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Reise ins All:Astronaut für drei Stunden

Wer mit dem Milliardär Richard Branson ins All fliegen will, muss 200.000 Dollar bezahlen - und bekommt dafür einige Minuten Schwerelosigkeit und die Finsternis des Alls. Mehr als 400 "Virgin Galactic"-Tickets sind angeblich schon verkauft.

Christopher Schrader

Von 200.000 Dollar kann man in den USA zwei Jahre sehr gut leben. Oder sich ein Ferienhaus in Florida kaufen. Oder neun armen amerikanischen Familien das Jahreseinkommen verdoppeln. Oder ins All fliegen, jedenfalls an dessen Rand.

Richard Branson Celebrates Virgin Money's Australia Birthday

Ein Mann, tausend Träume: Der schwerreiche Unternehmer Richard Branson (rechts) will künftig auch in einer Flughöhe von mehr als 100 Kilometern Geld verdienen. 430 "Virgin Galactic"-Tickets haber er schon verkauft, sagte er nun bei CNN.

(Foto: Getty Images)

Richard Branson würde vermutlich für die letzte dieser Optionen votieren, schließlich bietet er solche Flüge an. Der Gründer des Musiklabels Virgin Records und der Fluglinie Virgin Atlantic diversifiziert seine Geschäfte wieder einmal mit der Firma Virgin Galactic. In einem Jahr, kündigte der Unternehmer jetzt im US-Sender CNN an, werden zum ersten Mal zahlende Gäste in den Weltraum fliegen, 430 Karten zu 200.000 Dollar (etwa 146.000 Euro) habe er schon verkauft.

Man darf vermuten, dass sich Käufer, die so viel Geld übrig haben, weder mit einem Ferienhaus für 200.000 Dollar begnügen noch mit dieser Summe zwei Jahre auskommen würden. Was die Hilfe für die Armen angeht - hier sind reiche Amerikaner oft erstaunlich großherzig.

Die Flüge mit Virgin Galactic werden vermutlich gut drei Stunden dauern. Die sechs Passagiere steigen in ein Raumschiff des Typs SpaceShipTwo. Es hängt zwischen den Rümpfen eines Spezialflugzeugs, welches das Raumschiff zunächst mit konventioneller Triebwerktechnik auf eine Höhe von 15 Kilometer bringt. Dort wird das Gefährt mit den Passagieren ausgeklinkt und schaltet den Raketenmotor an. Es klettert steil auf 110 Kilometer, was die Passagiere definitionsgemäß zu Astronauten macht: Der Weltraum beginnt in einer Höhe von 100 Kilometern über dem Meer.

Oben erleben die Passagiere einige Minuten Schwerelosigkeit und dürfen durch die Kabine schweben. Sie sehen die Finsternis des All über sich und die Krümmung der leuchtend blauen Kugel unter sich. Wenn alle wieder sitzen, fällt das Raumschiff zurück zur Erde; es klappt seine Stummelflügel hoch, um ähnlich wie ein Federball in einer Spirale zu sinken. Dieser Flug soll der Höhepunkt eines insgesamt dreitägigen Aufenthalts im sogenannten Spaceport USA in New Mexico werden.

Vor dem Start ins All reisen die zahlenden Gäste schon in einem der Rümpfe des Transportflugzeugs mit, der die gleiche Inneneinrichtung hat wie das Raumschiff und durch scharfe Flugmanöver immerhin einige Sekunden Schwerelosigkeit erzeugt.

Das Konzept, für die Reise an die Grenze des Weltraums zwei Fluggeräte zu verwenden, übernimmt Virgin Galactic von den Gewinnern eines prestigeträchtigen Preises, des sogenannten X-Prize. Im Herbst 2004 hatte die vom Flugpionier Bert Rutan gegründete Firma Scaled Composites zehn Millionen Dollar gewonnen, weil sie das erste private, wiederverwendbare Raumschiff gebaut und geflogen hatte. Die Fluggeräte von Bransons Virgin Galactic sind vergrößerte Versionen der prämierten Maschinen.

Die private Raumfahrt wird mit Bransons Angebot zu einem echten Wirtschaftszweig. Während der Brite von Hotels in der Umlaufbahn träumt, bauen ehemalige Internet-Größen Raketen, um Satelliten zu starten und Aufträge der Nasa annehmen zu können. Am weitesten ist hier die Firma SpaceX des Paypal-Gründers Elon Musk. Sie hat bereits zweimal erfolgreich ihre Rakete Falcon 9 von Cape Canaveral aus gestartet.

© SZ vom 16.09.2011
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