Mythos Hawaiihemd:"Götter brachten den Menschen Blumen"

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Ihre Motive und Muster basieren auf traditionellen Darstellungen von Blüten und Pflanzen; für Mamo Howell ist ein Hawaiihemd etwas, auf dem man ein Stück Naturgeschichte studieren kann. Ein ovales Muster mit feinen Spitzen? Symbolisiert die Frucht des Brotbaums. Ein rotes mit gewundenen Enden? Eine Hibiskusblüte. Und das hier? Ylang-Ylang.

Hawaii Hemd

Hawaii-Hemden der günstigeren Kategorie warten auf Käufer.

(Foto: iStockphoto)

Es gab eine Zeit, da konnte jeder auf den Inseln diese Motive erkennen. Aber heute werden diese Dinge nicht mehr an den Schulen gelehrt, und in den Familien sind sie auch nicht mehr wichtig. Die hawaiianische Sprache habe man vor etlichen Jahren mit großem Aufwand vor dem Aussterben bewahrt, abstrakte Muster aber hätten keine Lobby. "In zehn oder 20 Jahren ist das Wissen vollends verloren. Meine Generation hat abends im Garten von den Großeltern erzählt bekommen, wie die Götter den Menschen die Blumen brachten."

Wie die Blumen auf diese Inseln mitten in den Wasserweiten des Pazifiks gelangten, ist wissenschaftlich detailliert geklärt - wer aber wann genau das erste Hawaiihemd geschneidert hat: Das weiß man selbst im Museum nicht. Das Bishop Museum am Stadtrand von Honolulu ist das schönste des Archipels und der bedeutendste Hort der hawaiianischen Kultur. Wer etwas über die Ursprünge des Hawaiihemdes wissen möchte, braucht hier nur einen regnerischen Nachmittag verbringen.

Dann erfährt er, dass das Hawaiihemd ein Produkt ist, an dem die unterschiedlichsten Einwanderergruppen mitgewirkt haben. Die abstrakten Blüten- und Blumenmuster stammen vom tahitianischen Pareo, einer Art Südsee-Sarong, die Schnitte von den Arbeitshemden chinesischer Plantagenarbeiter, die Berg-, Wasserfall- und Kirschblüten-Motive von japanischen Kimonos. Doch, das stimmt schon: Das Hawaiihemd ist tatsächlich Ausdruck des insularen Miteinanders, auf das die hawaiianische Identität beruht und auf das man hier stolz ist.

Irgendwer brachte dann die eine Kleidungskultur mit der anderen zusammen. Um 1930 muss das gewesen sein, bald danach jedenfalls konnten Urlauber Hawaiihemden bei ihrer Ankunft ordern und vor dem Rückflug abholen. Die goldene Ära der Shirts aber war die Zeit ab Ende der vierziger Jahre.

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