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An der Adria:Reiches Erbe

Vasto wurde angeblich von Diomedes, einem Gefährten des Odysseus, gegründet. Es folgten Römer, Franken, Spanier - aus gutem Grund.

Von Johanna Pfund

Diesen Sommer haben sie Vasto überrannt. Vor allem italienische Touristen haben die 40 000-Einwohner-Stadt an der Adria besucht, wie Americo Ricciardi, der Tourismuschef der Stadt erzählt. Ganze 16 Strände, Kies und Sand, zählt der Ort, und das stellte sich auch in Zeiten der Corona-Krise als Vorteil heraus. Kurzerhand wurden Unterrichtsstunden in die alten hölzernen Fischerhütten im Wasser, die Trabocchi, verlegt.

Den Standort schätzen die Menschen seit Jahrtausenden. Angeblich gründete Diomedes, ein Gefährte des Odysseus, die Stadt auf der Anhöhe 140 Meter über der Küste. Später kamen die Römer, dann die Franken und schließlich das aus Spanien stammende Geschlecht der d'Avalos, das die Stadt über Jahrhunderte hinweg als Sommerresidenz nutzte, und einen weitläufigen Palazzo direkt an der Hangkante hinterließ. Der Renaissance-Bau, ein Ersatz für den von Türken zerstörten mittelalterlichen Palast, beherbergt jetzt unter anderem das Archäologische Museum, das ein seltenes Doppelgrab eines Ehepaars zeigt. In der Gemäldegalerie findet man Werke der Brüder Palizzi, die die italienische Kunst des 19. Jahrhunderts mit prägten. Wobei es fast schade wäre, die Zeit nur im Inneren des Palazzo zu verbringen. Denn die Herrscher ließen auch einen Garten nach klassischen Regeln anlegen. Im Zentrum der in vier Teile aufgegliederten Fläche steht ein Brunnen, Säulen flankieren die Wege. Am Rande des Garten sind archäologische Fundstücke auf einer Mauer aufgereiht,. Italien hat einfach viel davon, zu viel, um alle Stücke in ein Museum zu stecken. Vor einigen Jahren wurden in Vasto auch die Überreste römischer Thermen freigelegt. Zwischen einer Hausmauer, Parkplatz und Promenade führen Wege über die Mosaiken mit Neptun und Nymphen; die Anordnung einer römischen Therme mit ihren verschiedenen Räumen ist gut zu erkennen.

Auf dem Erbe der Römer will sich Vasto aber nicht ausruhen. Auf der alten Eisenbahntrasse an der Küste entsteht ein Radweg, der einmal bis zur Emilia-Romagna hinauf führen soll.

© SZ vom 11.11.2020
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