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Souvenirhändler in Ägypten:Ruin in Ruinen

Tourist Souvenirhändler Luxor Ägypten

Touristen bleiben aus und die ägyptische Revolution ist bei den Souvenirhändlern angekommen.

(Foto: AP/dpa)

In Luxor streiken Souvenirhändler und Fremdenführer, weil sie die hohen Abgaben nicht mehr bezahlen können. Die wichtigsten Touristenattraktionen des Landes sind blockiert. Die ägyptische Revolution hat das Tal der Könige erreicht.

Wer einen Ägyptenurlaub bucht, muss sich über die Ausflugsziele keine tieferen Gedanken machen. Die Gizeh-Pyramiden, die Sphinx, der Luxor-Tempel, das Tal der Könige mit dem Grab von Pharao Tutenchamun, Assuan, Abu Simbel - es gibt mehr als genug zu sehen.

Die Liste der Ruinen lässt sich, wenn gewünscht, sogar in einer Nonstop-Tour abhaken, solang man nicht unterwegs im Mahlstrom aus Papyrus-Verkäufern, Kamelführern und Postkartenkindern verschwindet. Nur in Luxor haben die Reisenden neuerdings Probleme mit dem Vorankommen. Die Basarhändler streiken, blockieren die Zufahrtsstraßen zu den Tempeln und Grabstätten der Pharaonen: Die ägyptische Revolution hat Luxor erreicht.

Die Stadt ist eine der zentralen Touristenattraktionen Ägyptens. Mittendrin liegt der Karnak-Tempel; am gegenüberliegenden Westufer, auf der anderen Seite des träge durch Palmenhaine und Felder fließenden Nils, warten das Tal der Könige, der Stufentempel der Königin Hatschepsut, das Grabräuberdorf Gurna und die Memnon-Kolosse auf Besucher. Im Reiseführer steht, Luxor sei "das größte Freilichtmuseum der Erde", ein in der Landschaft aufgeschlagenes Geschichtsbuch.

Gleichzeitig ist die Stadt Großbetrieb der Tourismusindustrie. Der modernisierte Basar, die fliegenden Händler, die Alabastershops entlang der Straßen - wer hier Geld verdienen oder sich und seine Familie auch nur über Wasser halten will, bedient sich der pharaonischen Ruinen und der sie das ganze Jahr über besichtigenden Reisenden. Ein Arbeitskampf der Basarhändler und Touristenführer ist daher fast das Schlimmste, was einer solchen Stadt passieren kann.

Die kleinen Geschäftsleute machen eine aus ihrer Sicht überzeugende Rechnung auf: Seit der Revolution vom Februar 2011 bleiben die ausländischen Gäste aus. Die Ladeninhaber müssen dem Staat aber weiter Gebühren für ihre Shops zahlen. Das Ministerium für örtliche Entwicklung, das Ministerium für Altertümer - alle wollen Geld. So um die 50 Euro pro Monat umgerechnet. Das ist eine Menge in Ägypten, zumal in der Provinz. Einige Geschäfte sollen bereits geschlossen worden sein, weil die Besitzer zahlungsunfähig waren oder zahlungsunwillig.

Alle Kompromissangebote der Behörden für eine Reduzierung der Abgaben sind vorerst ausgeschlagen worden. Bakri Abdel Gelil, Chef der Basarhändler von Luxor, die sich zu einem Syndikat zusammengeschlossen haben, zeigt für die Zwangsabgaben wenig Verständnis: "Wir wollen von den Gebühren komplett befreit werden, weil unser Geschäft seit der Revolution stark leidet."

Gelitten hat Luxor schon früher. 1997 stürmten Terroristen der Al-Gamaa al-Islamija in den Tempel der Königin Hatschepsut. Islamisten schlachteten unter den Säulen 62 Touristen ab, bevor Händler und Reiseführer die Militanten niederprügeln und Dutzenden anderen Ausländern das Leben retten konnten, die für den Schutz der Anlage verantwortlichen Polizisten hatten sich versteckt. Der jüngste Schlag war der Absturz eines Heißluftballons erst vor wenigen Tagen. Der Ballon geriet in 300 Metern Höhe in Brand und stürzte zu Boden, 18 Touristen starben. Danach wurden viele Fragen gestellt nach den Sicherheitsstandards in einem Land, das vom Tourismus lebt und dessen Behörden sich offenkundige Schlampereien wie bei der Wartung des Unglückballons nicht leisten können. "Nach dem Absturz des Ballons gingen die Besucherzahlen zurück", zitiert eine Zeitung einen Vertreter der lokalen Tourismusfirmen. "Die Schließung der Sehenswürdigkeiten auf der Westseite macht alles noch schlimmer. Reiseagenturen drohen jetzt, uns zu verklagen."

Um der Forderung nach Gebührenerlass Nachdruck zu verleihen, hat Basar-Wortführer Gelil weitere Straßensperren angekündigt, vor dem Karnak-Tempel mit seiner Sound-and-Light-Show, einem Touristenspektakel mit saftigen Eintrittspreisen. Und weil man schon dabei war, hat man die Kollegen in Abu Simbel alarmiert. Der Sonnentempel mit den gigantischen Ramses-Figuren am Portal ist zwar einige Hundert Kilometer weit entfernt, der Besuch erfolgt aber oft im Reisepaket. Auch am Ramses-Tempel soll nun gestreikt werden. Für Touristen wird Ägypten dadurch nicht unbedingt attraktiver.