Strandgeschichten VI: Oregon:Sturm macht glücklich

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Was sind das nur für Leute, die an den Strand gehen, um sich stundenlang hinzulegen? Der rauhe Gold Beach in Oregon birgt ganz andere Freuden.

Cathrin Kahlweit

Zum Glück für Menschen mit Bewegungsdrang gibt es auch Strände, an denen man nicht liegen muss, ja nicht einmal so recht liegen kann. Was sind das auch für Leute, die an einen Strand gehen, um stundenlang herumzuliegen? Das Badetuch ist voller Sand, überall riecht es nach Sonnenöl und Fußschweiß. Nach einer halben Stunde wird beim Lesen in Rückenlage der Arm lahm. Die Folgen exzessiven Strandliegens sind Sonnenbrände und Hautkrebs.

Strand Strandgeschichten Oregon, visitusa

Am Gold Beach in Oregon

(Foto: Foto:visitusa)

Gold Beach in Oregon hingegen ist so wild und stürmisch, dass sich jeder Aufenthalt im Zustand des Sitzens oder Lagerns meist verbietet. Der Sturm zieht an den Ohren und den Haaren, er zerrt an der Hose und der Jacke, er peitscht ins Gesicht und, wenn man ihm zu entkommen sucht, drückt er in der Stärke eines auffahrenden Lastwagens gegen den Rücken.

Sturm macht glücklich, das wissen paralysierte Strandlieger nicht; er vermittelt für kurze Zeit das Gefühl von wildem, rohem Leben, das in klimatisierten Autos und durchgestylten Büros, bei Dosenfraß und Internetsex oft verlorengeht.

Gold Beach ist das südliche Ende der ginstergelben, rhododendronroten, steingrauen, von Seelöwen bewohnten, für Menschen teils unzugänglichen Pazifikküste Oregons. Hinter dem meist regengrauen, manchmal frühlingszarten Horizont liegen im tausendekilometerweiten Bogen China, Japan und Sibirien, vorn im Blickfeld stapelt sich auf dem endlos langen Sandstreifen zerborstenes Treibholz in bizarren Bergen.

Felsen wie Zähne, wie Zinnen, wie Hünengräber stehen im Wasser, dazwischen geht, wenn man Glück hat, golden die Sonne unter.

Gold Beach selbst, wo der Gold River auf den Ozean trifft, ist ein unansehnliches Kaff mit ein paar Motels, Tankstellen und Supermärkten. Aber der Strand - der stürmische, unbegehbare, vor allem unbeliegbare Strand - der ist wie ein Stück vom Mond auf der Erde: fremd, schön und endlos weit weg von den Menschen.

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