Reisepioniere Lewis und Clark Im Auftrag des Präsidenten

Lewis und Clark an der Mündung des Columbia, hinter ihnen der Fallensteller Charbonneau mit der jungen Schoschonenfrau Sacajawea.

(Foto: Quelle: Library of Congress)

Meriwether Lewis und William Clark sollten eine Route von der Ostküste bis zum Pazifik erkunden - und wurden so zu Wegbereitern der USA, wie wir sie heute kennen. Eine Indianerin spielte auf der Reise eine tragische Rolle.

Von Katja Schnitzler

"Ozean in Sicht! Oh, diese Freude!" Das schrieb William Clark am 7. November 1805 beim Anblick des Pazifik. Schließlich waren er, sein Partner Meriwether Lewis und seine Expeditionstruppe, die aus 30 Männern, einer Frau und einem Baby bestand, 18 Monate unterwegs gewesen, bis sie ihr Ziel erreichten. Es waren anstrengende Monate - und abenteuerliche. Lewis und Clark waren die ersten Weißen, die nach einem Weg vom Osten der USA in den Westen gesucht hatten und diesen in Karten festhielten. Der Auftrag dazu kam von höchster Stelle: Präsident Thomas Jefferson.

Serie Reisepioniere

In loser Folge stellen wir Ihnen hier denkwürdige Weltenbummler vor.

Anfang des 19. Jahrhunderts waren die Vereinigten Staaten von Amerika nur ein Bereich östlich des Mississippi. Gerade erst hatte Präsident Jefferson beim Louisiana-Landkauf von den Franzosen ein riesiges Gebiet westlich des Flusses erworben. Doch er wollte mehr. Das große Ziel: Die Vereinigten Staaten sollten bald vom Atlantik bis hin zum Pazifik reichen. Dass dies heute tatsächlich so ist und der "Wilde Westen" nicht zu einer britischen oder spanischen Kolonie wurde, dazu trug die Expedition von Lewis und Clark wesentlich bei.

Mit ihren geographischen Entdeckungen sollten die Ansprüche der USA auf das Indianerland gefestigt werden, in das bisher nur einzelne Trapper vorgedrungen waren. Also schickte Präsident Jefferson seinen früheren Privatsekretär Meriwether Lewis los, um den mächtigen Fluss Missouri bis zu seiner Quelle zu erforschen, einen Weg über die Rocky Mountains zu finden und dann dem Columbia-Fluss bis zum Pazifik zu folgen.

Meriwether Lewis (1774-1809, links) und William Clark (1770-1838)

(Foto: oh)

Weil der Weg voller - bekannter und womöglich noch unbekannter - Gefahren war, sollte Lewis die Armee-Truppe nicht allein leiten: Wäre ihm etwas zugestoßen, hätte dies auch das Aus für die Expedition bedeutet. Also reiste William Clark als zweite Führungspersönlichkeit mit - wie Lewis war er aus Virginia. Der praktisch veranlagte Clark hatte nicht nur militärische Erfahrung, sondern war bereits an der Grenze zur Wildnis unterwegs gewesen - er und der Denker Lewis ergänzten sich nicht nur, sie verstanden sich auch gut.

Die Vorsichtsmaßnahme zahlte sich aus, denn schon schlechtes Wetter konnte die Expeditionsteilnehmer in Lebensgefahr bringen:

"Letzte Nacht regnete es ohne Unterlass, so dass wir keine Ruhe fanden und unsere durchnässten Schlafstätten früh verließen, um weiter unserer Route den Fluss entlang zu folgen. Es regnete weiter, der Wind blies stark aus Nordost, es war kalt und der Boden des Steilufers äußerst rutschig - als würden wir über Eis laufen. (...) Ich hörte einen Schrei hinter mir: 'Großer Gott, Captain, was soll ich tun?' Es war Windsor, der ausgerutscht war und sich gerade noch mit einem Arm und einem Fuß halten konnte, aber nur mühsam. Ich sah, in welcher Gefahr er schwebte, und seine Angst vergrößerte meine Sorge noch: Seine Kräfte würden jeden Moment nachlassen und er abstürzen. Trotzdem gab ich ihm möglichst ruhig die Anweisung, langsam sein Messer zu ziehen und damit eine Kerbe ins Steilufer zu scharren, in der sein Fuß Halt fand. Auf allen vieren konnte er aus der Gefahrenzone kriechen." Captain Lewis, 7. Juni 1805

Begleitet wurde die "Lewis-und-Clark-Expedition" von Männern, die vor allem gut jagen konnten, einem Mann, der die Zeichensprache der Indianer beherrschte, sowie von einem Fallensteller und seiner jungen Indianerfrau Sacajawea.

