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Länderkunde Aserbaidschan:Ein Land, ein Herrscher, eine U-Bahn

Die Gewinner des Eurovision Song Contest stammen aus Aserbaidschan. Was hat es eigentlich mit dem kleinen Land im Kaukasus auf sich? Ein Porträt über einen Staat im Erdölwahn, Korruptionssumpf und Berti-Vogts-Fieber.

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A man harvests salt in a lake northwest of Baku

Quelle: REUTERS

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Die Gewinner des Eurovision Song Contest stammen aus Aserbaidschan. Was hat es eigentlich mit dem kleinen Land im Kaukasus auf sich? Ein Porträt über einen Staat im Erdölwahn, Korruptionssumpf und Berti-Vogts-Fieber.

Das Land

Aserbaidschan liegt am Kaspischen Meer. Das Land grenzt im Norden an Russland und Georgien, im Westen an Armenien und im Süden an Iran. Zudem hat es eine Enklave, die an die Türkei anschließt. Mit 86.600 Quadratkilometern ist Aserbaidschan etwas größer als Österreich. Das Land hat 9,1 Millionen Einwohner, die meisten sind Muslime. Amtssprache ist die Turksprache Aserbaidschanisch, das auch knapp 25 Prozent der Einwohner im Iran sprechen. In der Grammatik unterscheidet sich Aserbaidschanisch kaum vom Türkischen, der Wortschatz ist jedoch unterschiedlich.

Ilham Aliyev

Quelle: AP

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Die Macht der Familie Alijew

Die Familie Alijew hat Aserbaidschan fest im Griff: Staatspräsident Heydar Alijew leitete von 1993 an einen Prozess der Machtkonsolidierung ein, nach seinem Tod setzte sein Nachfolger und Sohn Ilham Alijew (Foto) diesen Kurs fort. Aserbaidschan ist geprägt von Korruption: In der Statistik von Transparency International belegt das Land Platz 138 von 178. Das Parlament, die Parteien, Justiz und Medien können nur begrenzt als Korrektiv agieren, da sie wenig Selbstständigkeit haben. Die Medien beispielsweise sind nicht unabhängig, es werden immer wieder Journalisten unter merkwürdigen Umständen verhaftet. 2009 wurde in einem Verfassungsreferendum dem Präsidenten einen lebenslange Amtszeit ermöglicht. Internationale Beobachter haben Wahlen in dem Land immer wieder als unfair und undemokratisch eingestuft. Von nicht wenigen wird Aserbaidschan wegen der Macht des Präsidenten "Heydarstan" genannt.

To match feature ARMENIA-AZERBAIJAN/KARABAKH

Quelle: REUTERS

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Konflikt mit Armenien

Seit fast 100 Jahren befindet sich Aserbaidschan in einem Konflikt mit Armenien. Es geht um den Bergkarabach - ein mehrheitlich von Armeniern bewohntes Gebiet, das allerdings zur Aserbaidschanischen Sowjetrepublik gehörte. Nach dem Ende der Sowjetunion eskalierte der Konflikt, die Region forderte die Unabhängigkeit. Es hat  43.000 Todesopfer gegeben, 900.000 Aserbaidschaner und 300.000 Armenier sind vertrieben worden oder geflüchtet. Inzwischen herrscht offiziell Waffenruhe, Vermittlungsversuche der Vereinten Nationen scheiterten bislang.  

Arbeiter auf einem Ölfeld in Aserbaidschan, 1998

Quelle: DPA

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Der Erdöl-Boom

Die Wirtschaft in Aserbaidschan ist in den vergangenen Jahren schnell gewachsen - was vor allem am Erdöl liegt. Die Erdöl- und Erdgasindustrie ist der wichtigste Wirtschaftszweig des Landes, 2008 erwirtschaftete sie 52,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Allerdings sind noch immer fast 40 Prozent der Bevölkerung in der Landwirtschaft beschäftigt. Viele Aserbaidschaner leben unter der Armutsgrenze, der Durchschnittslohn beträgt 292 Euro pro Monat. Deswegen ziehen vor allem junge Männer nach Russland, fast zwei Millionen Aserbaidschaner sollen sich in anderen GUS-Ländern aufhalten.  

Baku will 'Dubai am Kaspischen Meer' werden

Quelle: dpa

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Die Hauptstadt mit U-Bahn

Die Hauptstadt von Aserbaidschan heißt Baku. Dort leben zwei Millionen Einwohner - also fast jeder vierte Aserbaidschaner. Die Altstadt, die Unesco-Welterbe ist, ist sehenswert: Dort sind zahlreiche Paläste, Moscheen und Festungsbauten erhalten geblieben. In der Hauptstadt gibt es die einzigen beiden U-Bahnlinien des Landes - mit 21 Stationen auf einer Gesamtlänge von 32,1 Kilometern. Berlin hat 172 U-Bahnhöfe auf 145 Kilometern.  

Azerbaijan Frau

Quelle: REUTERS

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Kultur

Bekannt ist Aserbaidschan für seine Volkstänze in traditionellen Folkloregewändern. Die Kreis- und Gruppentänzen erzählen vom Stolz des Volkes, vom Erwachen des Frühlings oder von der Leidenschaft und Liebe. Die aserbaidschanische Küche ist stark von der türkischen beeinflusst. Beliebt ist beispielsweise Piti, ein Hammelfleischeintopf mit Kichererbsen, oder Dovga, eine Suppe aus Joghurt, Spinat und Knoblauch.

Vogts soll neuer Nationaltrainer in Aserbaidschan werden

Quelle: dpa

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Berühmte Aserbaidschaner

Nach ihrem Sieg beim Grand Prix sind Ell & Nikki die wohl bekanntesten Aserbaidschaner. Denn auf Listen mit berühmten Einwohnern ist den meisten Westlern kein Name vertraut. Ein bekannter Deutscher arbeitet jedoch in Aserbaidschan: Berti Vogts trainiert seit 2008 die aserbaidschanische Nationalmannschaft. Sein Vertrag wurde bis 2012 verlängert, weil sein Team für aserbaidschanische Verhältnisse erfolgreiche Resultate erzielte.

© sueddeutsche.de/Lisa Sonnabend/lala
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