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Expedition in die Arktis:Ein Tier, das die Passagiere in Aufregung versetzt

Eisbär

Auf Robben haben es auch die Eisbären abgesehen.

(Foto: Andreas Remien)

Auch am Tag gibt es Überraschungen. Die Tundralandschaft mit ihren Heidekrautarten, Moorpflanzen, Gräsern und Zwergsträuchern ist mindestens so farbenfroh wie die Häuser von Ittoqqortoormiit. Von den weißen Schneefeldern plätschert das Eiswasser entlang der rot, lila und gelb blühenden Blumen und grünen Moose in den Sund mit seinen türkis leuchtenden Eisschollen. Kein Wunder, dass sich hier auch Moschusochsen, Hasen und Polarfüchse wohlfühlen - auch wenn sie schnell das Weite suchen, sobald die ersten Passagiere das Land betreten.

Nach dem Abstecher in den Scoresby Sund geht es für die Fram dann doch weiter in den Norden. Auf der Fahrt entlang der grönländischen Küste ist es gar nicht so einfach, zur Ruhe zu kommen. Man könnte zwar stundenlang einfach nur die schneebedeckten Berge, Eisschollen und den Himmel in seinen ständig wechselnden, sanften Farben bewundern, dabei in der Panoramalounge einen Kaffee trinken, eine Waffel essen oder einfach vollständig in einen kontemplativen Zustand versinken. Immer wieder aber taucht - im wahrsten Sinne - ein Tier in der grönländischen See auf, das die Passagiere in Aufregung versetzt.

Blumenkohlsuppe und tote Robbe

Dazu gehört in der Arktis natürlich das Wappentier Grönlands, der Eisbär. Das Raubtier ist immer präsent, auch wenn es nicht da ist. Bei jeder Anlandung muss das mit Gewehren ausgerüstete Expeditionsteam das Areal absichern. Das erste Exemplar taucht während der Fahrt entlang der Küste auf, stellt für die Passagiere also keine Gefahr da. Mehr Pech hatte da schon die Robbe, die der Bär auf der blutverschmierten Eisscholle gerade vertilgt, als sich die Fram nähert. Bei der zweiten Begegnung sind es die Passagiere, die gerade essen, wenn auch keine Robbe, sondern Blumenkohlsuppe.

Als an den Backbord-Fenstern des Bordrestaurants plötzlich eine Scholle mit einer Eisbärmutter und ihrem Jungem auftaucht, gibt es kein Halten mehr: Die Hälfte der Passagiere lässt die Löffel fallen und stürmt hinaus. Auch als verschiedene Wale auftauchen, eilen die Gäste zu den großzügigen Aussichtsdecks der Fram.

"Eine Reise in die Arktis ist auch heute ein Abenteuer"

Mit jeder Seemeile Richtung Norden wird es kälter, das Wasser auf den Geländern gefriert zu einer Eisschicht. Die Fram geht auf Kurs Nordost, um ihr letztes Ziel, Spitzbergen, anzusteuern. Doch das ist gar nicht so einfach, denn das Eis wird immer dichter. Immer wieder erschüttert ein kleiner Donner das Schiff, wenn die Seitenpropeller Schollen wegschieben. Die Fram ist dank "Eisklasse 1B" und ihrer Wendigkeit zwar bestens für die Arktis gerüstet, aber kein Eisbrecher. Immer wieder muss das Schiff daher umkehren und sich einen neuen Weg suchen. "Man legt sich besser nicht mit dem Eis an", sagt Kapitän Ole Johan Andreassen.

Reiseinformationen

Die Fahrt mit der Fram beginnt in Reykjavik und führt über den Nordwesten Islands an die ostgrönländische Küste. Welche Orte dort angesteuert werden können, hängt stark vom Eis ab. Ziel der Fahrt ist Longyearbyen auf Spitzbergen. Die Reise wird auch in umgekehrter Richtung angeboten. Preis: ab 7551 Euro.

Neben den jungen und flachen Schollen, die das Schiff mühelos brechen oder wegschieben kann, treiben auch alte, sehr harte Brocken in der grönländischen See. Die Navigation ist Schwerstarbeit, denn die Eiskarten sind veraltet, und die Satellitenaufnahmen wegen des Nebels nicht zu gebrauchen. Man bekommt eine Ahnung davon, welche Herausforderungen die ersten Entdecker meistern mussten. "Eine Reise in die Arktis ist auch heute ein Abenteuer", sagt Expeditionsleiter Tomasz. Die Fahrt hinaus auch.

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