USA: Sicherheit im Flugverkehr 95-Jährige muss bei Flughafenkontrolle Windeln ausziehen

Ergibt sich ein Verdacht, wird auf US-Flughäfen schärfer kontrolliert: So sind die Bestimmungen - auch wenn Passagiere 95 Jahre alt sind, im Rollstuhl sitzen und eine Erwachsenenwindel tragen müssen.

Von Daniela Dau

US-Sicherheitsbediensteten gehen die Anweisungen ihrer Transportation Security Administration (TSA) offenbar über alles - auch bei Inlandsflügen und auf Regionalflughäfen. Vergangenes Wochenende auf einem kleinen Flughafen im Nordwesten Floridas: Auf einen Verdacht hin unterzogen TSA-Beamte eine betagte Passagierin einer intensiven Körperuntersuchung. Die 95-Jährige musste dafür sogar ihre Inkontinenzwindel ablegen.

Seit Jahren leidet die alte Dame an Leukämie. Nach dem Flug in ihre Heimat Michigan wollte sie das letzte Stadium ihrer Krankheit im Kreise ihrer Familie durchleben. Aufgrund ihres schlechten Gesundheitszustandes wurde sie in einem Rollstuhl zur Sicherheitskontrolle gefahren.

Besondere Kontrollen für Passagiere in Rollstühlen

Nach den Bestimmungen der TSA werden Passagiere in Rollstühlen in gesonderten Bereichen kontrolliert, da Rollstühle nicht durch Metalldetektor-Schleusen passen. Teil des aufwändigeren Prozedere sind eine Leibesvisitation und die Kontrolle von Einzelteilen des Rollstuhls auf Sprengstoffspuren. Die alte Damen wurde also am ganzen Körper abgetastet. "Ein Beamter erklärte mir, dass sie im Bereich ihrer Beine etwas Verdächtiges gefühlt hätten, aber nicht genau wüssten, was es sei", berichtete die mitreisende Tochter im amerikanischen Fernsehsender CNN. Sie sei aufgefordert worden, mit ihrer Mutter eine Toilette aufzusuchen, damit sie dort für weitere Untersuchungen ihre Windelunterhose ablegen könne. Gefunden wurde nichts.

Mit knapper Not erreichte die 95-Jährige nach der 45-minütigen Sicherheitskontrolle ihr Flugzeug - ohne ihre Tochter, die sich nach Protesten selbst einer aufwändigeren Kontrolle unterziehen musste und es nicht mehr rechtzeitig zum Gate geschafft hatte. Und ohne ihre Erwachsenenwindel. Für den kurzen Inlandsflug hatten Mutter und Tochter kein Ersatzexemplar eingepackt.

Nachdem US-Blogger den Vorfall, der sich bereits am 18. Juni ereignete, verbreitet hatten, sah sich die TSA angesichts einer Vielzahl empörter Reaktionen zu einem Statement gezwungen. Ihre Sicherheitsbeamten würden Passagiere mit verdächtigen Anzeichen "auf respektvolle und feinfühlige Art" kontrollieren, heißt es in der im Fernsehsender Fox News veröffentlichten Erklärung. Im vorliegenden Fall hätten sich die Bediensteten "professionell und den Bestimmungen gemäß" verhalten.