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1. FC Nürnberg:Berufsanfänger mit 20 Jahren Erfahrung

Dieter HECKING (Chef-Trainer 1. FC Nürnberg) Freisteller SC Freiburg vs. 1. FC Nürnberg, 1. Bundesliga, 7. Spieltag, Sa

Zurück in Nürnberg: Dieter Hecking, hier noch als Trainer in der Saison 2012/13. Nun arbeitet er als Sportvorstand.

(Foto: Eibner/imago)

Dieter Hecking nimmt seine Arbeit als Sportvorstand auf. Er muss schnell einen neuen Coach finden.

Von Sebastian Fischer

Die Rückkehr von Dieter Hecking nach Nürnberg begann mit einer Enttäuschung. "Ich bin schon stinksauer", sagte er, allerdings lächelnd, weil er das nicht ganz ernst meinte: Eigentlich habe er sich bei seinem Lieblingsitaliener in der Stadt zum Essen verabreden wollen, erzählte Hecking in seiner ersten Pressekonferenz als Sportvorstand beim 1. FC Nürnberg am Montagnachmittag. Aber das Restaurant hatte geschlossen. Und der Besitzer wollte auch für ihn nicht aufmachen. Es ist eben manches anders jetzt; auch anders als es vor acht Jahren war.

Hecking, 55, in den vergangenen 20 Jahren ein renommierter Fußballtrainer, zuletzt beim Hamburger SV und unter anderem von 2009 bis 2012 in der ersten Liga in Nürnberg, ist nun Manager beim Zweitligisten. Am Montagmittag gab der Club offiziell bekannt, was am Freitag schon festgestanden hatte: Dass Hecking die Nachfolge vom erst im vergangenen Jahr verpflichteten Robert Palikuca übernimmt, in dessen Verantwortung der Verein eine missratene Saison gespielt hatte, die nur dank eines Tors in der sechsten Minute der Nachspielzeit der Relegation nicht mit dem Abstieg in die dritte Liga geendet hatte. In der Mitteilung wies der FCN explizit darauf hin, dass es sich in Hecking nicht nur um einen ehemaligen Cheftrainer, sondern auch um einen "studierten Sportmanager" handele.

"Wir freuen uns, einen derart renommierten und hoch angesehenen Fußball-Fachmann wie Dieter Hecking für unseren Club gewonnen zu haben", ließ sich Aufsichtsratschef Thomas Grethlein zitieren, er hob auch am Nachmittag nochmals lobend einige Eigenschaften hervor, die dazu geführt hätten, dass die Wahl auf Hecking gefallen war: Er bringe Schwung und Strahlkraft, er habe eine klare Vorstellung davon, wie der Fußball in Zukunft aussehen soll. Und beide, Grethlein und Hecking, gingen, ohne den Namen zu nennen, auch darauf ein, dass in Benjamin Schmedes vom VfL Osnabrück ein weiterer Kandidat abgesagt hatte. Dass er Konkurrenz hatte, habe ihm gefallen, sagte Hecking.

Drei Jahre gilt sein Vertrag, er habe keine Ausstiegsklausel. Er werde sich nun mit oberster Priorität um einen neuen Cheftrainer kümmern: "Wir werden und müssen sicherlich zeitnah Entscheidungen treffen, gerade was die Trainerfrage angeht." Als Kandidaten gelten Dimitrios Grammozis (zuletzt bei Darmstadt 98) und Markus Weinzierl (früher Augsburg, Schalke und Stuttgart). Über sein Anforderungsprofil sprach Hecking allerdings nicht. Mit Marek Mintal, U21-Trainer, zuletzt Assistent von Interimschefcoach Michael Wiesinger und in den vergangenen Wochen ebenfalls gehandelt, werde er bald sprechen. Doch er lobte Mintals Arbeit bei der U21 so sehr, dass es in diesen Gesprächen kaum um die Cheftrainerstelle gehen dürfte.

Hecking sprach auch über die Suche nach einem Sportdirektor: Für die gebe es keinen Zeitdruck und vielleicht schon ein Talent unter den Mitarbeitern des Vereins, das dafür infrage käme. Er sprach über Fußball mit Leidenschaft, den er sich wünsche und über die als pessimistisch geltenden Franken, die er bei seiner ersten Station in Nürnberg als Menschen kennengelernt habe, die sie sich "eher ein bisschen kleiner machen" und "eher das Negative kommen sehen". Er sagte, dass er alles versuchen werde, damit der Verein künftig "positiv rüberkommt" - ohne dabei zu konkret zu werden: Er werde "den Teufel tun", sagte Hecking, "ein Ziel auszugeben. Dafür sind zu viele Unbekannte da." Und natürlich musste er dann auch darüber sprechen, dass zu diesen Unbekannten gewissermaßen auch er selbst gehört, jedenfalls in seiner neuen Rolle.

Nach seinem Aus beim HSV, mit dem er am letzten Spieltag den Aufstieg in die Bundesliga verpasst hatte, sei er noch davon ausgegangen, ein Trainer zu bleiben. Doch mit dem Szenario, irgendwann mal als Manager zu arbeiten, habe er sich schon länger beschäftigt. Es habe schon mal "Anfragen in die Richtung" gegeben, aber da habe es "noch nicht gepasst". Er werde die neue Aufgabe mit Demut angehen, viel werde er durch Erfahrung abdecken, aber ja: "Es gibt Themenfelder, in die ich mich reinfinden muss." Manches, sagte Hecking, müsse er sich erst mal anlesen.

Immerhin wird es, wenigstens zu Beginn, noch nicht so sehr auf betriebswirtschaftliche Feinheiten ankommen, wie man bei einem Verein vermuten könnte, der nun den dritten Trainer seit Sommer 2019 anstellen muss: "Wir stehen solide da", sagte Grethlein, die Saison 2019/20 werde finanziell gar mit einem positiven Ergebnis enden. In der Wahl eines neuen Restaurants für die anstehenden Gespräche dürfte Dieter Hecking also frei sein.

© SZ vom 28.07.2020

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