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Tirol:Kontrast-Mittel

Kühn, kühl, keineswegs klotzig

Kemater Almen-Rausch: die Gästehütte

(Foto: Foto: Werner Krajnc / Kemater Alm)

Der Kontrast könnte nicht größer sein. Von der Almhütte (inklusive Kälte-resistenten Mücken) ins Design-Hotel (mückenlos). "The Penz". Mitten in Innsbruck. Von Dominique Perrault entworfen, in die Rathausgalerien integriert, groß und luftig-transparent geformt trotz des vielen Glases und dunklen Holzes, steht es seit nunmehr zwei Jahren da. Kühn, kühl, keineswegs klotzig. Dem Vernehmen nach gut frequentiert.

Jung-Chef und Mit-Inhaber August Penz sieht ein bisschen aus wie Nicolas Cage, aber er redet tirolerisch. In der grandios bestückten Bar in der obersten Etage und leider nicht im Dachgarten (der Regen ist uns von der Alm bis hierher gefolgt) erzählt er ein wenig von der Geschichte der Nobel-Herberge.

Ganz besonders stolz ist er auf die umfängliche Sammlung ausgefallener Malz-Whisk(e)ys. Diese werden - oh Freude! - in eigens für dieses Getränk konzipierten, mundgeblasenen Gläsern von Riedel kredenzt. In obligatorischer Begleitung eines weiteren Glases mit frischem Leitungswasser. Perfekt.

Bewegungskultur jenseits von Bergwandern

Und dann ein gnadenloser Angriff. Plötzlich und völlig unerwartet und entsprechend heimtückisch. Beim Tanzsommer Innsbruck. Die brasilianische Companhia de Danca um Choreographin und Chefin Deborah Colker zeigt, nein: wirft uns in ihr Stück "4 Por 4". Eine einzige wilde Attacke auf die Sinne: geschmeidige, schwerelose Leiber, Ballett und Ausdruckstanz bis zur Atem beraubenden Akrobatik. Hämmernde elektronische Musik, vielschichtig, mal flirrend, mal metallisch, jetzt zart fließend, dann hämmerndes Stakkato. Zur Abwechslung spielt die Chefin Mozart auf dem Flügel. Das Auge kommt keine Sekunde zur Ruhe, das Ohr auch nicht, die Hormone fahren Karussell ob all der flirrenden Erotik auf dem Parkett.

Josef Resch, Initiator des Tanzsommers und Geschäftsführer, ist erfreut über den wuchtigen Eindruck dieses komplexen Ausdrucks im Tanz. Zum nächsten Jahr (das elfte für den Tanzsommer) verspricht er noch mehr Abwechslung für das Festival der Bewegungskultur jenseits von Bergwandern.

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