Bahnhof des Jahres:Das Klo macht's

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Öffentliche Toiletten sind in der Regel schmuddelig und alles andere als gemütliche Orte zum Verweilen. Doch bei der Bedürfnisanstalt des Bahnhofs des Jahres geriet eine Jury nun regelrecht ins Schwärmen.

"Mosaikverziert", die Form "herrlich rund" und "ebenso schön wie sauber" - es waren äußerst blumige Komplimente, mit denen die entzückte Jury nach einer langwierigen Untersuchung den Gewinner bedachte. Man habe sich eben von der "steingewordenen Lebensfreude" des Wiener Architekten anstecken lassen, hieß es zur Begründung. Was die Herren so in Wallung brachte? Ein Bahnhofsklo.

Bahnhofsklo Uelzen; ddp

"Ebenso schön wie sauber": Das Bahnhofsklo in Uelzen hat die Jury überzeugt. Der Entwurf dazu stammt von Hundertwasser.

(Foto: Foto: ddp)

Natürlich nicht irgendein Klo, sondern eine ziemlich farbenfrohe, künstlerische und noch dazu saubere Bedürfnisanstalt, die kein Geringerer als Friedensreich Hundertwasser gestaltet hat. Nicht zuletzt dank dieser Toilettenanstalt ist Uelzen nun neben Erfurt von der Allianz pro Schiene zum Bahnhof des Jahres 2009 gekürt worden.

In der Kategorie Großstadtbahnhof fiel die Wahl auf den gerade rundum erneuerten Erfurter Hauptbahnhof, der nach den Worten der Jury sofort als lebendiger Treffpunkt im Herzen der Stadt angenommen worden sei. Nach jahrelanger Modernisierung, "die den Erfurtern von 2002 bis 2008 einiges abverlangt hat, zeigt der uralt-neue Bahnhof jetzt ein historisch modernes Doppelgesicht", schrieb die Allianz.

Gelobt wurde die wilhelminische Fassade, die von einer meisterlichen Glaskonstruktion überwölbt wird, durch die wiederum helles Tageslicht in den Bahnhof einflutet. Einen Sonderpreis für das ansprechende Gesamtbild all ihrer Stationen und Bahnhöfe bekam die Usedomer Bäderbahn für die elf Bahnhöfe und 17 Haltepunkte ihres Streckennetzes.

Uelzen siegte in der Kategorie Kleinstadtbahnhof. Die dortige Station genieße seit ihrer Erneuerung "Kultstatus" wegen der außergewöhnlichen architektonischen Gestaltung. Die Umgestaltung im Zuge eines Expo-Projektes hat insgesamt 10,1 Millionen Euro gekostet.

Dennoch muss das Bahnhofsklo in Uelzen im Vergleich zum Vorbild als bescheiden gelten. Auch in Kawakawa im Norden Neuseelands pinkeln die Besucher nämlich im typischen Hundertwasser-Ambiente: Es gibt unebene Kachelböden, krumme Wände, Fenster aus Flaschenbäuchen, verspielte bunte Säulen und ein Grasdach. Der Bau ist ein Geschenk des Architekten an seine Wahlheimat - und inzwischen ein Touristenmagnet.

Die Bedürfnisanstalt in Uelzen wirkt dagegen fast lieblos - aber das schien die fünfköpfige Jury nicht zu stören. Schließlich gibt es nicht gerade viele schöne Bahnhofstoiletten in Deutschland, auf denen die Vertreter von Pro Bahn, dem Deutschen Bahnkundenverband, dem Verkehrsclub Deutschland, dem Autoclub Europa und der Allianz pro Schiene notgedrungen viel Zeit verbringen mussten.

Mit dem Wettbewerb "Bahnhof des Jahres" prämieren sie seit 2004 jährlich den besten deutschen Großstadt- und Kleinstadtbahnhof. Im vergangenen Jahr siegten Karlsruhe und Schwerin. Wie die dortigen Bahnhofstoiletten bewertet wurden, ist indes nicht überliefert.

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