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England:Königlicher Märchengarten

Der Wisley Garden bei London verzaubert nicht nur Hobbygärtner: In Scharen strömen Besucher zu der weitläufigen Anlage der Royal Horticultural Society, um englische Gartenkultur in Reinform zu erleben.

Besucher, die Wisley Garden wieder verlassen, haben nicht selten einen verzückten Gesichtsausdruck und eine Menge zu schleppen: Manche kommen mit mannshohen Stauden unter dem Arm aus dem Tor vor dem parkähnlichem Gelände, manche mit Kartons voller Blumen.

Wisley Garden

Grüne Idylle: der Wisley Garden bei London

(Foto: Foto: dpa)

Gartenfreunde, die komplett die Kontrolle verloren haben, schieben Einkaufswagen voller Grünzeug zum Parkplatz. Wobei Grünzeug wohl etwas despektierlich wäre: Wisley Garden ist schließlich nicht irgendeine Anlage und der dazugehörige Shop kein Gartencenter. Hier in Woking in der südenglischen Grafschaft Surrey unweit von London, bekommen Hobbygärtner - und nicht nur britische - leuchtende Augen.

Der Garten gehört der Royal Horticultural Society (RHS), der Königlichen Garten-Gesellschaft. Diese traditionsreiche Organisation, die in diesem Jahr ihr 200-jähriges Bestehen feiert, hat sich zur Aufgabe gemacht, die englische Gartenkultur zu stets neuer Blüte zu treiben. Inzwischen zählt sie rund 300.000 Mitglieder.

Zwischen Waldland und Wildgarten

In Woking findet sich nur eine ihrer Gartenanlagen, allerdings die größte und nach den Worten von Wisley-Chef Jim Gardiner "eine der großartigsten der Welt". Schließlich gebe es das gesamte Spektrum von Rabatten im großen Stil bis zu wunderschönem Waldland und einem herrlichen Wildgarten, so der Kurator von Wisley Garden.

Die Gartenanlage erinnert auf den ersten Blick an einen riesigen Park: Gleich zu Anfang erstrecken sich weitläufige Wasserbecken, deren wichtigste Bestimmung zu sein scheint, den Seerosen genügend Raum zur Entfaltung zu bieten. Eine Gärtnerin in grüner Gummihose ist eben zu ihnen hineingestiegen und sammelt nun mit einem kleinen Kescher vorsichtig Laub von der Wasseroberfläche ab.

Solch liebevolle Fürsorge für die Pflanzenwelt ist überall zu beobachten - bis hin zu Gärtnern, die mit überraschend kleinen Scheren einige Bodendecker beschneiden. Kein Wunder, dass die Besucher in Scharen nach Woking kommen: "Das sind inzwischen 700.000 jedes Jahr", sagt Bernard Boardman, Leiter des "Floral Ornamental Departments" und nur einer der rund 50 Gärtner, die in Wisley Garden arbeiten.

Boardman - mit Strohhut, langem grauen Rauschebart und Cargo-Pants samt vielen Extra-Taschen - gehört seit 15 Jahren zu ihnen und schwärmt ebenfalls von der Vielseitigkeit des Gartens: "Es gibt Gemüsegärten, Schauhäuser mit Pflanzen aus den Alpen und so viele Rosensorten, dass ich nicht weiß, wieviele genau."

Ein Kräutergarten mit Eisenhut, Johanniskraut, Thymian, Rosmarin und Oregano setzt noch einmal ganz andere Akzente. Auch die Obstgärten machen einiges her: "Wir haben allein rund 500 verschiedene Äpfelsorten", erzählt Boardman.

Das Gelände wurde der Society bereits 1903 von Sir Thomas Hanbury, einem spendablen Gartenfreund, gestiftet. Sir Thomas hatte allerdings auch ein Faible für das Handfeste und verlangte, dass in Wisley Garden die hohe Kunst des Gartenbaus wissenschaftlich erforscht werden sollte.

Weltweit größte Sammlung an Gartenliteratur

Das hat sich als großes Glück herausgestellt: Viele der Besucher mögen vor allem entzückt an den Rosenblüten schnuppern oder unter riesigen Pinien und Eichen picknicken. Eingefleischte Gartenfans aber reisen an, weil Wisley ein Zentrum des Wissens ist, vielleicht sogar das Zentrum schlechthin: Die Bibliothek birgt die größte Gartenliteratur-Sammlung der Welt.

Im Hauptgebäude der Gartenanlage befindet sich außerdem ein Ausbildungszentrum, die "School of Horticulture", wo selbst langjährige Gartenfreaks immer noch etwas dazulernen können.

Informationen: Die neue Broschüre "Die Gärten Großbritanniens" kann kostenlos angefordert werden bei VisitBritain, Hackescher Markt 1, 10178 Berlin (Tel.: 01801 / 46 86 42 zum Ortstarif, Fax: 030 / 31 57 19 10).

© dpa
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