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Dritte Liga:Der TSV 1860 braucht mal wieder Geld

TSV 1860 München - Westkurve im Grünwalder Stadion

Die 1860-Fans lieben es, doch es kostet: Das Grünwalder Stadion

(Foto: Tobias Hase/dpa)
  • 1860-Geschäftsführer Michael Scharold äußert sich zu den Vorwürfen des Präsidiums, beim TSV 1860 sei "die Haushaltsdisziplin verletzt" worden.
  • Auch das Grünwalder Stadion spielt eine Rolle beim im Drittliga-Vergleich so hohen Gesamtetat.

Mit dem Passiv ist es ja so eine Sache, wenn es verwendet wird, weiß jeder, was passiert ist, aber leider nicht, wer es getan hat. Unter dem Titel "Restrukturierung der Fußball-Tochter" hatte das Präsidium des TSV 1860 München um Robert Reisinger mitgeteilt, dass in der Planung der abgelaufenen Saison "aufgrund des hohen Erwartungsdrucks offenbar erneut die Haushaltsdisziplin der Gesellschaft verletzt wurde".

Günther Gorenzel, Sport-Geschäftsführer des Drittligisten, fühlte sich offenbar angesprochen, aus seiner Sicht aber zu Unrecht: "Der Sportlichen Leitung (...) die wirtschaftliche Verantwortung in die Schuhe zu schieben, entbehrt jeder rechtlichen und inhaltlichen Grundlage", sagte er der Abendzeitung. Er und Trainer Daniel Bierofka seien "in der Entscheidungsfindung bei Transfers immer abhängig von dritten Personen" gewesen. "Diese Leute haben uns erklärt, dass die wirtschaftliche Situation stabil wäre." Nun wiederum fühlte sich selbstverständlich sein für die Finanzen zuständiger Kollege Michael Scharold angesprochen - und lud für Donnerstagnachmittag zu einer Pressekonferenz, in der er die Zahlen in bemerkenswerter Genauigkeit präsentierte.

Das Budget für den Spielerkader sinkt demnach nicht, wie lange angenommen, von 4,5 Millionen Euro auf drei, sondern von 3,75 auf drei; dazu kommt knapp eine Million Euro für das Funktionsteam, also den Trainerstab und weitere Personen rund um die Mannschaft. In den Planungen sei zudem von Anfang an enthalten gewesen, dass der Kader in der ablaufenden Saison 3,75 Millionen, in der kommenden nur noch 3,25 Millionen kostet. "Alle Transfers sind unter diesen Bedingungen angesetzt worden", betonte Scharold.

Warum das Grünwalder Stadion so viel kostet

250 000 Euro, mit denen nicht zu rechnen war, fehlen hier nun, und auch an anderen Stellen im Klub musste gespart werden, weil der Geschäftsführer "zu ambitionierte Erlösplanungen im Sponsoring" hatte, wie er zugab - deutlich über eine halbe Million Euro fehlten am Ende. "Die Basis für Sponsorengespräche sind Planungssicherheit, Ruhe und ein gemeinsamer Weg", erklärte Scharold dazu - nichts davon war bei Sechzig in den vergangenen Monaten zu erkennen.

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Es muss nun noch ein Spieler gewinnbringend transferiert werden, um den 3,0-Millionen-Spieleretat zu erreichen, kein neuer kann verpflichtet werden. "Wir unternehmen jetzt den Versuch, Erlöse zu generieren, um bis zum Trainingsauftakt noch zwei Spieler zu verpflichten", sagte Scharold. Bierofka wünscht sich bekanntlich insbesondere Hilfe für die fast gänzlich verwaiste Innenverteidigung - und meint damit nicht den vorgeschlagenen Marco Raimondo-Metzger, der derzeit für 450 Euro in der Bayernliga-Mannschaft spielt.

Die Erhöhung der Hauptsponsor-Zahlungen wird dabei nicht helfen, sie ist im Budget ebenso schon eingerechnet wie die Erhöhung der Ticketpreise - ein Stehplatz kostet einen Euro mehr, Sitzplätze je nach Lage einen, zwei oder drei Euro mehr. Zudem gibt es keine Mitgliederrabatte mehr auf Dauerkarten. Das sei ein "extrem wichtiger Schritt" und bringe 400 000 Euro pro Jahr mehr, sagte Scharold.

Das Grünwalder Stadion spielte auch eine Rolle bei der Frage, weshalb Sechzig im Drittliga-Vergleich einen so hohen Gesamtetat von rund elf Millionen Euro hat, von dem so wenig für die Profis bleibt. Es generiert im Ligavergleich zwar sehr hohe Zuschauereinnahmen, kostet aber auch rund 1,5 Millionen Euro pro Saison, etwa für Ordner, Miete, Ticketing und insbesondere für das verpflichtende Kombiticket, das für den öffentlichen Nahverkehr gilt - eine Auflage der Stadt wegen des Mangels an Parkplätzen. Dazu zählte Scharold als größte Kostenblöcke auf: 700 000 Euro für den Nachwuchs, 600 000 Euro für die Infrastruktur am Vereinsgelände; 1,5 Millionen für das Marketing, also etwa Provisionszahlungen, LED-Banden und Vip-Betreuung; 2,2 Millionen Euro Verwaltungskosten, wovon 1,3 Millionen Euro auf Gehälter inklusive der beiden Geschäftsführer entfallen.

Dass er keinen Grund sieht, grundsätzlich gegen die Annahme von Mitteln von Investor Hasan Ismaik zu sein, betonte Scharold erneut; er verwies da auf seine Appelle, die er bereits im Winter gemacht hatte. So eine Überbrückungsfinanzierung, um irgendwie wieder in die gewinnträchtigere zweite Liga zu kommen, wäre reizvoll, Scharold betonte aber auch, es müsse "das Ziel einer Gesellschaft sein, zumindest ein ausgeglichenes Ergebnis zu haben". Das kann man bei 1860 schon mal dazusagen, denn: "Wir sind da ganz, ganz weit weg davon."

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