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Auf den Spuren der Maya:Das Opfer des Königs

Kan-Xul weiß, dass er zu jeder Zeremonie, ob Kalenderfeier oder Pyramiden-Richtfest, einen Blutzoll zu entrichten hat, um die Götter gnädig zu stimmen. Ohne dieses Opfer wird die Welt untergehen. Diesmal muss er den Sonnengott der Unterwelt, einen der vielen Kriegsgötter, für sich gewinnen.

Kan-Xul bereitet einen Feldzug gegen ein benachbartes Fürstentum vor. Oft musste der König zuletzt Kriege führen: Im Maya-Reich tobt ein erbitterter Verteilungskampf um die immer knapper werdenden Ressourcen. Die Bevölkerung wächst so schnell, dass die Bauern den Hunger der Massen nicht mehr stillen können.

Der Jasminduft wird immer berauschender, noch ein Stoß in die Muscheltrompete. Aus allen Richtungen strömen die Einwohner zusammen, um einen guten Platz vor dem Palast zu bekommen. Die Mitglieder des Hochadels schreiten nach oben auf eine Terrasse des Palastes, wo Kan-Xul mit seinen Priestern wartet.

Die Adligen tragen ihre Festgewänder: Lendenschurze und Röcke aus Baumwolle mit eingewebten Mustern, Umhänge mit den langen, grünen Schwanzfedern des Quetzal-Vogels, Schmuck aus Jadeperlen und Muscheln. Turbane halten die hochgesteckten Haare zusammen. Sie überreichen den Schamanen Schalen mit kostbaren Korallen, Algen und Schwämmen. Das Blutopfer wird diesen Gaben Leben verleihen.

Ein Schamane in Trance

Ein Schamane versetzt sich in Trance. Hofzwerge führen ihm ein Klistier ein. Aus dem Giftschleim der Kröte Bufo Marinus wurde der Einlauf gekocht. Der Priester beginnt einen ekstatischen Tanz, der die Quezal-gefiederte Visionsschlange Kukulkan hervorlocken soll. Sie wird die Verbindung zu den ratgebenden Ahnen herstellen. Nun beugt sich der Priester nach vorn, reißt den Mund auf und rammt sich einen Obsidiandolch durch die Zunge. Langsam tropft Blut in die Opferschale auf dem Altar.

Das Volk jubelt. Wie irrsinnig zuckend nimmt der Priester eine dornenbesetzte Schnur vom Gürtel und zieht sie mit einem Ruck durch die offene Wunde. Nun spritzt das Blut in einer Fontäne auf den weiß gekalkten Boden. Der Platz bebt vor Begeisterung.

Kan-Xul steht abseits in dem Nebel, der aus den Räucherpfannen mit Copalharz über den Palast zieht. Der König weiß, dass seine Macht, sein Reich und seine Welt nur weiterbestehen werden, wenn er seine integrierende Überzeugungskraft als Gottkaiser beim Volk erhalten kann.

Nur er und nicht der Schamane muss die Geschicke durch das Zwiegespräch mit dem Überirdischen steuern. Aber Kan-Xul weiß auch: Das Blut des Königs ist die kostbarste aller Opfergaben.

Jetzt tritt Kan-Xul nach vorn. Atemlose, erwartungsvolle Stille auf dem Platz. Er legt seinen schweren Rock ab, der aus Jaderöhrchen geknüpft ist und den Maisgott Hunal Ye darstellt. Der König spreizt seine muskulösen Schenkel und hockt sich über eine Opferschale.

Ohrenbetäubender Trommellärm hebt an. Mit einem weit ausholenden Schwung seiner Faust stößt sich Kan-Xul einen Rochenstachel durch den Penis. Aber nur ein dünnes rotes Rinnsal quillt aus dem königlichen Gemächt.

Eine frische Brise weht über das Plateau und vertreibt den betäubenden Jasminduft. Die Ruinen von Palenque ruhen friedlich im Licht der untergehenden Maya-Sonne.

Informationen

Reisearrangement: Studiosus bietet eine 22-tägige Studienreise durch Mexiko und Guatemala mit Flug, Transfers, Hotelübernachtungen im DZ und Halbpension ab 3895 Euro an. www.studiosus.com, Telefon: 008 00/24 02 24 02 (gebührenfrei)

Aktuelle Sicherheitshinweise: Informationen zu den Ländern der Maya-Route unter: www.auswaertiges-amt.de

Weitere Auskünfte: Fremdenverkehrsämter von Mexiko und Guatemala unter: www.visitmexico.com. und www. visitguatemala.com.