Tourismus und Terror (Bali)

Bei aller Liebe zum einheimischen Essen verspürt man auf Reisen manchmal große Lust auf gewohnte kulinarische Genüsse. Vor 30 Jahren war in Ubud auf der indonesischen Insel Bali dafür eine gute Adresse: der Warung von Oka Wati - gleich neben dem Palast des Ortes.

Die ersten Hippies, die nach Bali kamen, liebten Oka Watis Reispudding. Sie hatten ihr sogar beigebracht, wie man Obstsalat und Pancakes zubereitet. Ein Renner war auch die Schokolade, die sie aus der Hauptstadt Denpasar mitbrachte.

Einige Jahre später erzählte sie uns stolz, dass ihr Mann ein Hotel auf einem ehemaligen Reisfeld auf dem Weg zum Monkey Forest gebaut hatte. Bei jedem unserer folgenden Besuche war an dem Hotel wieder etwas an- und umgebaut worden. Einige neue Zimmer erhielten geschnitzte Himmelbetten und eine Freiluftdusche mit kleinem Wasserfall.

Nach dem Bombenanschlag auf eine Diskothek in Kuta im Oktober 2002, bei dem mehr als 200 Menschen starben, war plötzlich alles vorbei. Die Urlauber blieben aus - für eine Insel, die vom Tourismus lebt, eine Katastrophe. Viele Angestellte mussten zu ihren Familien in die Dörfer zurückkehren. Oka Wati und ihre Familie sind geblieben. Manchmal, wenn wir bei ihr zu Besuch sind, feiern wir große Feste im balinesischen Stil.

Früher war alles schöner: Was ist mit Ihren Sehnsuchtsorten passiert?

Foto: istock

(Texte: Stefan Loose/Renate Loose/sonn)

Der Stefan-Loose-Verlag feiert in diesem Jahr sein 30-jähriges Jubiläum. Als Stefan Loose im Jahr 1975 in Vietnam hängenblieb, entstand die Idee, einen Südostasien-Ratgeber zu schreiben. 1978 erschien der Reiseführer, gleich danach ging Stefan Loose mit seiner späteren Frau Renate wieder auf Reisen - diesmal nach Borneo. Seitdem war das Ehepaar Loose jedes Jahr unterwegs, vor allem in Asien.

3. April 2008, 14:222008-04-03 14:22:00 © s.de