Individualreisen in China Hilfsbereit gegenüber Wildfremden

Eloi ist jetzt schon unterwegs, ganz allein. Der 22-jährige Student aus Barcelona stand Anfang dieses Monats auf einer Landstraße von Lanzhou nach Longnan, "in the middle of nowhere" also, wie die internationale Bruderschaft der Rucksacktouristen das gerne nennt. Nehmen chinesische Autofahrer Anhalter mit? Eloi hatte keine Ahnung. Aber ausprobieren wollte er es schon.

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Zuerst hielt niemand an. Dann kam ein Polizist, der ihn zum Busbahnhof fahren wollte. Eloi konnte ein paar Brocken Chinesisch und machte ihm mit einiger Mühe klar, dass er lieber trampen wollte, einfach so, gar nicht mal aus Geldmangel. "Da schaltete der Polizist sein Blaulicht ein, hielt mit der Kelle einen Autofahrer nach dem anderen an, bis wir einen gefunden hatten, der mich mitnahm", sagt Eloi.

Beispiele für die Hilfsbereitschaft der Chinesen, für die Wärme, mit der sie wildfremden Ausländern begegnen, ziehen sich wie ein roter Faden durch fast alle Gespräche mit Chinareisenden.

Zum Beispiel mit Darrel Eikenberry aus Camden, USA, 60 Jahre alt. Er reiste mit dem Bus nach China ein, aus Alma-Ata in Kasachstan über abenteuerliche Straßen bis nach Urumqi in der chinesischen Nordwestprovinz Xinjiang. Im Bus lernte er zwei junge Chinesen kennen, die nur ein paar Worte Englisch konnten, "vielleicht Bruder und Schwester, genau weiß ich es nicht".

Als Darrel in Urumqi ein Ticket für den Überlandbus nach Peking kaufen wollte, hatte er nicht genug Geld in der Tasche. 1006 Yuan, umgerechnet 116Euro, sollte die Reise kosten. "Bevor ich auch nur wusste, was geschah, hatten meine neuen Freunde das Ticket für mich bezahlt, einfach so", erzählt Darrel. "Vielleicht täusche ich mich, aber ich glaube einfach nicht, dass so etwas bei uns daheim in den USA passieren könnte."

Vor knapp 30 Jahren, als China dank der "Reform- und Öffnungspolitik" des inzwischen verstorbenen Altpolitikers Deng Xiaoping seine Grenzen nicht nur für Croissants aus Paris, für Models und Modeschauen und Volkswagenwerke aus Wolfsburg, sondern auch für oft bärtige und kauzige Rucksacktouristen aus aller Welt zu öffnen begann, da waren Reisen mit dem Überlandbus noch meist die einzige Option.