäftsführer Günther Gorenzel und Trainer Daniel Bierofka unterschriftsreife Kandidaten für die dringend benötigten Positionen Innenverteidiger und Mittelstürmer ausfindig gemacht haben, drängt die Zeit; der Klub wartete in der vergangenen Woche auf die finale Stellungnahme der Investorenseite um Hasan Ismaik zu dem Sponsoring-Angebot. Zwei Szenarien schienen denkbar zu sein: Zustimmung zu dem Deal, was man von Anfang an als unwahrscheinlich betrachten musste - oder Ablehnung mit der Vermittlung eines besseren Angebots.

Ismaik wäre allerdings nicht Ismaik, wenn er nicht in der Lage gewesen wäre, am Freitag eine dritte Variante aus dem Hut zu zaubern, und das auch noch mittels eines Facebook-Eintrags: Ablehnung des Angebots des Sponsors, verbunden mit einer Zusage über weitere Darlehen seinerseits. Darlehen statt Sponsoring - eine kreative Idee. Insbesondere weil das Präsidium um Robert Reisinger sehr unmissverständlich klargemacht hat, keine weiteren Darlehen Ismaiks mehr anzunehmen und Finanz-Geschäftsführer Michael Scharold mittels 50+1 auch eine entsprechende Weisung erteilt hat. In zwei Wochen, am Sonntag, 30. Juni, muss jenes Präsidium auf einer Mitgliederversammlung wiedergewählt werden. "Ich weiß von keinem Angebot, und auf Facebook-Einträge reagiere ich nicht", sagte Reisinger der SZ.

Ismaik verbindet sein Angebot mit massiver Kritik

Sein e.V.-seitig unerwünschtes Darlehensangebot verband Ismaik selbstredend mit massiver Kritik an Reisinger und dem gegen seinen Willen eingesetzten Scharold. "Ich habe mich in den letzten zwei Jahren ganz bewusst zurückgehalten, um zu beobachten, ob der TSV 1860 unter Präsident Robert Reisinger eine positive Entwicklung nimmt. Leider ist dies nicht geschehen", schrieb Ismaik. "HAM (seine Firma, d. Red) hatte im Sommer 2018 zwei Millionen Euro für zwei Spielzeiten zur Verfügung gestellt, damit (...) die Löwen-Fans eine Mannschaft zu sehen bekommen, die Freude bereitet und zudem die Attraktivität des Vereins wieder erhöht." Scharold habe "bei seinen Etat-Präsentationen immer wieder unterschiedliche Zahlen vorgelegt", klagte Ismaik.

Bei einem laufenden Geschäftsbetrieb ist das sicher nicht ungewöhnlich, es sei aber von seinen Vertretern "immer wieder kritisiert" worden, so der Investor. Er bemängelte weiter: "Zudem erklärte Scharold in einem Pressegespräch, dass er sich beim Etat für die Saison 2018/2019 verkalkuliert habe. Dass dies gravierende Auswirkungen auf die Zusammenstellung des Kaders für die neue Drittliga-Saison hat, ist selbsterklärend."

Die Fehlkalkulation beruhte, wie Scharold damals erklärte, auf einer zu hohen Annahme bei den Sponsoringeinnahmen. Das anhaltende Chaos im Zwist der Gesellschafter machte es einerseits schwer, die Zielvorgaben in diesem Bereich einzuhalten. Zum anderen gibt es ja nun immerhin das Angebot des Hauptsponsors über mehr als eine Million Euro - 1860 müsste es nur annehmen. Ob die Zustimmung Ismaiks hierfür nötig ist, ist angesichts des schwammigen Kooperationsvertrags juristisch sehr fraglich. Scharold strebte nicht nur wegen dieser gewissen Unklarheit, sondern vor allem aus Prinzip, eine zwischen den Gesellschaftern einvernehmliche Lösung an - ein mindestens ambitioniertes Ziel bei Sechzig. Wenn nicht gar eine Utopie.

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