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Argentinischer Rhythmus:Das Ritual der Melancholie

Die Gesichter der Frauen sind wie verzückt, die sonst bleichen Wangen aschfahler Männer sind gerötet. Doch wenn sich die Tanzpartner einander zulächeln oder sogar ein paar Worte miteinander wechseln, dann nur aus einer gewissen Verlegenheit, bis sie sich wieder voneinander lösen, als hätten sie nie und nimmer etwas miteinander zu tun.

Nur ein junges Punkmädchen und ein weißhaariger älterer Herr in Anzug und Krawatte tanzen sichtlich voneinander entzückt einen Tango nach dem andern und teilen sich danach auch den Tisch am Rande der Tanzfläche.

Ganz anders, martialisch wirkend, aber auch ausgelassener, ist jener Tango, wie er in den langen Nächten vom Samstag zum Sonntag nach 23 Uhr in einer außerhalb vom Zentrum gelegenen Milonga, dem Club Gricel, getanzt wird.

Im Gürtel einst verruchter Vorstädte, der "arrabales", gibt sich der Tango noch immer als das herbe Gewächs zu erkennen, das er in seinen Anfängen war. Vor allem die männlichen Tänzer, einige in tiefblauen Hemden über eng anliegenden schwarzen Hosen, ähneln den von Borges und Cortázar beschriebenen Reptilien und Monstern: Statt Glamour wie in den touristischen Shows geben ernste, bleiche, fast reglose Gesichter den Ton an und die Bewegungen vor. Beinahe ist es, als werde hier gar nicht getanzt, sondern eine äußerst strenge und ernste Zeremonie abgehalten. Aber auch ein Totentanz ist ein Tanz.

"Soy flor de fango" - "ich bin eine Blume im Sumpf" - , singt mit kraftvoller Stimme die berühmte Diseuse Susana Rinaldi in dem alten Tango "De mi barrio" ("Aus meinem Stadtviertel"). Als der Tango geboren wurde, zog sich das Land noch mitten durch die Barrios und die Arrabales.

Ländliche Einsprengsel in Gestalt grün überwachsener Bahndämme, an denen in Buenos Aires fast allerorts präsente Lumpensammler mit ihren armseligen Leiterwagen vorüberziehen, durchschneiden das trendige Viertel Palermo. Üppige Parks und Gartenlandschaften mit natürlichen Hügeln liegen aber auch verborgen hinter den Mauern der alten Palais und mondänen Hotels des Nobelviertels Recoleta.

Das Viertel ist nach dem gleichnamigen Friedhof benannt, der selbst einer kleinen ummauerten Stadt inmitten der großen gleicht: In einem Meer aus Marmor und einem rhetorischen Feuerwerk neobarocken Klassizismus' ist der Friedhof dicht besiedelt mit den Gebeinen von Vertretern der Aristokratie und Generalität des Landes.

Beim Friedhof La Recoleta endet auch die noble Avenida Alvear mit den schicksten und teuersten Läden der Stadt. In einem prachtvoll restaurierten neoklassizistischen Palais der frühen dreißiger Jahre hat seit dem vorigen Jahr das Park Hyatt Hotel seine Tore, genauer: seinen von mächtigen Säulen flankierten Portikus geöffnet.

Dieser Palacio Duhau - so benannt nach der Aristokratenfamilie, die ihn einst bewohnte - ist, außer über eine unterirdische Galerie, durch einen prachtvollen Garten mit einem modernen Anbau nach der parallel verlaufenden Calle Posadas verbunden. Die innere Gartenlandschaft in der Nachbarschaft zweier um die vorletzte Jahrhundertwende erbauter Villen bewahrt einen leisen Nachklang an die Zeit, als Buenos Aires noch in der Pampa lag, die Straßen Felder und die Gebäude Landhäuser waren. Noblesse oblige.

Das Park Hyatt von Buenos Aires lässt jede Melancholie erträglich werden.

Informationen

Anreise: Air France verbindet täglich zehn deutsche Städte über Paris-Charles de Gaulle mit der argentinischen Hauptstadt. Hin- und Rückflug in der Economy Class ab 883 Euro, in der neuen Business-Class "L'Espace Affaires" ab 3318 Euro, inkl. Steuern. Buchung und Reservierung in allen Reisebüros, über www.airfrance.de sowie telefonisch unter 0180 5 830 830 (0,14 E/Min.).

Unterkunft: Park Hyatt Buenos Aires - Palacio Duhau, Avenida Alvear 1661, Buenos Aires, Argentina C1014AAD. Standardzimmer ab 380 US-Dollar. Informationen und Reservierungen (für Anrufer aus Deutschland) unter Tel.:0180 5 23 12 34 sowie unter www.hyatt.com

Weitere Auskünfte: Tourismusbüro: www.bue.gov.ar/home/ (in Englisch).

Populäres Tanzlokal (Milonga): Club de Tango Gricel, La Rioja 1180, Tel.: 0054/11 49 57 71 57. Freitags und samstags ab 23 Uhr, sonntags ab 20.30 Uhr.

© SZ vom 15.3.2007

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