1. FC Nürnberg Freudenbeauftragter

„Ein bisschen knackiger“: Boris Schommers in seiner ersten Woche als verantwortlicher Bundesligatrainer in Nürnberg.

(Foto: Zink/imago)

Nürnbergs Interimstrainer Schommers debütiert gegen BVB - und hat bereits etwas verändert.

Von Sebastian Fischer

Er ahnte wohl, dass die Frage kommen würde, aber so richtig schlüssig beantworten konnte er sie erst mal nicht. Thomas Grethlein, der Aufsichtsratsvorsitzende des 1. FC Nürnberg, hatte lang und breit erklärt, warum es für die Entscheider beim Club keine andere Möglichkeit gegeben hatte, außer Sportvorstand Andreas Bornemann und Trainer Michael Köllner nach dem 0:2 gegen Hannover 96, dem 15. sieglosen Spiel in Serie, zu beurlauben. Es gehe um einen "Impuls", um das Wahren einer "minimalen Chance" des Tabellenletzten auf den Verbleib in der Bundesliga. Deshalb, sagte Grethlein in der außerplanmäßig einberufenen Pressekonferenz am vergangenen Dienstag, würde fortan Köllners bisheriger Assistenztrainer Boris Schommers als Interimstrainer arbeiten. Doch als dann jemand wissen wollte, wie das denn funktionieren solle, neue Impulse von einem loyalen Co-Trainer, da sagte Grethlein: "In der Tat wird Herr Schommers nicht gänzlich anders trainieren."

Er führte dann folgende Argumente für den Neuen an: "Er ist vom Typus her etwas anders." Und: "Er war nicht mit allen Entscheidungen von ihm" - Köllner - "völlig einverstanden." Das war ja schon mal was.

Doch anders, als es angesichts der eher unerfreulichen sportlichen Lage des 1. FC Nürnberg denkbar wäre, wurden am Trainingsgelände am Valznerweiher in den vergangenen Tagen vor dem Spiel gegen Tabellenführer Borussia Dortmund an diesem Montag durchaus fröhliche Botschaften vernommen. Und das hatte vordergründig mit dem Trainer zu tun. "Was soll es Schöneres geben?", fragte Schommers etwa, angesichts seines Debüts gegen den BVB im ausverkauften Frankenstadion. "Intensität, Freude, Leidenschaft", das wolle er den Spielern vermitteln. Und tatsächlich: Nürnbergs Kapitän Hanno Behrens sagte im Kicker, er habe bereits Unterschiede registriert, wenn auch kleine: "Michael Köllner hat schon immer viel geredet, das war jedem bewusst. Das ist jetzt einen Tick weniger. Boris macht das ein bisschen knackiger."

Debüt im ausverkauftem Stadion? "Was soll es Schöneres geben?"

Schommers, 40, ist seit 2017 in Nürnberg - und schon die Geschichte seiner Anstellung erzählt etwas über den gebürtigen Leverkusener. Er hatte sich als Nachwuchskoordinator und Trainer für die zweite Mannschaft beim Club beworben. Doch nach seinem Vorstellungsgespräch bei Michael Köllner wurde er gleich befördert. Dem damaligen Cheftrainer sollen Schommers Ideen so gut gefallen haben, dass er ihn sofort an seiner Seite haben wollte. So lautet jedenfalls die Version, die Schommers in Köln hinterließ.

Dort, beim FC, hatte seine Trainerlaufbahn Jahre zuvor als Assistenzcoach im Nachwuchsbereich begonnen. Im Oktober 2010 übernahm er die U17 vom früheren Bundesligaprofi Dirk Lottner, im Sommer 2011 war er bereits deutscher B-Junioren-Meister. 2013 beförderte ihn der damalige Kölner Nachwuchsleiter Frank Schaefer zum Trainer der A-Junioren. "Dass er weiß, was er will, war absehbar", sagt Schaefer, heute Nachwuchsleiter bei Fortuna Düsseldorf. Wenn er Schommers beschreiben soll, nennt er Eigenschaften wie Souveränität, Tiefgang und Anspruch. Und über das Spiel am Montag sagt Schaefer: "Er wird nicht den Anschein erwecken, dass er das zum ersten Mal macht."

Wie lange es Schommers wirklich macht, als Cheftrainer gemeinsam mit dem früheren Club-Stürmer Marek Mintal, der ihm als Assistent zur Seite gestellt wurde, die Profis anzuleiten, das hängt nicht nur von ihm ab. Der Aufsichtsrat sucht in diesen Tagen einen neuen Sportvorstand, der in Eigenverantwortung einen neuen Trainer suchen wird. Die Tendenz geht eher dahin, dass es noch etwas dauert, bis ein Kandidat gefunden ist. Namen wie der des früheren Abwehrspielers Per Nilsson oder Olaf Rebbe, der zuletzt für Huddersfield und davor in Wolfsburg arbeitete, machen in Nürnberg die Runde.

Schommers wird das zunächst nicht kümmern, er hat andere Sorgen. Die Verteidiger Georg Margreitter und Kevin Goden fehlen verletzt, Angreifer Virgil Misidjan ist bei seiner schwangeren Frau. Und trotzdem will Schommers "nicht nur reagieren". Was ihn zuversichtlich stimmt? "Wir glauben, dass etwas mehr Freude zurückgekommen ist."