Diese war 16 Jahre alt und hatte gerade mal acht Wochen zuvor ihr erstes Baby zur Welt gebracht, das sie mit auf die gefährliche Reise nahm. Die junge Schoschonen-Frau, die als Kind von einem feindlichen Indianerstamm entführt worden und an den Fallensteller verkauft worden war, erwies sich als Glücksfall für die Expedition. Nicht nur, weil sie mutig und umsichtig war, weitaus mehr als ihr bisweilen vor Angst gelähmter Mann. Spätestens als er seine Frau geschlagen hatte, büßte er jeden Rest der sowieso geringen Wertschätzung von Lewis und Clark ein, während Sacajawea stetig in ihrer Gunst stieg: Sie kannte sich nicht nur mit essbaren Wurzeln und Heilkräutern aus, sondern ersparte den Entdeckern auch einige Gefechte.

Der damalige US-Präsident Bill Clinton applaudiert 2001, als Rose Anne Abrahamson (links) und Amy Mossett eine Urkunde entgegen nehmen, die Sacajawea ob ihrer Verdienste zum Armeesergeant ehrenhalber ernennt.

(Foto: Reuters)

Denn sobald die Truppe auf Indianer traf, fürchteten diese einen Angriff - bis sie Sacajawea erblickten. Weil Frauen nie mit auf den Kriegspfad gingen, mussten diese fremden Weißen friedliche Absichten haben. Clark und Lewis rauchten viele Friedenspfeifen in dieser Zeit, beschenkten die Stämme mit kleinen Präsenten und versorgten Kranke medizinisch. So erwarben sie das Vertrauen der Einheimischen; auch mit dem Versprechen, für Frieden unter den verfeindeten Stämmen zu sorgen.

"Wir trafen auf viele Chinooks, unter ihnen die beiden Häuptlinge Comcommoly und Chillarlawil. Wir schenken ihnen Münzen und einem eine Flagge. Einer der Indianer hatte ein Gewand aus Flussotter, dessen Pelz schöner war als jeder, den ich zuvor gesehen hatte. Wir beide, Captain Lewis und ich, versuchten das Gewand gegen etliche Gegenstände einzutauschen. Nach langen Verhandlungen erhielten wir es im Tausch für den Gürtel aus blauen Perlen, den die Squaw unseres Übersetzers Charbonneau um die Hüfte trug." Captain Clark, 20. November 1805

Obwohl die Indianer den Entdeckern meist freundlich gesonnen waren, blieb die Reise anstrengend und gefährlich: Die Männer litten unter Krankheiten und ständig nasser Kleidung. Die größte Plage waren aber Stechmücken, die unabhörlich piesackten. Die großen Kanus, mit denen der Trupp einen Großteil des Weges zurücklegte, drohten immer wieder zu kentern.

Ein Mitglied der Lewis-Clark-Expedition rettet sich vor einem angeschossenen Bären auf einen Baum; aus dem Journal of Voyages von Peter Gass, 1811.

(Foto: Getty Images)

Die Jäger wurden von Klapperschlangen und Büffeln angegriffen. An einem Tag schoss Lewis einen Grizzlybären an, tötete ihn aber nicht. Während seiner Flucht vor dem verletzten Tier schaffte es Lewis nach hundert Metern endlich, sein Gewehr nachzuladen und das Tier zu erlegen.

Und dann waren da noch die Rocky Mountains.

Die Forscher wussten schon aus Berichten von Trappern, dass ihnen diese Berge dort draußen im Weg stehen würden. Was sie nicht wussten: Wie groß und schier unüberwindbar die Rockies wirklich sind.