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Reisebücher:Mit Huhn auf Tour

Der französische Abenteurer Guirec Soudée ist mit seinem Huhn.

Der französische Abenteurer Guirec Soudée ist mit seinem Huhn sogar bis in die Arktis gesegelt. Unterwegs bekam die Henne Monique zur Abwechslung auch mal kleine Tintenfische zu fressen.

(Foto: Guirec Soudée/Delius Klasing Verlag)

Der Hund im Van, die Katze auf dem Motorrad, die Henne auf dem Boot: Ungewöhnliche Reiseberichte von Menschen, die ihre Tiere nicht zu Hause lassen wollten.

Von Stefan Fischer

Bereits vor der Corona-Pandemie war in der Südsee die Furcht vor einer Seuche so groß, dass Monique nicht in Französisch-Polynesien einreisen durfte. Hätte es doch sein können, dass Monique die Vogelgrippe einschleppt. Was jedoch sehr unwahrscheinlich war: Monique war zuvor wochenlang auf See, ohne Landgang und Kontakt zu anderen Vögeln. Die einzigen Tiere, die dem Huhn nahegekommen sind, waren fliegende Fische sowie Tintenfische, die an Bord des Segelbootes Yvinec gelandet sind beziehungsweise gespült worden waren. Monique, das Huhn, schnappte sie sich mit Geschick und Gier. Eine Abwechslung zum Körnerfutter, das sie von ihrem Kapitän Guirec Soudée bekommen hat.

Die Geschichte des Bretonen und des Vogels ist das außergewöhnlichste Abenteuer unter all den Reiseberichten, die zuletzt erschienen sind über Menschen, die gemeinsam mit einem Tier die Welt erkundet haben: Martin Klauka hat seine Katze Mogli in den Tankrucksack seines Motorrads gepackt und ist mit ihr über Osteuropa und Iran bis Dubai und später von dort weiter über Pakistan und Indien bis nach Nepal gefahren. Lisa Leschhorn und Silvio Schatz sind gemeinsam mit ihrer Hündin Freya aufgebrochen nach Kanada, wo sie letztlich für immer bleiben wollen. Lotta Lubkoll wiederum ist von Oberbayern bis an die Adria gelaufen, mit ihrem Esel Jonny. Ihr Buch "Wandern, Glück und lange Ohren" wird im März erscheinen. Guirec Soudée hat gleich zwei Bücher veröffentlicht: einen Reisebericht und einen Bildband.

Am gewöhnlichsten ist natürlich ein Hund als Begleiter. Aber das erklärt nicht, warum "Vier Pfoten und ein Van" einen nie überrascht bei der Lektüre. Es dauert lang, bis die Reise beginnt, erwartbare Unannehmlichkeiten werden von Lisa Leschhorn zu mittleren Tragödien aufgebläht. Die Fotos von Silvio Schatz wiederum kennen im Grunde nur drei Motive: den Hund, seine Freundin und den Van. Zwar begegnen die beiden vielen Menschen, erzählen aber kaum etwas über sie. Dafür erfährt man, in welchen Waschsalons das Wlan am besten ist, um sich möglichst viele Filme herunterladen zu können während des Wartens auf die Wäsche. Merkwürdige Prioritäten.

Auch Martin Klauka schreibt in "Einmal mit der Katze um die halbe Welt" seine Erlebnisse akribisch fort, Tag für Tag. Beileibe nicht alles davon ist wissenswert, manche Tage hätte er besser übersprungen. Aber weil er offen ist und neugierig, geht es in dem Buch dann doch viel um Begegnungen und Erfahrungen, die ihrerseits die Neugier seines Publikums anstacheln.

Der reflektierteste und gewitzteste Autor ist zweifellos Guirec Soudée. Der mit seinem Huhn unter anderem in der Arktis überwintert hat und dem Tier womöglich verdankt, nicht wahnsinnig geworden zu sein in der Einsamkeit. Beide Bücher, "Seefahrt mit Huhn" und "Segeln mit Huhn", leben von der Skurrilität. Speziell aber das erstgenannte, der Reisebericht, weist weit darüber hinaus, ist demütig der Welt gegenüber und also lebensklug.

Martin Klauka: Einmal mit der Katze um die halbe Welt. Meine unglaublichen Erlebnisse mit Mogli. Gräfe und Unzer Verlag, München 2020. 272 Seiten, 19,99 Euro.

Lisa Leschhorn, Silvio Schatz: Vier Pfoten und ein Van. Freya, Freiheit, Abenteuer - Ein Hund wandert aus. Bruckmann Verlag, München 2020. 192 Seiten, 19,99 Euro.

Guirec Soudée: Seefahrt mit Huhn. Monique und ich und unsere ungewöhnliche Weltreise. Aus dem Französischen von Barbara Neeb und Katharina Schmidt. Malik Verlag, München 2020. 316 Seiten, 18 Euro.

Guirec Soudée: Segeln mit Huhn. Guirec & Monique und ihre verrückte Reise um die Welt. Aus dem Französischen von Jutta Orth. Delius Klasing Verlag, Bielefeld 2o21. 208 Seiten, 29,90 Euro.

© SZ
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