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Freeriden extrem in Chamonix:Es wird steil

Bei den Gelände-Abfahrten über spaltige Gletscher im französischen Chamonix werden auch harte Jungs kleinlaut.

Bloß nicht auf die Piste! Keine Sekunde zu lang fahren auf dem Gebügelten! Stattdessen mit den Skiern lieber sofort rein ins Unverspurte, Butterweiche. Herrlich. Und alles ohne Angst: Der Ortskundige fährt ja vor. Man muss da jetzt rein, hinter ihm her, muss ihm an den Hacken kleben. Sonst kann es gefährlich werden hier oben, 2300 Meter oberhalb von Chamonix, wo einem die dicken Granitklötze ringsum Respekt einflößen. Kaum ein anderer Ort in den Alpen steht so für das Freeriden, also das Fahren abseits der Piste.

(Foto: Foto: Alexander Rochau)

Allein mit dem Bergführer kommt man in diese Hänge fern des blaurotschwarz geregelten Pistenbetriebs. Nur Lebensmüde fahren hier ohne ortskundigen Führer abseits der Pisten. In unserem Fall heißt er Patrick Jost und kommt gar nicht aus Chamonix, sondern aus Hindelang im Allgäu, ist ein drahtiges, pfiffiges Kerlchen, das kernige Sprüche auf Lager hat und noch mit ein paar anderen, verblüffenden Fähigkeiten ausgestattet ist.

Plan A: Mit der Gondel rauf zur Aiguille de Midi, auf 3842 Meter, mit Skiern auf dem Buckel den berüchtigten Grat entlang zum Einstieg ins Valle Blanche und dann zwanzig Kilometer Abfahrt über das Mer de Glace. Was für ein Erlebnis.

Nur - es wird nichts daraus. Das Wetter passt einfach nicht, und gerade in den Westalpen sollte man bei der Routenwahl nicht das Wetter übergehen.

Also Plan B: Eine Runde zum Warmwerden, wie Patrick sagt, ein paar Kilometer weiter in Argentière. Die Aufwärmtour beginnt am Ende einer sehr langen, sehr vereisten Alu-Treppe unterhalb der Grand-Montets-Gondel auf 3275 Metern, bei Windgeschwindigkeiten, die einem fast die Mütze vom Kopf zerren, bei einer Sicht, die diesen Namen nicht verdient.

Ab und zu geben Nebelfetzen den Blick frei auf den Gegenhang, wo ameisengleich eine Skitourengeher-Karawane auf der Haute Route unterwegs ist. Bergauf, mit Fellen. Dagegen sind wir faule Gondelfahrer.

Die erste Abfahrt führt durch die Combe du Cordier, die Schlucht der Seiler. Es geht runter zum Argentière-Gletscher. "Eine spaltige Angelegenheit", sagt Patrick, "ihr müsst kurz warten." Mit seinem Bergführerkollegen seilt er sich an und sondiert den Hang.

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