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Steilküsten-Abbrüche auf Rügen:Es bleibt gefährlich

Noch wird in Rügen nach dem Mädchen gesucht, das am zweiten Weihnachtsfeiertag am Kap Arkona verschüttet worden war. Das Unglück war kein Einzelfall: Starker Regen bringt auf Rügen immer wieder Teile der Steilküste ins Rutschen. Was Besucher nun wissen müssen.

Auf der Ostsee-Insel Rügen ist am zweiten Weihnachtsfeiertag die zehnjährige Katharina aus dem Norden Brandenburgs verschüttet worden. Sie ging mit Mutter und Schwester an dem schmalen Strand am Kap Arkona spazieren, als ein Teil des knapp 40 Meter hohen Kliffs abbrach und die Erdmassen die Familie erfassten. Das 14-jährige Mädchen und die Mutter wurden ins Wasser gedrückt und überlebten. Wegen Hochwassers und weil noch weitere Teile des Hangs abzurutschen drohen, muss die Suche nach der Leiche der Zehnjährigen immer wieder unterbrochen werden und wird wohl erst in der zweiten Wochenhälfte fortgesetzt.

Suche nach verschüttetem Mädchen auf Rügen eingestellt

Der Wanderweg zur Unglückstelle unter dem Steilufer von Kap Arkona ist von der Polizei abgesperrt.

(Foto: dpa)

Am Unglücksort am Kap Arkona hatte es nach Aussagen der Behörden seit rund 100 Jahren keinen Abbruch gegeben. Das Areal ist weiträumig abgesperrt und soll es zunächst bleiben. Auch die als Museum genutzte alten Nebelstation am Kap Arkona ist für Besucher geschlossen: Das Gebäude unterhalb der Leuchttürme steht nur wenige Meter von der Abbruchkante entfernt. "Bevor das Gutachten zur Situation am Hang nicht vorliegt, wird die Station nicht wieder geöffnet", betonte Putgartens Bürgermeister Ernst Heinemann.

Das Unglück war kein Einzelfall. Im Jahr 2005 war eine Frau auf der Halbinsel Mönchgut bei einem Küstenabbruch verschüttet worden; drei Jahre zuvor ein zwölfjähriger Junge beim Klettern an einem Steilufer nahe Grabow im Inselsüden.

Was müssen Besucher der Steilküsten auf Deutschlands größter Insel nun wissen? Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Könnten derzeit weitere Teile der Steilküste abrutschen?

Wegen des anhaltenden Regens ist die Gefahr neuer Abbrüche hoch. Strandbesucher müssen deshalb besonders vorsichtig sein, sagte der Leiter des Nationalparkes Jasmund auf Rügen, Ingolf Stodian. Mit zusätzlichen größeren Warnschildern an den Treppen, die das Steilufer hinabführen, wolle man die Rügen-Besucher deutlicher auf die Gefahren hinweisen. Der Geologe warnte aber auch vor Hysterie. "Anfang 2011 hatten wir durch den vielen Schnee deutlich mehr Abbrüche." Durch den Unfall vor einer Woche bei Kap Arkona, bei dem die Zehnjährige verschüttet wurde, seien die Menschen derzeit besonders sensibilisiert.

Wann kann man völlig unbesorgt unter den Klippen spazieren?

"An solchen Steilufern ist es immer gefährlich", meint Stodian. So brauche sich nur ein vier bis fünf Zentimeter großer Stein aus einer Kreidewand zu lösen. "Wir haben aber auch jedes Frühjahr bis zu 20 Abbrüche mit Bäumen, da ist noch nie etwas passiert", erläuterte der Geologe. Das Landesamt für Umwelt, Naturschutz und Geologie in Mecklenburg-Vorpommern ruft dazu auf, unbedingt Warnschilder zu beachten und vor allem bei schmalen Strandabschnitten mit steilen oder überhängenden Kliffs vorsichtig zu sein, Abstand zur Wand zu halten - oder den Strand gar nicht erst zu betreten. Auch oberhalb dieser Abschnitte dürfen nur die gekennzeichneten Wege benutzt werden, um nicht von der bröckelnden Kante zu stürzen.

Warum sind die berühmten Klippen von Rügen so instabil?

Nach Untersuchungen des Güstrower Landesamtes für Umwelt, Naturschutz und Geologie verfügt Rügen als einzige deutsche Ostseeinsel über verschiedene gepresste Erdlagen - darunter auch lockeres Gestein. Diese geraten bei bestimmten Wetterbedingungen ins Rutschen. Wellen unterhöhlen das Kliff und destabilisieren es so zusätzlich. Für die besonders gefährdete Region der Halbinsel Jasmund rings um Sassnitz - bekannt durch die Kreidefelsen an der Stubbenkammer - hat das Landesamt eine spezielle Gefahrenkarte erarbeitet ( Die Gefahrenhinweiskarte Jasmund finden Sie hier). Auf Rügen müsse man immer den Hang im Auge haben: "Das ist wie im Schneegebiet."