Poste restante statt E-Mails (Singapur)

Auf langen Reisen waren Postämter immer ersehnte Zwischenstationen, denn dort warteten poste restante. In Regalfächern lagerten alphabetisch sortiert die Briefe mit Neuigkeiten von daheim. Doch nicht alle Postämter auf der Welt waren zuverlässig. Manchmal waren die Briefe falsch oder gar nicht einsortiert oder sie reisten im Drei-Wochen-Abstand hinterher.

Als eine der zuverlässigsten Adressen galt in den siebziger und achtziger Jahren das Hauptpostamt in Singapur im Fullerton Building, einem britischen Kolonialgebäude mit repräsentativen Säulen. Auf vielen Reisen haben wir dort unsere Post abgeholt, um sie bei einem Glas Tee an den kleinen Essensständen am Fluss nach Priorität sortiert langsam und genüsslich zu lesen - wissend, dass die Neuigkeiten, die aus einer anderen Welt zu kommen schienen, mindestens drei Wochen alt waren. Im Zeitalter des Internets und billiger Telefonanbieter verstauben die Postfächer.

In Singapur hat man das ehemalige Hauptpostamt edel saniert und zu einem Luxushotel umgebaut. Wenn wir wieder nach Singapur kommen, könnten wir im "The Fullerton" in einer Nacht so viel ausgeben wie die gesamte Reise damals bei unserem ersten Besuch in dem Gebäude gekostet hat.

Früher war alles schöner: Was ist mit Ihren Sehnsuchtsorten passiert?

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3. April 2008, 14:222008-04-03 14:22:00 © s.de